Dogudan fixiert Superdeal mit der Formel 1 und hat Hunger auf mehr

Dogudan fixiert Superdeal mit der Formel 1 und hat Hunger auf mehr

Kurz vor dem Österreich-GP hat Do & Co einen Sensationsdeal mit der Formel 1 finalisiert und zeigt außerdem Appetit auf Gourmet-Marken in Frankreich und Italien.

Auch wenn die Anteilsmehrheit an der Formel 1 seit ein paar Jahren dem Finanzinvestor CVC gehört: Der Boss des globalen PS-Spektakels ist nach wie vor Bernie Ecclestone. Was für einen Österreicher durchaus ein Vorteil ist. "Ich bin immer sehr gut mit ihm ausgekommen“, sagt Großgastronom Attila Dogudan. In jüngster Zeit blieb es nicht bei allwöchentlichen Telefonaten zwischen den beiden, es waren ein paar persönliche Meetings nötig. Denn Dogudan, der seit 22 Jahren auf 16 von 19 Rennstrecken die VIP-Gäste im Paddock Club der Formel 1 bekocht, hat rechtzeitig vor der Rückkehr des Zirkus nach Österreich einen noch weitreichenderen Deal mit Ecclestone ausgehandelt.

Do & Co hat von CVC den gesamten operativen Betrieb des Paddock Club übernommen, der bislang beim Unternehmen Allsport lag. Damit ist Dogudan nun eine Art Generalunternehmer, er sorgt nicht mehr nur für das leibliche Wohl, er "macht“ den Paddock Club von einer Zentrale in London aus, inklusive der kompletten Produktion, Infrastruktur, Logistik und Gästebetreuung. "Wir wollen ein Gesamterlebnis schaffen, die Sponsoren gut betreuen, und sind jetzt als einer des Sales Agents auch in den Ticket-Verkauf involviert.“

Erstmals überhaupt betätigt sich Do & Co somit - neben anderen Agenten - im Vertrieb eines Großkunden. Für den Grand Prix in Spielberg sind übrigens noch ein paar Paddock-Tickets zum Preis von knapp 2.900 Euro für drei Tage direkt von Do & Co zu haben. Attila Dogudan: "Wir bekommen eine Kommission. Wenn wir noch mehr Leute bringen, haben wir die Chance, mit unserer Gesamtleistung mehr zu verdienen.“

Und natürlich auch Mister Ecclestone. "Er ist und bleibt der Boss, wir berichten an ihn und sind verantwortlich, dass alles im Bereich Hospitality funktioniert.“ Der Vertrag der Formel 1 mit Do & Co wurde gerade auf weitere sechs Jahre abgeschlossen. Von der ungeheuren Präzision der Formel 1 habe sein Gourmet-Konzern viel gelernt, meint der Gründer - und auch von einem anderen Prinzip dieses Sports: Einer gewinnt, der Rest ist uninteressant. Dogudan will gewinnen und hat immer noch Hunger auf mehr.

Frankreich lockt

Vor über 30 Jahren stand er als junger Mann in Paris an der Place de la Madeleine, dem Inbegriff europäischer Esskultur. Er drückte sich die Nase an den Auslagen der weltberühmten Feinkosttempel Fauchon und Hédiard, gleich gegenüber gelegen, platt. Er war fasziniert von den Bentleys und Maseratis, die draußen parkten, während die betuchte Kundschaft ihre Einkäufe tätigte. "Dorthin möchte ich kommen“, dachte der Studienabbrecher, der gerade in der Wiener Akademiestraße einen kleinen Feinkostladen eröffnet hatte. Immerhin schaffte er es ziemlich rasch, zum ersten Vertriebspartner von Fauchon in Österreich zu werden. "Wir haben die teuerste Marmelade der Welt mit mäßigem Erfolg verkauft.“ Drei Jahrzehnte später könnte Dogudan demnächst Besitzer von Hédiard sein.

Das Handelsunternehmen, das sich in finanziellen Schwierigkeiten befindet, wird verkauft. In der letzten Bieterrunde befinden sich nur noch Do & Co und eine Schweizer Millionärin. Beide haben vor dem Insolvenzrichter schon ihre Konzepte präsentiert. Do & Co hat sehr gute Karten. Ein Zuschlag wäre aber viel mehr als ein Symbol, die Vision aus der Jugend wirklich erreicht zu haben. "Wir haben noch nicht in Frankreich investiert, das wäre ein guter Anfang“, sagt Dogudan, der nach weiteren Kaufgelegenheiten im Ursprungsland der Michelin-Sterne Ausschau hält. Vor allem könnte ein französischer Touch auch bei einer anderen Entscheidung hilfreich sein, die in den nächsten drei, vier Wochen in Frankreich ansteht, wo der Nationalstolz bekanntlich besonders ausgeprägt ist.

Do & Co bewirbt sich für das VIP-Catering bei der Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich, dem weltweit drittgrößten Sportevent nach Fußball-WM und Olympischen Sommerspielen. Durch die Aufstockung der teilnehmenden Mannschaften ist das zu vergebende Volumen umfangreicher denn je. Dieser Auftrag ist einer der allerwichtigsten für Do & Co.

Gourmet-Markensammlung

Die Expansion des österreichischen Konzerns läuft mit einer Präzision ab, die tatsächlich an den Motorsport erinnert. Und sie läuft äußerst ertragreich, wie die jüngst veröffentlichten Geschäftszahlen zeigen: Die Erlöse stiegen im Vorjahr um 10,4 Prozent auf 636,1 Millionen Euro. Der Nettogewinn verbesserte sich um gut 14 Prozent auf 26,1 Millionen Euro. Und das Unternehmen, das vor 33 Jahren mit vier Mitarbeitern begann, beschäftigt nun 7.300 Personen (berechnet auf Basis sogenannter Vollzeitäquivalente).

Neben dem Kerngeschäft des Airline-Caterings gab es ein großes strategisches Ziel: bei den zwei weltweit wichtigsten Sportarten, Fußball und Formel 1, die erste Adresse in Bezug auf Hospitality zu sein. Beides scheint nachhaltig gelungen, was nicht zuletzt auch die Übernahme der "Allianz Arena“ in München dokumentiert, der Heimstätte der Fußball-Großmacht FC Bayern.

Nun rückt eine andere Strategie zunehmend in den Mittelpunkt: die Übernahme möglichst vieler Gourmet-Marken und ihre Integration in den Konzern. Hédiard soll den Anfang machen. Doch der Appetit von Do & Co ist damit nicht gezügelt: Dogudan hält nach weiteren Akquisitionsobjekten Ausschau, insbesondere in Italien und Frankreich. Durch eine Unternehmensanleihe im Volumen von 150 Millionen Euro, die Anfang März 2014 begeben wurde, ist ausreichend Cash in der Kassa.

Modekonzerne als Vorbilder

Die großen Vorbilder von Attila Dogudan sind Modekonzerne à la LVMH, die unterschiedliche Luxusmarken unter einem Dach vereinen: "Das ist unsere Benchmark. Do & Co soll ein Food-Modelabel werden, in dem jede Marke ihre Stärke bestmöglich ausspielen kann. Marken werden im Food-Bereich nur überleben, wenn sie von jemandem geführt werden, der über die Infrastruktur verfügt, sie europäisch und global auszurollen.“

Einen Vorgeschmack darauf, wie das zu verstehen ist, geben die Pläne für die Süßwarenmarke Demel. Do & Co hat das Gebäude am Wiener Kohlmarkt gekauft, in dem die altehrwürdige Konditorei gegründet wurde, und macht daraus einen riesigen Flagship-Store über mehrere Stockwerke. "Da muss es dann zweimal im Jahr Präsentationen der neuen Demel-Kollektion geben - wie bei Dior oder Armani.“

Nach New York etwa wurde Demel längst exportiert. Und natürlich wird auch neben dem "Do & Co Palace“, dem neuen Luxushotel in Istanbul, das im Frühjahr 2015 eröffnet, eine Demel-Filiale stehen.

Auch eine erste Akquisition in Asien könnte demnächst finalisiert werden. Die Markenoffensive ist Teil eines übergeordneten Ziels: Do & Co will unabhängiger vom Airline-Catering werden, wo der Preisdruck groß und die Abhängigkeit von der Konjunktur hoch ist. Derzeit sorgt dieses Segment noch für 68 Prozent der Konzernumsätze. Aber das direkte Geschäft mit dem Endkonsumenten soll stark forciert werden. Dogudan: "Spätestens in fünf Jahren soll der Airline-Anteil unter 50 Prozent liegen. Wir wollen uns in die Lage versetzen, dass wir Anfragen auch ablehnen können, wenn der Preis nicht stimmt.“

Dennoch: Schlecht läuft die Bordverpflegung in der Fliegerei keinesfalls. Die Partnerschaft mit der enorm expansiven Turkish Airlines hat sich als Wachstumstreiber erwiesen. Mittlerweile werden neun Gourmetküchen in der Türkei betrieben, über 600 "Flying Chefs“ sind für Turkish Airlines im Einsatz. Zudem hat Do & Co angekündigt, vier neue Produktionen auf amerikanischen Flughäfen zu errichten: Am Flughafen Chicago wird eine neue Gourmetküche eröffnen, weitere sind in Los Angeles, San Francisco und Washington geplant. Kombiniert werden die Operationen jeweils mit Airport-Gastronomie, auch ein Baustein in der Endkundenstrategie.

Eigene Akademie

Eines der wichtigsten Projekte wird derzeit genau an dem Standort realisiert, wo Attila Dogudan in den 1980er-Jahren mit einem winzigen Gourmetshop begonnen hat, in der Wiener Akademiestraße. Längst gehört ihm der gesamte Gebäudekomplex, und der wird künftig die "Do & Co Academy“ beherbergen, eine Art Konzernuniversität, in der Führungskräfte ausgebildet werden. Internationale Fachleute werden dort - in der Unterrichtssprache Englisch - Kurse abhalten. Auch für Akademiker, die im Unternehmen anheuern, ist sowohl ein Training an der Dienstleistungsfront als auch die Absolvierung der "Do & Co Academy“ verpflichtend.

Dogudan: "In einem Jahr muss die Ausbildungsstätte stehen, sonst kriegen wir ein echtes Problem. Die Food-Branche ist ja nicht irrsinnig kapitalintensiv, unser Wachstumslimit ist nicht Geld, sondern dass wir genügend gute Leute bekommen. Und das wird leider immer schwieriger.“

Wenn die Übung gelingt, die nötigen Personalkapazitäten aufzubauen, wird Do & Co weiter wachsen. Diese Prognose ist nicht sehr gewagt.

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