"Die Zentralen der Wettmafia können durchaus in Europa beheimatet sein"

"Die Zentralen der Wettmafia können durchaus in Europa beheimatet sein"

FORMAT: Wissen Sie von Österreichern, die in den soeben von Europol aufgedeckten Betrugsskandal mit Fußballwetten involviert sind?

Jürgen Irsigler: Ausschließen kann man bei diesen Dingen leider gar nichts. Aber ich kenne konkret die Beweislage nicht.

Diesmal wurden die Wetten offensichtlich in Singapur platziert, manipuliert wurden jedoch hochklassige europäische Fußballspiele. Wie funktioniert das?

Irsigler: Da stecken verzweigte kriminelle Organisationen dahinter. Sie lassen über Mittelsmänner weltweit Sportler über einen längeren Zeitraum beobachten. Fußballer oder Schiedsrichter, die wegen ihrer persönlichen oder finanziellen Situation als "labil“ eingestuft werden, spricht man dann an - in der Regel in deren privatem Umfeld, zum Beispiel im Kaffeehaus. Langsam wird ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, bis schließlich eine Manipulation vorgeschlagen wird. Andere Mittelsmänner setzen dann an einem weit entfernten Ort eine möglichst hohe Summe auf den manipulierten Sachverhalt. Derjenige, der tatsächlich manipuliert, erhält meistens einen fixen Betrag.

Und wenn die Manipulation nicht klappt?

Irsigler: Ob das Bestechungsgeld dann trotzdem fließt oder nicht, kann ich nicht sagen.

Warum finden die Wetten in Asien statt?

Irsigler: Weil man dort die höchsten Summen bei geringster Kontrolle unterbringen kann. Bei uns würde das nicht funktionieren, weil Wettbeträge beschränkt sind und streng kontrolliert wird. Unregelmäßigkeiten melden wir an Bundesliga und ÖFB, die sofort die entsprechenden Untersuchungen einleiten.

Die Drahtzieher sitzen in Fernost?

Irsigler: Im konkreten Anlassfall ja. Grundsätzlich handelt es sich aber um keine rein asiatischen Organisationen. Die Zentralen der Wettmafia können durchaus auch in Europa beheimatet sein. Lediglich platziert werden die Wetten in Südostasien, etwa in Hongkong, Singapur, Vietnam, Laos oder Myanmar.

Wie viele Mittelsmänner liegen zwischen dem Platzieren einer Wette und dem Ansprechen eines Sportlers?

Irsigler: Weil diese Netzwerke im Dunkeln agieren, haben wir kaum Informationen über ihre Größe. Aber es müssen sehr viele Mittelsmänner sein, die zwischen einer Wette und einer Manipulation in das System einbezogen sind.

Damit sinkt vermutlich die Chance, jemals einen der Hintermänner zu erwischen?

Irsigler: Bestraft werden so gut wie immer nur die Letzten in der langen Kette. Das sind die Spieler oder Schiedsrichter, die eine Manipulationshandlung setzen. Allenfalls kommt man noch an deren Ansprechpartner heran, danach ist Schluss.

Wie groß ist überhaupt die Chance, einem Wettbetrug auf die Schliche zu kommen?

Irsigler: Gering. Man hört zwar mittlerweile öfters von Verdachtsmomenten, zu Anklagen oder gar Verurteilungen kommt es jedoch höchst selten.

Wie viele Fälle gab es 2012 in Österreich?

Irsigler: Im ganzen Jahr gab es keinen Verdachtsfall. Wir mussten über den Verband der Wettanbieter keine einzige Auffälligkeit an die Bundesliga melden.

Schaden internationale Betrugsfälle eigentlich Ihrem Geschäft in Österreich?

Irsigler: Das ist für uns jedes Mal wie ein K.-o.-Schlag. Als damals die Manipulationen des deutschen Schiedsrichters bekannt wurden, sank unser Wettumsatz um rund 30 Prozent. Es hat Monate gedauert, bis sich das wieder normalisierte.

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