Die neue Schnupfenpost: DM startet Online-Versandapotheke

Mit Kampfpreisen und dem Vermarktungspartner dm will die Schweizer Versandapotheke Zur Rose nun den österreichischen Markt erschließen.

Von Erkältung Geplagte entwickeln mitunter Rituale: Während sich die Aspirin-C-Brause im Wasser auflöst, lutschen sie schon die erste Halstablette, gießen sich Hustensaft ein und legen sich eine Vitaminkapsel zurecht, um sie später mit der Sprudelbrause hinunterzuspülen. Aber so ein Arzneienmix aus der Apotheke kann teuer werden, wie jeder weiß.

Seit Jahren schon wittert daher die Drogeriemarktkette dm ein lukratives Geschäft und würde gern rezeptfreie Medikamente zu günstigeren Preisen in Umlauf bringen. Doch alle Versuche scheiterten an der heimischen Gesetzeslage.

Nun ist ein erster Schritt ­gelungen. Die Schweizer Versandapotheke Zur Rose geht mit dem Kooperationspartner dm in Österreich in die Offensive: In Zukunft soll die Post das Grippe-Paket nachhause bringen, das der Kunde zuvor online, per Telefon, Fax oder Katalog bestellt hat.

„Die Produkte sind bei uns bis zu 40 Prozent güns­tiger als in der Apotheke und werden spätestens nach fünf Tagen ge­liefert“, erklärt Zur-Rose-­Geschäftsführer Walter Oberhänsli. Angeboten werden in Österreich zugelassene und nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel: im Fachjargon OTC-Produkte (Over the Counter). Dazu gehören etwa Aspirin, Supradyn und Bepanthen.

Regulierter Handel

„Wir halten das für eine sehr positive ­Initiative und unterstützen die Schweizer“, sagt Harald Bauer, Mitglied der dm-Geschäftsleitung. In den Läden wird es Informationen zum Produktsortiment und Bestellmöglichkeiten geben. Zudem promotet dm den Partner – gegen Provision – in den eigenen Werbematerialien. So soll der Bekanntheitsgrad von Zur Rose rasch steigen.

Selbst mit Arzneimitteln handeln darf dm nach wie vor nicht. Laut österreichischer Gesetzeslage ist dies den 1.280 Apotheken vorbehalten, auch der Versandhandel ist verboten. Allerdings kann laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs ein europäisches Unterneh­men vom Handel in anderen EU-Ländern nicht ausgeschlossen werden. Was heißt: Ausländische Versandapotheken dürfen in Österreich sehr wohl ­aktiv werden, waren es aber noch nicht im großen Stil.

Was dm und Zur Rose jetzt ändern wollen – in Deutschland macht das Versandgeschäft mittlerweile 10 Prozent des OTC-Marktes aus.
Bereits seit 2007 ist der Schweizer Marktführer Zur Rose (Umsatz: rund 410 Mil­lionen Euro) über seine in Tschechien ansässige Tochter VfG am österreichischen Markt präsent, jedoch in überschaubarem Rahmen. „Wir waren auf der Suche nach einem Partner, um ohne hohe Kosten eine schnellere Gangart zu bewerkstelligen“, so Oberhänsli, „und Drogerieprodukte stehen dem Arzneimittelsegment naturgemäß nahe.“ So erwirtschaftet dm ­bereits jetzt mit „apothekennahen“ Artikeln – Pflaster, Zinkkapseln usw. – rund 5 Prozent des Gesamtumsatzes von 624 Millionen Euro (2009/10). Sollte das Apothekenmonopol in Österreich irgendwann fallen, hätte dm mit Zur Rose ­bereits einen Fuß in der Tür.

Skepsis

Das ist allerdings noch Zukunftsmusik. Im Gesundheitsministerium sieht man keinen Anlass, die Gesetzes­lage zu ändern. „Im Verkauf von Arzneimitteln stehen Be­ratung und Sicherheit im Vordergrund“, so ein Sprecher.
Auch die Österreichische Apothekerkammer hat gegen­über Versandapotheken Bedenken. Sprecherin Jutta Pint: „Der Konsument kann oft nicht zwischen seriösen und unseriösen Angeboten unterscheiden.“
Bei dm und Zur Rose sieht man die Skepsis gelassen. „Wir nehmen das sportlich und stellen den Anspruch, in Beratung und Qualitätssicherung den Apo­theken um nichts nachzustehen“, sagt Oberhänsli. Er will den Preis sprechen lassen.

– Martina Bachler

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