Duell um die A-Tec: Investor Ronny Pecik will die Anlagenbautochter AE&E kaufen

Früher waren Mirko Kovats und Ronny Pecik Geschäftspartner, heute stehen sie einander als Kontrahenten gegenüber: Pecik will den Anlagenbauer AE&E und ist auch an der Kupferhütte Brixlegg interessiert.

In besseren Zeiten, da waren sie mal Partner. Mirko Kovats und Ronny Pecik haben lange Jahre eng zusammengearbeitet. Mit vereinten Kräften haben die beiden Unternehmer Industriefirmen übernommen und mit spektakulären Deals das große Geld verdient. Vor allem der Kauf von knapp zwanzig Prozent an der VA Tech 2003 und der anschließende Weiterverkauf an Siemens nur ein Jahr später sorgten für Aufsehen. Zusammen haben sie auch die Herzstücke der heutigen A-Tec-Gruppe erworben. 2006 trennten sich ihre Wege – wegen unterschiedlicher Auffassungen. Pecik wollte die A-Tec in die Schweizer Oerlikon integrieren, Kovats war dagegen. Das war der Bruch. Der 62-jährige Kovats und der um 14 Jahre jüngere Pecik reden seither kaum noch miteinander. Zumindest bis Mitte dieser Woche.

Da haben sich die beiden zumindest die Hände geschüttelt und schnell ein paar Worte gewechselt. Allerdings aus einem unerfreulichen Anlass: Mirko Kovats’ Industriekonzern A-Tec ist ein Sanierungsfall, die Anlagenbau-Tochter AE&E braucht dringend frisches Geld, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Überraschungsduo

Doch die Banken, mit Krediten und Haftungen von 800 Millionen Euro bei AE&E engagiert, wollen nichts mehr nachschießen. Sie suchen dringend einen Käufer – und der könnte Ronny Pecik heißen. „Ich habe Interesse. Wir haben eine Due Diligence vorgenommen und sind zum Schluss gekommen, dass sich ein Kauf lohnt“, bestätigt Pecik im FORMAT-Interview .

Pecik will gemeinsam mit dem steirischen Anlagenbauer Christof als Know-how-Partner bei AE&E zuschlagen. Das Grazer Familienunternehmen beschäftigt weltweit 2.000 Mitarbeiter, setzt knapp 300 Millionen Euro um und sorgte zuletzt mit der Verpflichtung des früheren Telekom-Vorstandes Gernot Schieszler für Aufsehen.

Die Chancen des Überraschungsduos stehen nicht schlecht, zumal der Druck bei der AE&E groß ist und die Banken auf eine rasche Lösung drängen. Die Hongkonger Mass Financial Corporation ist abgesprungen, weil man eine „Nachbesserungsklausel“ zugunsten der Gläubiger nicht akzeptieren wollte. Und der koreanische Doosan-Konzern möchte mit asiatischer Gründlichkeit erst mal sorgfältig die Bücher prüfen, um zu wissen, worauf man sich bei der AE&E überhaupt einlässt. Eine günstige Konstellation für Pecik, der auch genüsslich die Österreich-Karte spielt: „Ein Verkauf an einen ausländischen Investor sollte generell vermieden werden. Das wäre fürs Land schade.“

Ob dieser Trumpf wirklich sticht, bleibt abzuwarten. Am Verhandlungstisch sitzen nicht nur heimische Banken, sondern mit der belgischen KBC Bank, der deutschen Commerzbank und der französischen BNP Paribas auch weitaus zähere Verhandler. Die zusätzliche Erschwernis: Die bei AE&E engagierten Banken haben durchaus andere Interessen als die Gläubiger des insolventen Mutterkonzerns A-Tec. Letztere, darunter die RZB und RLB OÖ, sind in erster Linie die Zeichner der von Kovats begebenen Anleihen in einem Gesamtvolumen von 350 Millionen Euro. Darunter auch etliche internationale Schwergewichte wie der US-Fonds Basso.

Wall Street in Wien

Um sich gegen mögliche Forderungen der eigenen Anleger abzusichern, verhandeln die internationalen Investoren auf beiden Seiten des Tisches beinhart und treten mit einer ganzen Armada von Anwälten und Gutachtern auf. Das Wort „Kompromiss“ steht auf deren Agenda ziemlich weit unten. Alle Vorschläge des Sanierungsverwalters Matthias Schmidt, der klammen Anlagenbau-Tochter AE&E mit einer Überbrückungsfinanzierung zu helfen, wurden abgeschmettert. Auch ein Angebot von Mirko Kovats, 25 Prozent seiner A-Tec-Aktien zu verpfänden, wurde als zu gering vom Tisch gewischt. Ein Hauch von Wall Street weht über dem historischen Kopfsteinpflaster der Wiener Innenstadt.

Tatsächlich ist die Ausgangssituation vertrackt. Das Hauptproblem: Die AE&E hat sich bei einem Kraftwerksprojekt in Australien kräftig verkalkuliert und braucht sofort 15 Millionen Euro, sonst droht der Konkurs. Die Banken sind daher mit jedem Käufer einverstanden, der die Schulden – also ihre aushaftenden Kredite – übernimmt. Ein hoher Kaufpreis ist für sie völlig uninteressant.

Zitterpartie

Für die ausländischen Fonds als Gläubiger der A-Tec-Holding ist die Situation komplizierter als für die Finanzinstitute, die an den Töchtern beteiligt sind. Ein Verkauf der AE&E nützt ihnen nichts. Zwar wird die Holding einige Haftungen los, ein symbolischer Kaufpreis von einem Euro für die Tochter trägt aber wenig dazu bei, die 350 Millionen Euro aus den insgesamt drei Anleihen zurückzuzahlen. Sie befürchten, dass die Anlagenbau-Tochter in aller Eile unter Wert verkauft wird, ebenso fürchten Basso und Co aber auch eine Insolvenz der AE&E, denn damit wäre das wichtigste Asset des Konzerns weg, eine Sanierung in weiter Ferne, wenn nicht sogar unmöglich.

Die Gläubiger der Anleihe haben nur eine einzige realistische Chance, ihr Geld jemals wiederzusehen: die Fortführung des Konzerns nach einem strengen Sanierungsplan. So könnte die A-Tec auf die Beine kommen, wieder besser verdienen oder auch die neu aufgestellten Töchter in einer besseren Situation lukrativ verkaufen – und damit Geld in die Kassen bekommen, um die Anleihen zu tilgen.

Peciks Angebot rettet zwar die AE&E, der A-Tec-Holding ist damit aber nur kurzfristig geholfen. Ob Zerschlagung, Sanierung oder Pleite: Wie auch immer der Poker um das Kovats-Reich ausgeht, die Anwälte auf allen Seiten schärfen schon die Messer, um die geplanten Verkäufe der A-Tec-Töchter anzufechten.

Sogar abgebrühte Zocker, die an der Börse auf Rettung oder Untergang der A-Tec spekulieren, sind nervös: Am Dienstag wurden mehr als 900.000 Aktien des Konzerns gehandelt, das Zehnfache normaler Tage. Der Kurs schwankte zwischen 2,48 und 3,60 Euro – eine Differenz von fast fünfzig Prozent

– Silvia Jelincic, Arne Johannsen

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