Do&Co's Bodenoffensive

Mit dem Catering für die ÖBB-Speisewagen steigt Do & Co jetzt in ein weiteres Geschäftsfeld ein. Auch sonst gibt es viele neue Pläne - auch für den Problemkunden AUA.

Er ist ein Rastloser. "Ich hab noch nie wenig gearbeitet“, sagt Attila Dogudan. "Doch so intensiv wie jetzt war es noch nie. Es geht drunter und drüber.“ Der 52-Jährige war in den vergangenen sieben Tagen unter anderem in Australien, London, Wien, Ankara und Kiew. Hier eine Präsentation, dort ein Meeting. "Ich fliege pro Jahr mehr als ein Pilot“, sagt er. Und neuerdings ist der vielleicht größte Perfektionist aller österreichischen Unternehmer auch noch Zugfahrer.

Mit 1. April wird sein Gourmet-Konzern Do & Co das Catering für die ÖBB übernehmen. Mit einem Schlag bekommt Dogudan 600 Beschäftigte dazu - und kratzt an der 6.000-Mitarbeiter-Marke. Damit ist das Gastronomieunternehmen, das vor 30 Jahren als Vier-Mann-Lokal in Wien gegründet wurde, mittlerweile etwa gleich groß wie der bisherige Hauptkunde AUA. Aber im Gegensatz zu der Fluglinie wächst Do & Co weiterhin - auf allen Linien und besonders stark am Boden.

Zug um Zug mehr Qualität

Bei der Bahn will Dogudan erst einmal so lange investieren, bis die Zufriedenheit der Kunden passt. "Die ÖBB sind sehr unterschätzt, und die Führung will wirklich mit besserer Qualität Fahrgäste gewinnen“, behauptet der Workaholic. Mit rund 30 Millionen Passagieren im Fernverkehr werden dreimal so viele Personen im Jahr wie von der AUA transportiert. Und sie sitzen im Schnitt länger im Zug als im Flieger. Den Fahrgästen soll künftig daher schmackhaft gemacht werden, sich ordentliche Verpflegung unterwegs zu kaufen: eine gebratene Hühnerbrust um 9,90 Euro oder einen Espresso um 1,90 Euro.

"Es gibt ein Riesenpotenzial, aber es braucht etwas Zeit“, versucht Dogudan übertriebene Erwartungen etwas zu dämpfen. Mit 1. April werde sich für Zugfahrer nichts abrupt ändern. "Wir haben einen Stufenplan.“ Ziel eins ist es, den Betrieb ordnungsgemäß zu übernehmen, ab Sommer soll es die erste Runde an Verbesserungen geben, die vor allem mit einer intensiven Schulung der neuen Mitarbeiter einhergeht. Spätestens nach einem Jahr soll das Catering auf Do-&-Co-Niveau gebracht werden. So lange hat es auch bei Turkish Airways gebraucht, wo Dogudan mittlerweile höchst erfolgreich ist.

"Es ist eine Win-win-Situation für alle. Wir sparen im Konzern Millionen, aber auch der Kunde wird von günstigeren Preisen profitieren“, sagt ÖBB-Chef Christian Kern. Der Vertrag zwischen Do & Co und ÖBB wurde auf sechs Jahre geschlossen und soll in dieser Zeit der Bahn insgesamt 42 Millionen Euro Ersparnis bringen. Denn der bisherige Betreiber E-Express bekam bis zu 16 Millionen Euro Zuschuss pro Jahr für die Speisewagen-Bewirtschaftung. Es habe zu wenig Anreize gegeben, lässt Dogudan durchklingen. Je weniger E-Express verkauft hat, desto höher war der Zuschuss. Die jetzige Vereinbarung verschiebt das Risiko deutlich zu Do & Co, wobei man dort aber eine Umsatzsteigerung um 50 Prozent als Minimalziel betrachtet. Und damit ließe sich auch im Zug gutes Geld verdienen.

"Bahncatering ist eine logistische Höchstleistung - quasi die Eigernordwand des Caterings“, stellt Kern fest. Bei den ÖBB wird Dogudan unter der Marke "Henry“ auftreten. Diese wurde vor gut einem Jahr das erste Mal in einer Billa-Corso-Filiale in Wien präsentiert und soll für gesundes, frisches und schnelles Essen stehen. Andere Bahnbetreiber als die ÖBB stehen für Dogudan vorerst nicht auf der Speisekarte. "Die Aufgabe bei den Bundesbahnen ist groß genug“, meint er.

Weniger abhängig von Luftgeschäften

Doch sonst gibt es neue Pläne en masse: Spätestens im Herbst soll es in Wien fünf weitere "Henry“-Shops geben. Bei vielen großen Sportereignissen vom Champions-League-Finale in München bis zur Fußball-WM in Polen und der Ukraine ist Do & Co heuer mit dabei. Beim neuen Do-&-Co-Luxushotel in Istanbul wurden nach langwierigen Verhandlungen mit dem dortigen Denkmalamt die Bauarbeiten mittlerweile gestartet. Mittelfristig möchte Dogudan die "Bodenquote“ in seinem Unternehmen auf 50 Prozent erhöhen. Derzeit stammen noch rund 70 Prozent des Do-&-Co-Umsatzes aus dem Airline-Bereich. In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2011/12 lag der Umsatz bei 362 Millionen Euro - knapp zehn Prozent mehr als in den ersten neun Monaten des Vorjahres.

Sorgen bereitet vor allem die Krise der AUA. "Als langjähriger Partner und Lieferant der AUA mussten wir natürlich auch einen Beitrag zur Sanierung leisten“, sagt Dogudan. Die Rede ist von einem zweistelligen Millionenbetrag, den die Airline beim Catering einspart. Aber es wäre nicht Dogudan, hätte er nicht auch für diese Situation schon an einem neuen Konzept getüftelt. Weil er die Strategie westeuropäischer Carrier für falsch hält, bei der Qualität zu sparen, will er AUA-Passagieren künftig Essen in Restaurantqualität auf Vorbestellung und gegen Bezahlung anbieten. Details will er noch nicht verraten, hält seine Marke aber mittlerweile für so stark, diesen Weg gehen zu können: "Why not, Passagiere wollen in jedem Fall was Ordentliches und keine billige Massenware wie bei den meisten Fluglinien.“

Emirates wollen mehr Do & Co

Früher hat Do & Co etwa 70 Millionen Euro mit der Fluglinie umgesetzt, derzeit sind es rund 60 Millionen Euro, künftig werden es noch rund 15 Prozent weniger sein. Insgesamt servieren 60 Fluglinien Do-&-Co-Essen. Und anderswo ist Qualität heiß begehrt. "Dogudan ist der beste Caterer der Welt“, schwärmt Emirates-Vertriebschef Thierry Antinori. Bereits jetzt werden Flüge der Scheich-Airline von New York, London, Istanbul oder Frankfurt nach Dubai von Do & Co beliefert, im Luxussegment der Business und First Class. Antinori will die Kooperation mit Emirates jetzt noch weiter ausbauen.

Andere sehen Dogudan etwas kritischer. "Wir hören, dass die Arbeitsbedingungen da und dort zu wünschen übrig lassen“, sagt der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Vida, Rudolf Kaske. Zum Teil seien die Arbeitszeiten zu lange, auch Betriebsräte seien nicht in jedem Unternehmen von Dogudan selbstverständlich. "Aber er ist ein hervorragender Gastronom“, fügt Kaske an.

Geld für Akquisitionen

Dogudan ist stolz, dass sein Unternehmen trotz Expansion keine Schulden hat. Wie schwer es ist, mit geliehenem Geld Geschäfte zu machen, hat er als Kind gesehen, als sein Vater die Wucherzinsen für seine Lokale mühsam abstottern musste. Attila Dogudan hat diese Lektion beherzigt und ist nicht auf fremdes Geld angewiesen. Im Gegenteil: Er hat ausreichend Mittel für Akquisitionen übrig. "Je mehr die Märkte volatil sind, desto lieber greifen die Menschen zu Markenprodukten wie Do & Co“, ist er überzeugt - und liebäugelt insgeheim mit der Übernahme eines großen internationalen Konkurrenten. Denn: Selbst Riesen im Airline-Catering wie die Lufthansa-Tochter LSG könnten Experten zufolge zu Übernahmekandidaten werden.

"Der Einsatz, den er an den Tag legt, ist ein Wahnsinn“, sagt der Event-Veranstalter Hannes Jagerhofer. "Vor Mitternacht hat er selten Zeit für Gespräche.“ Jagerhofer kennt Dogudan seit 25 Jahren, fragt sich aber immer noch, wie Do & Co bei seinem Beachvolleyball-Turnier im Sommer in Kärnten 1.600 Gäste gleichzeitig auf höchstem Niveau verpflegen kann.

"Es geht nur mit einer super Crew, und die haben wir. Unsere Mitarbeiter gehören zu den besten der Welt, auf sie sind wir besonders stolz“, meint Dogudan. Aber während die Gäste sich laben, ist der gebürtige Türke, der im Alter von zehn Jahren nach Österreich übersiedelte, oft in Gedanken schon beim nächsten Projekt. Eigentlich sei sein Geschäft ein undankbares, sinniert er: Dass die Party gestern super war, interessiere am nächsten Tag niemanden mehr. Was zählt, ist, dass bei der Veranstaltung morgen auch alles passt. "Würde ich es nochmals machen?“, fragt er sich: "Nein!“ Die Zeit drängt. Der nächste Flieger, das nächste Geschäft wartet schon.

– Florian Horcicka, Miriam Koch

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