EHEC-Krise: Im Interview spricht Rewe-
Boss Frank Hensel über die Folgen

Rewe-International-Chef Frank Hensel kämpft gegen die Folgen der EHEC-Krise. Im Interview spricht der Deutsche über verunsicherte Konsumenten, strenge Qualitätskontrollen und sagt, warum sich die Bio-Branche die Kritik gefallen lassen muss.

FORMAT: Herr Hensel, seit der EHEC-Krise sind die Konsumenten stark verunsichert. Sie kaufen weniger Gemüse und stellen in den Filialen viele Fragen. Dennoch zögern Händler und wollen sich zu den Vorfällen teils nicht äußern. Warum nicht?

Hensel: Das ist doch verständlich, weil die Ursachen noch immer nicht geklärt sind. Es wäre jetzt nicht richtig, Behauptungen aufzustellen, die sich danach als falsch erweisen. Sie sehen ja, was passiert ist. Ständig glaubte man, die Verursacher ausfindig gemacht zu haben, und danach stellte sich heraus, dass sie alle nicht stimmten. Damit würden wir die Verunsicherung ja nur verstärken. Nichts zu sagen bedeutet ja nicht, nichts zu tun. Im Gegenteil. Der Handel ist sehr aktiv und leistet gute Aufklärungsarbeit, um den Konsumenten wieder Sicherheit und Vertrauen zu geben.

FORMAT: Dennoch hat es den Anschein, als würde das nicht ausreichend gelingen. Die Gemüse-Umsätze gehen weiter zurück. Was kann der Handel tun?

Hensel: Der Handel unternimmt viel, um den Menschen die Angst zu nehmen. Die Taktik in solchen Krisenfällen ist, zu sagen, was ist, und nicht, was nicht ist. Es macht ja keinen Sinn, den Konsumenten zu sagen, dass sie von den Lebensmitteln nicht krank werden. Das ist ohnehin klar. Wichtig ist, zu sagen, warum unsere Lebensmittel so sicher sind.

FORMAT: Und warum sind sie das?

Hensel: Weil wir in Europa ein hervorragendes Qualitätssicherungssystem haben und die Kontrollen sehr streng sind. Das kommunizieren wir den Kunden auch in „Nicht-Krisen-Zeiten“.

FORMAT: Kritik ernten derzeit auch die Medien. Händler meinen, sie würden die Panikmache in Krisenfällen schüren. Wie denken Sie darüber?

Hensel: Die Rolle der Medien ist beachtlich. Dabei ist es gerade in solchen Fällen wichtig, bei den Fakten zu bleiben und keine Panik zu verbreiten. Im Zweifel muss zugunsten des Kunden entschieden werden, weil seine Sicherheit vorgeht. Aber Behauptungen aufzustellen, die sich kurz danach als falsch erweisen, ist kontraproduktiv. Die Medien müssten dann ja auch auf den von ihnen begangenen Fehler aufmerksam machen, damit die Konsumenten wieder beruhigt sind, was aber leider nicht in dem Ausmaß passiert. Dabei wäre es nur fair, das Gegenteil der Falschannahmen zu kommunizieren.

FORMAT: Die Bio-Branche meint, es habe sie am härtesten getroffen. Wie sehen Sie das?

Hensel: Die Bio-Supermärkte sind in der Tat – zu Unrecht – für ihre spanischen Gurken kritisiert worden. Aber, und das muss man offen sagen, es sollte jetzt die Frage gestellt werden, warum zu dieser Zeit überhaupt Bio-Gurken aus Spanien gekauft werden müssen. Wir verkaufen unter der Rewe-Bio-Marke „Ja! Natürlich“ auch Gurken, aber die sind aus Österreich.

FORMAT: Das Argument der Bio-Branche ist, dass es ansonsten viele Gemüsesorten gar nicht gäbe, weil sie in Österreich ja nur saisonal verfügbar sind.

Hensel: Für die Bio-Gurken kann das nicht gelten. Die gibt es ja auch in Österreich zu dieser Jahreszeit, die Gurken müssen nicht unbedingt aus Spanien kommen. Die Bio-Branche muss sich kritisch sehen und sich fragen, ob Bio ein Massenphänomen ist. Ich meine, nein. Bio ist nichts für die Masse. Dann gibt es die Bio-Erdbeeren eben nicht das ganze Jahr über. Da ist es besser, Erdbeeren aus Österreich zu kaufen, mit kürzeren Transportwegen, was ja besser für die Umwelt ist. Bio ist eine wachsende Branche, wird aus unserer Sicht aber eine Nische bleiben müssen.

FORMAT: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Handel Krisen wie EHEC schnell überwindet. Woran liegt das?

Hensel: Weil der Handel Krisenszenarien parat hat. Dass ich also sonntagnachts mit einer Hiobsbotschaft aus dem Bett geklingelt werde, ist schwer möglich, weil wir bestens vorbereitet sind.

FORMAT: Zum Beispiel?

Hensel: Das beginnt schon bei Rückholaktionen. Binnen wenigen Stunden kann die gesamte Ware landesweit aus dem Verkehr genommen werden.

FORMAT: Interessant ist, dass EHEC in Osteuropa kein Thema ist. Ist man dort vielleicht gelassener?

Hensel: Die Menschen sind tatsächlich anders eingestellt, weil sie mitunter ganz andere Sorgen gewöhnt sind, zum Beispiel finanzieller Natur. Aber auch EHEC ist dort nicht so ein Thema wie bei uns.

FORMAT: Wie gehen Sie persönlich mit solchen Vorfällen um? Bleiben Sie cool?

Hensel: Ja, weil ich auf die Sicherheit und die hohen Qualitätsstandards der österreichischen Lebensmittel vertraue. Es gibt in keinem Lebensbereich hundertprozentige Sicherheit. Sonst dürfte ich das Haus ja gar nicht mehr verlassen.

– Interview: Silvia Jelincic

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