Dramatische Aufsichtsratssitzung am Flughafen Wien: Alle 3 Vorstände abbestellt

Der Airport-Aufsichtsrat zieht die Konsequenzen aus dem Skylink-Debakel und hat einen Antrag auf die sofortige Abbestellung aller drei Vorstände eingebracht. Für viel Wirbel sorgen auch neue Hausdurchsuchungen.

Dem Flughafen-Aufsichtsrat ist der Geduldsfaden gerissen: Im Rahmen einer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch wurde ein Antrag auf die sofortige Abbestellung aller drei Flughafenvorstände eingebracht. Vor allem schwarze Aufseher standen hinter dem Misstrauensantrag gegen das Führungstrio Herbert Kaufmann, Gerhard Schmid (beide SPÖ) und Ernest Gabmann (ÖVP), doch auch ein roter Kontrolleur sagte im Vorfeld der Sitzung, ihnen nicht länger das Vertrauen aussprechen zu wollen.
Die Länder Niederösterreich und Wien sind mit je zwanzig Prozent die größten Flughafen-Wien-Aktionäre.

Köpferollen  

Eine Entscheidung über ihre Abberufung war zu Redaktionsschluss am Mittwochabend, 20 Uhr, noch nicht gefallen. Wahrscheinlich ist, dass eine Entscheidung darüber erst bei der Aufsichtsratssitzung am 15. Dezember fällt, zumal sich einige SP-nahe Aufseher mehr Bedenkzeit erbeten haben. Bis dahin soll Aufsichtsratschef Christoph Herbst (ÖVP) eine umfangreiche Liste vorlegen, die ­penibel Aufschluss über die Versäumnisse der Vorstände geben soll. Dem Vernehmen nach dürfte sich bei der Dezember-Sitzung die Mehrheit des Aufsichtsrats für einen kompletten Austausch des Vorstandes aussprechen. Denn immer größer wird die berechtigte Sorge, für das Skylink-Debakel in Verruf zu geraten. Darüber hinaus soll es für das Vorstandstrio keine Abfertigungen in Millionenhöhe geben, nur ein kleiner Teil der verbliebenen Jahresgehälter soll ausbezahlt werden.

Argumentieren will der Aufsichtsrat die Abberufung mit der Angabe von „wichtigen Gründen“: Kaufmann und Schmid sollen Mitschuld an der Kostenexplosion am Skylink haben, Gabmann wird mangelnde Führungskompetenz nachgesagt. Spätestens nach Gabmanns medial breitgetretener Freundschaft zum Flughafenhändler Rakesh Sardana – dem er Retailflächen zugeschanzt haben soll – ist niemand gut auf ihn zu sprechen.

Kritisiert wird auch, dass Gabmann bei Sitzungen Fragen zum Unternehmen nicht beantworten kann und seine Intrigen das Klima vergiften. Davon hat auch Nieder­österreichs Landeshauptmann Erwin Pröll Wind bekommen. Einige Mitarbeiter haben ihm bereits ihr Leid geklagt – offenbar mit Erfolg. Um neuen Wirbel zu vermeiden, gibt Pröll seinen früheren Landeshauptmann-Vize zum Abschuss frei.

Technik-Chef Schmid hatte im Vergleich zu Vorstandssprecher Kaufmann bislang das Glück, medial weniger exponiert zu sein. Unter Beschuss ist er erst vor wenigen Monaten geraten, als, wie exklusiv be­richtet, Gratis-Upgrades und fragwürdige Provisionszahlungen beim Erwerb einer Beteiligung am Flughafen Friedrichshafen bekannt wurden. Letztere hatten auch den Druck auf Kaufmann erhöht.
Wiens Bürgermeister Michael Häupl will sein schützendes Händchen nun nicht mehr länger über die beiden SP-Manager halten. Erst vor wenigen Tagen kündigte Häupl personelle Konsequenzen an, nachdem der Rechnungshofprüfbericht zum Skylink an die Medien gelangt war und für Wirbel gesorgt hatte. Das Urteil der Prüfer fiel vernichtend aus, die Rede ist von schweren Planungs- und Durchführungsfehlern, die zur Verdopplung der Kosten auf fast eine Milliarde Euro geführt hätten.

Neue Hausdurchsuchungen

Die Causa Skylink verliert nicht an Brisanz. Erst vor rund zwei Wochen ist es zu weiteren Hausdurchsuchungen gekommen, etwa bei der Firma ATB Spezialbau, die dem bekannten österreichischen Baulöwen Reinhard Ringler gehört. Auf Anfrage bestätigt Karl Schober von der Staatsanwaltschaft Korneuburg die FORMAT-Recherchen und betont, dass es auch noch andere Hausdurchsuchungen gegeben habe.

Zudem laufen die Ermittlungen gegen die Flughafenvorstände Kaufmann und Schmid wegen des Verdachts auf Untreue weiter, ebenso gegen den früheren Vorstand Christian Domany sowie gegen Ex-Aufsichtsratspräsident Johannes Coreth (beide ÖVP). Ob es zu Anklagen kommen wird, ließe sich noch nicht sagen, so Schober: „Weil es noch länger dauern wird, um 160 Laufmeter Bene-Ordner auszuwerten.“
Ursprünglich hätte es ein „Stufenprogramm“ geben sollen: Im Jänner sollte Kaufmann gehen, nach der alljährlichen Hauptversammlung im April hätten ihm Gabmann und Schmid folgen müssen. Doch so lange darf es nicht mehr dauern, sagen Aufsichtsräte. Die Vorstandssuche muss schnell gehen – und wird nicht einfach: Nach dem Skylink-Desaster wird im Unternehmen die Forderung laut, Manager auszuwählen, die keiner politischen Couleur angehören.

Der Flughafen-Aufsichtsrat selbst wünscht sich Herbst in den neuen Zweiervorstand, doch der will lieber Richter am Verfassungsgerichtshof werden. Die Position, für die sich Herbst interessiert, wird aber angeblich erst 2011 frei. Interimistisch könnte er den Job somit übernehmen.

Teile der SPÖ wünschen sich Julian ­Jäger ins Managementboard. Der ­studierte Jurist ist zwar erst 39 Jahre alt, leitet die Flughafen-Tochter Malta International Airports (MIA) allerdings äußerst erfolgreich; auch der Name Rudolf Schicker, langjähriger Verkehrsstadtrat und soeben zum Vorsitzenden des Wiener SP-Rathausklubs gewählt, fällt immer öfter.

Viel Zeit, zwei Top-Leute zu finden, bleibt nicht. Am Flughafen häufen sich die Probleme – und das nicht nur in Sachen Skylink. Mit den steigenden Passagier­zahlen ist die dritte Piste wieder ein heißes Thema, damit verbunden sind der Bau von Straßen (40 Kilometer Länge) und Rollflächen (30 Kilometer) sowie Bauten für Feuerwehr, Sicht- und Lärmschutz etc. Hinzu kommen, wie berichtet, die Neuordnung der Vorstandsagenden und notwendige Revitalisierungsmaßnahmen zur Verbesserung des Wettbewerbs. In Summe geht es beim „Masterplan 2020“ um ein Investitions­volumen von fast fünf Milliarden Euro. Häupl und Pröll sollten sich mit der Vorstandswahl also lieber beeilen, um kein weiteres Milliardengrab zu schaufeln.

- Silvia Jelincic

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