Die PR-Branche im Umbruch - auch die No.1 Ketchum Publico wackelt

Nach dem Hochegger-Aus im Jahr 2009 verlief auch 2010 für die PR-Branche sehr turbulent. Ketchum Publico, die Nummer eins am Markt, hatte mit Massenabgängen zu kämpfen. Neue Agenturen profitieren.

Die Möbelpacker haben Hochsaison in der Wiener Seilerstätte. Mitte 2010 zogen Markus Schindler und sein Partner Harald Mahrer in Haus Nummer 24 ein, nachdem sie ihre Anteile an der PR-Agentur Publico verkauft hatten. Wenige Monate später waren auch zwei ihrer leitenden Mitarbeiter, Wolfgang Gattringer und Michael Höfler, auf der Suche nach einem neuen Büro. Sie wurden auf Haus Nummer 13 fündig und gründeten dort Peritia Communications. Mittlerweile hat in der Seilerstätte schon ein Dutzend ehemalige Mitarbeiter der Nummer eins am heimischen PR-Markt ein neues berufliches Zuhause gefunden. Die Komplettübernahme der Agentur durch US-Gesellschafter samt Umbenennung in Ketchum Publico führte zu einem Riesenumbruch in der Branche.

Zehn Seniorberater haben die Publico verlassen. Lediglich zwei Seniors sind aus der alten Truppe geblieben. Was aber noch viel schwerer wiegt: Auch Etats wackeln durch die vielen Abgänge oder sind bereits weg. Die Wirtschaftskammer Österreich ging als Kunde verloren, ein Teil des üppigen Telekom-Austria-Etats fiel ebenso weg wie Teile des Großkunden APG, der Netz-Tochter des Verbund.

Saskia Wallner, Geschäftsführerin von Ketchum Publico, gibt sich dennoch zuversichtlich: „Der Übergang mit allen Änderungen war ohne Frage schwierig. Wir waren über Wochen mit uns selbst beschäftigt. Aber wir sehen die Zukunft entspannt.“ Gemessen an den Honorarumsätzen, sei man mit über zehn Millionen Euro immer noch die größte PR-Firma im Land. Als Neukunden konnten etwa der Fachverband der Transporteure oder die niederösterreichischen Fleischhauer gewonnen werden. Konkrete Zahlen nennt Ketchum Publico nicht mehr, weil die Amerikaner keine Länderwerte ausweisen wollen. So fehlt die Agentur heuer erstmals auch im renommierten „Bestseller“-PR-Ranking , das diese Woche veröffentlicht wurde.

Leicht möglich, dass man heuer, wo sich die Umsatzverluste erst wirklich auswirken, die Spitzenposition aber sowieso verloren hätte. Jetzt haben kleinere und neue Berater gute Chancen.

Auch nicht mehr dabei sind die aus dem Hochegger-Desaster im Jahr 2009 hervorgegangenen PR-Firmen Matrix und Metrum. Sie litten unter dem schlechten Ruf Hocheggers und mussten zahlreiche Mandate abgeben. „In den letzten Jahren hat sich in der Branche vieles auf den Kopf gestellt. Die langjährige Nummer zwei am Markt, Hochegger, ist weg, und die Nummer eins, Pleon, wurde stark zusammengestutzt“, resümiert Christian Lenhardt von Menedetter PR, der aber auch das Ranking kritisiert: „Es sind einfach zu viele Agenturen dabei, die mit PR nichts mehr zu tun haben.“

Power-Duo Ecker und Rosam

Damit gemeint sind vor allem einige zum Netzwerk der beiden Branchengrößen Dietmar Ecker und Wolfgang Rosam gehörende Firmen, die sich teilweise auf Meinungsforschung oder Strategieanalysen spezialisiert haben. Zählt man alle Agenturen ihres Leading-Advisors-Netzes zusammen, so kommt man auf Honorarumsätze von mehr als 15 Millionen Euro. Damit liegen die Leading Advisors mit klarem Vorsprung an erster Stelle in der heimischen PR-Szene.

Neben dem Netztwerk des dynamischen PR-Duos kann sich auch Grayling recht gut halten. Durch die Nichtnennung von Ketchum Publico ist die von Sepp Tschernutter geführte Agentur auf Rang eins vorgerutscht. „Natürlich, wenn Mitbewerber Schwächen haben, dann profitieren die anderen davon“, gibt Tschernutter unumwunden zu. Er konnte letztes Jahr unter anderem Telekom Austria, Römerquelle und Nabucco als Neukunden gewinnen. Für heuer rechnet er mit einem ähnlich starken Wachstum.

Zu den Durchstartern 2010 kann auch die Agentur Accedo rund um Christoph Edelmann gezählt werden sowie die von Werber Rudi Kobza neu gegründete PR-Boutique Kobza Integra, die auf Anhieb den Sprung unter die Top 20 schaffte.

Und man darf gespannt sein, ob sich die früheren Publico-Leute mit ihrer Peritia („Erfahrung“) nächstes Jahr auch in derart beeindruckender Manier ins Ranking einreihen können werden.

PR-Agentur-Ranking 2011

– M. Bachler, A. Kramer

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