Die wundersame Wertsteigerung der bulgarischen Mobiltel

Die Telekom-Geschäfte in Bulgarien und Weißrussland dürften nochmals durchleuchtet werden.

Noch reden die Ermittler offiziell nur von Nebenschauplätzen in der „Telekom-Affäre“, doch ist zu erwarten, dass die Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungen schon bald ausweitet. Laut FORMAT-Informationen sind in Verhören zur Bonus-Affäre und zur Hochegger-Connection Hinweise aufgetaucht, die frühere Deals in Osteuropa betreffen. Demnach sollen die Zukäufe der Telekom in Bulgarien, Weißrussland und Serbien nochmals näher unter die Lupe genommen werden, um zu klären, ob es zu „Unregelmäßigkeiten“ beim Erwerb von Tochtergesellschaften gekommen ist.

Im Fokus: der 2005 vollzogene Bulgarien-Deal unter Ex-Konzernchef Heinz Sundt. Ein Konsortium, bestehend aus den Investoren Martin Schlaff, Herbert Cordt, Josef Taus und der Bawag, hatte den bulgarischen Mobilfunkbetreiber Mobiltel 2002 für weniger als eine Milliarde Euro übernommen und drei Jahre später um rund 1,6 Milliarden Euro an die Telekom weiterverkauft. Die Telekom begründete die kostspielige Vorgangsweise mit der zuvor unsicheren Rechtslage in Bulgarien, ein direkter Kauf sei daher nicht ratsam gewesen.

Nun werden aber Zweifel laut, ob die Mobiltel nicht doch günstiger zu haben gewesen wäre und ob jemand von dem Geschäft unrechtmäßig profitiert hat. In der Führungsetage saßen damals neben Heinz Sundt auch Rudolf Fischer, Stefano Colombo und Boris Nemsic. Als Berater stand wieder einmal Lobbyist Peter Hochegger zur Verfügung.

Viele Fragen, noch keine Antworten

Auch beim Deal der Telekom in Weißrussland könnte die Staatsanwaltschaft noch Erklärungsbedarf sehen. Dort schlug der frühere CEO Boris Nemsic 2007 zu und kaufte den Mobilfunkbetreiber MDC um 1,05 Milliarden Euro. Das Geschäft lief wieder über Investor Martin Schlaff. Zwar galt der Preis als angemessen, allerdings wurde der Deal von mehreren Seiten scharf kritisiert. Österreichs damaliger Handelsdelegierter in Russland, Hans Kausl, der von Moskau aus das Nachbarland mitbetreute, sagte etwa, dass er nicht sicher sei, ob die Due Diligence „eingehend genug“ gewesen sei. Auch soll dem Vernehmen nach überprüft werden, ob es neben Schlaff und dem weißrussischen Staat noch weitere Nutznießer im Hintergrund gab.

Der Telekom Austria hat der Zukauf von MDC auch abgesehen davon einigen Ärger beschert. Derzeit leidet das Unternehmen enorm an der hohen Inflation in Weißrussland, was laut Analysten schon länger absehbar war.

– Silvia Jelincic

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