Die Wiener Börse hat in Osteuropa zu
kämpfen

Sieben Jahre nach dem Start der Ostexpansion muss die Börse Wien um ihre Vormachtstellung in CEE kämpfen. Ungarn und Polen leisten erbitterten Widerstand.

Es gibt weitaus angenehmere Dienstreisen als diese. Als Wiens Börsenchef Michael Buhl diese Woche nach Budapest reiste, erwarteten ihn dort eine Reihe aufgebrachter Broker und Rücktrittsschreiben des Budapester Börsenchefs Mihaly Patai sowie des Aufsichtsratschefs Robert Cselovszki.

Was war geschehen? Sieben Jahre nachdem die Wiener Börse die Mehrheit an der Börse Budapest übernommen hat, hätte nun das auch in Wien eingesetzte Handelssystem Xetra etabliert werden sollen, doch die wichtigsten Broker legten sich quer.

Im Vorfeld der außerordentlichen Hauptversammlung, auf der dieser Schritt abgesegnet hätte werden sollen, alarmierten die Broker die ungarische Regierung und Nationalbank über die Pläne der Wiener. Für Buhl besonders schmerzlich: Auch die Erste Bank, sein früherer Arbeitgeber, wandte sich gegen ihn. Das Argument: Die Einführung von Xetra gefährde ungarische Arbeitsplätze, denn ausländische Handelsteilnehmer, die nun via Xetra direkt mithandeln könnten, würden ungarischen Brokern Volumen wegnehmen. „Das stimmt natürlich nicht, denn ausländische Handelsteilnehmer sorgen dafür, dass der Kuchen größer wird“, argumentiert Buhl, der seit 2006 im Direktorium der Budapester Börse sitzt und dort schon viel erleben musste.

Von Anfang an setzten sich die Ungarn gegen die Integrationsbestrebungen der Österreicher heftig zur Wehr. Eigene Gesetze wurden erarbeitet, um den Einfluss der Wiener zurückzudrängen, und 2008 wollten die MOL und die OTP, die Schwergewichte an der Budapester Börse, sogar eine eigene Börse gründen oder alternativ die Österreicher rauskaufen.

Kaum Synergien

Auch wenn letztendlich das Schlimmste bislang immer abgewendet werden konnte, eine Erfolgsstory ist die Ostexpansion der Wiener Börse nicht. Mittlerweile gehören vier Handelsplätze dem Börsenverbund CEESEG (CEE Stock Exchange Group) an: neben Wien und Budapest noch Prag und Laibach. Über die Jahre, so schätzen Insider, sind mehr als 500 Millionen Euro in die K.-u.-k-Fantasie der Wiener Börse geflossen.

Der Return aber bleibt bescheiden. Einige Börsenaktionäre vermissen Synergien. „Das lässt sich schwer in Zahlen fassen“, heißt es dazu aus der Wiener Börse, und man verweist auf einen einheitlichen Datenvertrieb der vier Börsen und gemeinsame Roadshows. Ursprünglich geplante Dual- oder Triple-Listings einiger Unternehmen sowie IPOs etwa slowenischer oder ungarischer Unternehmen in Wien bleiben aber Utopie.

Dazu kommt, dass der CEESEG in der Warschauer Börse ein übermächtiger Konkurrent heranwächst. Hat es zu Beginn der Expansion der Wiener noch so ausgesehen, als könnte man auch die Polen unter das CEESEG-Dach holen, so ist das mittlerweile ausgeschlossen. Die Polen kochen ihr eigenes Börsensüppchen und machen das sehr erfolgreich. Nach 92 Börsengängen im vergangenen Jahr haben die Polen die CEESEG-Gruppe in der Marktkapitalisierung bereits überholt. 148,6 Milliarden stehen 156 Milliarden in Warschau gegenüber. Auch die heimische Immofinanz liebäugelt mit einem Zweitlisting in Polen. „Wir sind ein bisschen neidisch auf Warschau, denn die Unterstützung der Politik für den Kapitalmarkt ist dort viel größer“, kritisiert Buhl.

Trotz all der Probleme hält die Wiener Börse daran fest, der Marktplatz Nummer eins in Osteuropa zu sein. Um die Handelsplätze in Sofia, Belgrad, Zagreb und Bukarest wird weiter gebuhlt. Wenn auch nicht mehr mit der Energie, die man noch vor ein paar Jahren an den Tag gelegt hat. Denn in der jetzigen CEESEG gibt es genug zu tun: Für die Budapester Börse muss ein neuer Chef gefunden werden, und Ende des Jahres soll Prag an das Xetra-System angebunden werden. Klingt nicht einfach.

– Angelika Kramer

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