Die Reichen feiern: Wie der Geldadel wieder in Schwung kommt

Bei Österreichs Millionären ist Partystimmung angesagt. Ihre Zahl ist um elf Prozent auf aktuell 68.900 gestiegen, heißt es in einem neuen Reichen-Bericht. Insgesamt sitzen sie auf 210 Milliarden Euro.

Mitleid brauchte man keines zu haben, als es im Vorjahr hieß, die Reichen würden unter der Wirtschaftskrise ächzen. Dann waren es eben ein paar Millionen weniger, am Hungertuch hatte jedenfalls keiner zu nagen. Nur die Feste wurden bescheidener, leiser, mit weniger Gästen und nicht ganz so teurem Catering.

Lange währte die vornehme Zurückhaltung allerdings nicht. Kaum ist ein wenig Ruhe auf den internationalen Märkten eingekehrt, kommt der Geldadel schon wieder in Schwung, wie ein Bericht der Liechtensteiner Investmentgesellschaft Valluga zeigt. Investiert wird üppig in Bewährtes wie Immobilien, und es wird auch wieder ordentlich abgefeiert.

Die Zahl der österreichischen Millionäre ist laut dem Bericht im Jahresvergleich um elf Prozent auf aktuell 68.900 gestiegen. Insgesamt verfügen sie über ein Vermögen von 210 Milliarden Euro (plus 13,7 Prozent). „Die österreichischen Millionäre waren allerdings stärker von der Wirtschaftskrise betroffen als die deutschen“, sagt Valluga-Präsident und Studienautor Reinhard Berger. Der Grund: Während unsere Nachbarn häufig erben durften, sind Österreichs Reiche meist aus eigener Kraft zu stattlichem Vermögen gelangt. „Das Risiko für Unternehmer ist eben viel höher“, sagt Berger.

Der Bericht der Investmentgesellschaft protokolliert auch den Wohlstand der Deutschen und Schweizer. Auch für sie scheint die Wirtschaftskrise ausgestanden. Vor allem Frauen, die sich als Unternehmerinnen etablierten, befinden sich auf der Überholspur und halten bereits 40 Prozent des gesamten Millionärsvermögens. Berger beruft sich bei den Angaben auf internationale Nachrichtendienste und Agenturen, ein Gutteil der Informationen basiert auch auf Eigenrecherche.

Österreichs Vorzeige-Milliardäre

Wie Berger in seinem Report betont, zeichne sich vor allem Österreich durch „dynamische Unternehmerschaft“ aus. Stolz dürfe man unter anderem auf Dietrich Mateschitz sein, der aus Red Bull eine Weltmarke machte und über 4,1 Milliarden Euro Privatvermögen verfügt (Platz 3). Johann Graf, gelernter Fleischhauer, hat aus Novomatic einen Milliarden- Konzern geformt und sitzt nun selbst auf 3,7 Milliarden (Platz 4). Angeführt wird das Ranking von den Familien Porsche und Piëch. Die rund sechzig Clanmitglieder bringen es auf insgesamt 28,6 Milliarden Euro, gefolgt von einer Hand voll Flick-Erben, an deren Spitze Ingrid Flick steht, Gattin des verstorbenen Unternehmers Friedrich Karl Flick (insgesamt 5,7 Milliarden Euro). Berger schätzt die Zahl der Austro-Milliardäre in Summe auf knapp 30.

Auch die Salzburger Unternehmerfamilie Drexel ist mit 2,6 Milliarden Euro vorne dabei (Platz 8). Die Krise beflügelte zuletzt den Absatz der von ihr geführten Handelskette Spar, schließlich wird auch in wirtschaftlich trüben Zeiten gegessen – und das offenbar mehr als sonst. Doch auch mit Einkaufszentren, Sportbedarf (Hervis), Beauty- und Gesundheitsprodukten (dm) hat sich der Clan schon vor Jahrzehnten eine goldene Nase verdient.

Insgesamt besitzen die zehn reichsten Österreicher 58,8 Milliarden Euro. Zwar ist das deutlich weniger als bei den deutschen Top Ten (100,2 Milliarden Euro), „aber es ist eben leichter, Geld zu erben, als es, wie im Fall vieler Österreicher, selbständig zu verdienen“, sagt Berger. In Deutschland liegt die Zahl der Millionäre bei 779.000 (plus 8,4 Prozent), die in Summe auf 2.014 Milliarden Euro kommen (plus 9,5 Prozent). Spricht man die Reichen auf ihren Wohlstand an, hört man freilich immer dieselbe Antwort, nämlich, dass das meiste Geld ja angelegt sei und man darauf keinen direkten Zugriff habe.

Beachtlich sind die Ergebnisse aus der Schweiz. So übertrumpfen die zehn reichsten Eidgenossen trotz geringerer Einwohnerzahl die Österreicher – und sitzen auf 79,3 Milliarden Euro Vermögen. „Aber auch, weil einige Milliardäre eingebürgert wurden“, relativiert Berger das Ergebnis. So finden sich im Schweizer Ranking unter anderem der gebürtige Schwede und Ikea-Gründer Ingvar Kamprad (Platz 1 mit 24,9 Milliarden Euro) und der Russe Viktor Vekselberg, der über seine weit verzweigte Beteiligungs-Holding 6,2 Milliarden schwer ist (Platz 5).

Die Zahl der Millionäre liegt in der Schweiz bei 136.000 (plus 6,3 Prozent). Sie verwalten in Summe 382 Milliarden (plus 7,2 Prozent). Ingesamt leben in Deutschland, der Schweiz und Österreich 983.900 Millionäre mit einem Privatvermögen von satten 2.606 Milliarden Euro.

Reiche bevorzugen Wien

Österreichs Millionäre leben in Anbetracht der Einwohnerzahl – wenig überraschend – größtenteils in Wien (17.000) und Niederösterreich (15.100). Danach rangieren die Bundesländer Oberösterreich (11.100), Steiermark (8.700) und Salzburg (4.900). Im Burgenland leben nur 1.500 Millionäre, die prominentesten Vertreter sind dort etwa die Esterházys. Landesweit sind es somit 68.900 Millionäre. 2007 waren es allerdings noch 72.300. Im Vergleich zu 2008 auf 2009 gab es aber ein Plus von elf Prozent.

In Deutschland und der Schweiz fielen die Zuwächse in diesem Zeitraum geringer aus. Laut Berger konnten die Österreicher vor allem von ihren Geschäftsaktivitäten im Osten profitieren. „Österreich nutzte seine geografische Nähe zu Osteuropa mehr als etwa die Deutschen.“

Profitiert haben die Millionäre auch von einem neuen, angriffigeren Anlageverhalten. „Die Risikofreude nach der Wirtschaftskrise hat sich gelohnt. Es kam zu einem Rückzug aus Unternehmensanleihen hin zu Aktien- und Immobilienkäufen“, sagt Berger. In Zahlen: Elf Prozent des Vermögens wurden 2009 in alternative Investments investiert, 14 Prozent in Immobilien, 26 Prozent in Bonds und 33 Prozent in Aktien. Bleiben also 16 Prozent in cash. Für schillernde Partynächte dürfte das wohl reichen.

– Silvia Jelincic

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff