Drogen, Hacker und ein gewaltsamer Tod erschüttern die Bitcoin-Szene

Am Anfang stand ein Traum, am Ende der Tod. So stellt sich, aufs Wesentliche zusammengefasst, die bis dato ereignisreiche Geschichte der Bitcoins, der größten globalen digitalen Währung, dar.

Drogen, Hacker und ein gewaltsamer Tod erschüttern die Bitcoin-Szene

Der Traum, das war die Vision von einer fairen, effizienten Währung, die die Welt umfasst. Einer Währung frei von den Interventionen der Notenbanken, einer Währung frei von den Provisionen, die Geschäftsbanken, Kreditkartenunternehmen oder etablierte digitale Bezahldienste für ihre Transaktionen einbehalten.

Das und nicht weniger wollte der unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto firmierende, mutmaßliche Erfinder der Währung erreichen - zumindest wenn man seinen Chat-Verkehr aus dem Jahr 2008 glaubt. Dort steht unter anderem: "Ich arbeite an einem Cash-Transaktionssystem, das ohne Mittelsmänner funktioniert. Ein solches System brauchen wir unbedingt.“ Die Existenz von Notenbanken wertete er als Zeichen fehlenden Vertrauens der Bürger in die eigenen Währungssysteme. Sein Projekt hingegen folge "dem libertären Ansatz“, also dem eines Freiheitsliebenden, eines Menschen, der, wie einst Friedrich Hayek, glaubt, dass "gutes Geld schlechtes Geld verdrängt“.

Bis heute weiß niemand, wer oder was Satoshi Nakamoto ist. Eine echte Person? Das Pseudonym eines einzelnen Programmierers oder einer ganzen Gruppe? Ist es Dorian Satoshi Nakamoto, der Informatiker, den das Magazin "Newsweek“ aufgetrieben hat, der aber vehement bestreitet, etwas mit Bitcoins zu tun zu haben?

Wohin man blickt, nichts als Rätsel, Mythen, Legenden - was wahrscheinlich einer der Hauptgründe für die Faszination Bitcoin darstellt.

Das, und natürlich die 1.000-Dollar-Marke. Soviel war ein Bitcoin nämlich im November 2013 wert - endlich eine Zahl an der man sich massenmedial festhalten konnte. Die Bank of America hatte zu diesem Zeitpunkt sogar ein Kursziel für Bitcoin parat: 1.300 US-Dollar. Immer mehr Läden und Plattformen akzeptierten Bitcoin als Zahlungsmittel. Die Pizza wurde zum Exempel für all die Dinge, die man sich mit der Währung kaufen konnte.

Doch nicht nur Fast-Food-Betreiber sprangen auf den Zug auf. Immobilienunternehmen, Reisebüros, Spielzeughändler und Modebetriebe entdeckten Bitcoin als Weg, Transaktionsgebühren zu entkommen. Und Bitcoin war zu einem Werbemedium geworden, einem Übermittler der Botschaft, dass man sich am Puls der Zeit befinde. Bis schließlich zu Beginn des Jahres ein Art Ritterschlag erfolgte: Das US-Justizministerium erklärte, bei Bitcoin könne es sich "um ein legales Mittel zum Austausch von Gütern handeln“. Auch Notenbanken sahen sich genötigt, zum Thema Stellung zu beziehen - wobei sich die Kommentare in der Regel darauf beschränkten, dass sie selbst für Bitcoins nicht zuständig sind. Die Tatsache, dass Bitcoin zur Geldwäsche, für den Drogen- und Waffenhandel verwendet worden waren, wurden als Symptom einer Kinderkrankheit gewertet.

Der Rückschlag

Es war der Höhepunkt der Bewegung. Doch unter der Oberfläche gärte es bereits. Zwar hatten Kritiker immer wieder auf die Gefahr von Hacker-Attacken hingewiesen. Von der Wucht der Angriffe hatte man jedoch keine Ahnung.

Am härtesten traf es die wichtigste Bitcoin-Plattform Mt.-Gox. Laut der japanischen Tageszeitung Yomiuri Shimbun soll die Seite mit 150.000 Angriffen pro Sekunde traktiert worden sein. Als Waffe wurden das Konzept des "Distributed Denial of Service“ (DDoS) verwendet. Im Rahmen dieser Strategie wird die Kontrolle über zahlreiche externe Computer übernommen. Über diese "Zombie-Rechner“ werden dann Unmengen an Daten versandt. Am Ende der Attacke steht die Überlastung und schließlich der Zusammenbruch der Seite. Dann wird abgeräumt. So geschehen im Februar dieses Jahres. Unmittelbar nach den erfolgreichen Angriffen fror Mt.-Gox zunächst die Auszahlung von Bitcoin-Konten ein. Kurz darauf wurde die Seite endgültig vom Netz genommen.

Mt.-Gox-Anwälte erklärten, dass im Rahmen des Angriffs 750.000 Bitcoins im Wert von 575 Millionen Dollar gestohlen worden seien. Hacker werfen Mt.-Gox-CEO Mark Karpeles vor, selbst eine unbestimmte Menge an Bitcoin unterschlagen zu haben - Anschuldigungen, gegen die sich der Plattform-Chef vehement wehrt. Es folgten Verbote der chinesischen Behörden, Bitcoin ins Bankensystem aufzunehmen, auch Private, wie Russlands größter Internet-Händler Ulmart wandten sich von der Währung ab.

Und dann, zuletzt, der laut Behörden "nicht natürliche Tod“ von Autumn Radtke, Chefin der in Singapur ansässigen Bitcoin-Plattform First Meta. Verbunden mit einem neuen Rätsel: Mord oder Selbstmord? Zu Redaktionsschluss liefen die Ermittlungen noch. Dass Radtke starb, bevor sie 29 wurde, wird den Mythos Bitcoin aber so oder so weiter anheizen.

Hartnäckig

Bleiben als Bilanz also Geldwäsche, Hackerattacken, ein "nicht natürlicher“ Tod, ein mysteriöser Gründer, und Tageskurs-Schwankungen von mitunter mehr als 300 Prozent. Zu Ende ist die Geschichte von Bitcoin trotz dieser Zutaten aber immer noch nicht. Zwar haben in der Zwischenzeit auch andere Plattformen ihren Betrieb eingestellt oder wie die deutschsprachige bitcoin.de technische Probleme gemeldet - tatsächlich hat sich der Kurs von Bitcoin aber seit seinem Crash auf bis zu 80 Euro bemerkenswert erholt. Zuletzt notierte ein Bitcoin bereits wieder bei knapp 500 Euro.

Auch die reale Wirtschaft zeigt sich teilweise durchaus crashresistent. So erklärte etwa Barbara Wagner, Online Market Specialist bei lieferservice.at , auf Anfrage: "Wir akzeptieren Bitcoins als Zahlungsmethode und es ist in naher Zukunft auch nicht geplant, sie nicht mehr zu akzeptieren.“ Das international agierende Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden nimmt in Österreich über seine Plattform rund 100.000 Essensbestellungen pro Monat auf. Davon werden 3.000 mit Bitcoins bezahlt.

Warum das Experiment virtuelle Währung auch mit einem möglichen Scheitern von Bitcoin nicht unbedingt zu Ende gehen muss, wird klar, wenn man Wagner fragt, ob man von digitalen Bits und Coins nicht genug hätte, ob das Risiko nicht zu groß sei: "Da wir Trends immer beobachten und offen sind für Veränderungen, schließe ich es sicher nicht aus, dass wir in Zukunft andere virtuelle Währungen akzeptieren werden.“

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 
Wegbereiter einer neuen Industrie

Mit dem Schlagwort Industrie 4.0 werden revolutionäre Änderungen der …

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 
Comeback der Krise?

Auffällig viele Topunternehmen schreiben Verluste, eine Besserung der …

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 
Innovation - der wichtigste Rohstoff

Im Wettkampf der Regionen muss Österreich noch stärker auf …

50 Millionen Euro Umsatz macht die von Ronnie Seunig gegründete Excalibur City pro Jahr und schafft 500 Jobs. Roger Seunig tritt in die Fußstapfen seines Vaters und setzt dessen pittoreske Visionen fort.
 
Roger Seunig - der Ritter von Kleinhaugsdorf

Roger Seunig übernimmt von seinem Vater das Billig-Paradies Excalibur …