"Ein sehr schönes Gebäude in bester Lage":
Gürtler eröffnet neues Café Sacher in Wien

Die Chefin des traditionsreichen Luxushotels expandiert: Sie will im Herzen Wiens ein nobles Kaffeehaus eröffnen. Im Interview spricht sie über ihre neuen Pläne.

FORMAT: Frau Gürtler, sieht man sich im Hotel Sacher um, deutet nichts auf eine Krise. Spüren Sie überhaupt etwas von der Wirtschaftsflaute?
Gürtler: Die Stadthotellerie spürt die Krise generell viel mehr als die Ferienhotellerie, wo es ja mehr Privatreisende und weniger Geschäftsreisende gibt. Firmen haben die Budgets für ihre Mitarbeiter gesenkt, die jetzt nicht nur weniger Business Class fliegen, sondern auch in preiswerteren Unterkünften logieren. Die Gäste, die bei uns früher eine Suite hatten, buchen nun eine Junior Suite. Die, die früher ein Standardzimmer hatten, entscheiden sich für ein Viersternehotel.
FORMAT: Was bedeutet das für das Hotel Sacher in Zahlen?
Gürtler: Dass wir in Wien Umsatzrückgänge von gut zwanzig Prozent verzeichnen, was natürlich beachtlich ist. Wir haben aber reagiert und so wie andere auch Sparmaßnahmen getroffen. Geringer fallen die Rückgänge in unserem Hotel in Salzburg aus. In der Festspielzeit sind wir natürlich ausgebucht, da die Nachfrage das Bettenangebot überschreitet. Dennoch spüren wir auch dort die wirtschaftliche Lage.

"Von Deripaska in Freundschaft getrennt"
FORMAT: Wie steht es um das Hotel Aurelio in Lech, das Sie für den russischen Oligarchen Oleg Deripaska managen?
Gürtler: Der Managementvertrag wurde mit Ende 2009 einvernehmlich gelöst.
FORMAT: Warum?
Gürtler: Es gab verschiedene Auffassungen darüber, wie das Preisniveau gestaltet werden soll. Wir haben uns aber in Freundschaft getrennt.
FORMAT: Wollten Sie die Preise wegen der Wirtschaftskrise senken, wofür Deripaska ob seines angeblich so luxuriösen Lebensstils wenig Verständnis zeigte?
Gürtler: Es gab verschiedene Vorstellungen darüber, aber wir sind nach wie vor freundschaftlich mit dem Hotel Aurelio verbunden. Axel Pfefferkorn ist dort sogar Hotelmanager geblieben. Wenn Herr Deripaska nach Wien kommt, wohnt er bei uns. Es ändert sich also nichts am freundschaftlichen Verhältnis. Natürlich soll er seine Unternehmungen so ausrichten, wie er es für richtig hält. Allein schon aus Kostengründen machte ein Betreiber wenig Sinn, weil das Hotel ja nicht so groß ist.

"Ein sehr schönes Gebäude in bester Lage"
FORMAT: An Arbeit wird es Ihnen wohl nicht fehlen. Laut unseren Informationen planen Sie schon Ihr nächstes Projekt. Sie haben einen Teil der Liegenschaft am Stock-im-Eisen-Platz 3 in Wien gekauft, um dort ein Café Sacher einzurichten?
Gürtler: Ich will derzeit nichts dazu sagen, weil das Geschäft noch nicht abgewickelt ist.
FORMAT: Für die 300 Quadratmeter sollen Sie, zum Teil über Kreditfinanzierung, elf Millionen Euro gezahlt haben.
Gürtler: Wir haben den Zuschlag für das Café Sacher bekommen, ja, aber ich habe noch gar nichts gezahlt. Summen nenne ich grundsätzlich keine (lacht) . Es ist jedenfalls ein sehr schönes Gebäude in bester Lage.

"Hofreitschul-Defizit auf eine Million gesenkt"
FORMAT: Ein wirtschaftlicher Erfolg ist Ihnen mit der Spanischen Hofreitschule geglückt. Der Bund übernimmt nun das Defizit. Sind Sie erleichtert?
Gürtler: Anfang Dezember 2007 habe ich mit meinem Engagement dort begonnen, also zu einer Zeit, wo die Liquiditätsreserven der Hofreitschule schon aufgebraucht waren. Es war notwendig, die Umsätze zu steigern. 2008 wurde also die Anzahl der Vorführungen auf zwei pro Woche hinaufgesetzt …
FORMAT: … wofür Sie kritisiert werden. Angeblich würden die Pferde zu viel eingesetzt und dadurch krank.
Gürtler: Es hat immer kranke Pferde gegeben, egal, ob es nun eine oder zwei Vorführungen die Woche gibt. Ich wurde auch dafür kritisiert, dass die Qualität wegen der höheren Zahl an Vorführungen angeblich gesunken sei. Auch das stimmt nicht, wie Experten ja schon bewiesen haben. Und wir haben das Defizit in den vergangenen zwei Jahren von bis zu drei Millionen Euro auf rund eine Million gesenkt, – auch, weil wir mehr Führungen geben und unsere Räumlichkeiten vermieten.

Interview: Silvia Jelincic

Zur Person: Elisabeth Gürtler, 59, betreibt neben den beiden Sacher Hotels in Wien und Salzburg ein mit zwei Hauben gekröntes Café Sacher in Graz. Zwei weitere Kaffee­häuser werden von Franchisepartnern in Innsbruck und am Flughafen Wien-Schwechat geführt. Im Familienbesitz befindet sich zudem ein Hotel in Seefeld. Die zweifache Mutter möchte nun ein 300 Quadratmeter großes Café Sacher am Stock-im-Eisen-Platz in der Wiener Innenstadt eröffnen. Der Kaufpreis für ihren Teil an der Luxusimmobilie soll bei knapp elf Millionen Euro liegen.

Über Elisabeth Gürtlers Opernballpläne und ihren Torten-Heißhunger lesen Sie im der aktuellen FORMAT-Ausgabe 02/10.

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