"Die Politik muss sich überlegen: Will sie Glückspiel oder nicht"

"Die Politik muss sich überlegen: Will sie Glückspiel oder nicht"

FORMAT: Den Casinos Austria ist in Argentinien die Lizenz in der Region Salta entzogen worden. Wie ist das passiert?

Karl Stoss: Es ist nicht der argentinische Staat, der die Lizenz entzogen hat, sondern die Glücksspielaufsicht der Region Salta. Es kam dort 1999 vor meiner Zeit zu einer Ausschreibung im Zuge einer Privatisierung. Da wurden wir von einem Beratungsunternehmen aus Uruguay angesprochen, ob wir mit unserer guten Reputation mitmachen würden. Wir sind mit fünf Prozent eingestiegen. 2006, auch noch vor meiner Zeit, wurde dieser Anteil auf 60 Prozent aufgestockt. Der aktuelle, offizielle Vorwurf lautet auf Verletzung von Dokumentationspflichten zum Schutz gegen Geldwäsche. Jeder Großgewinner - in Salta liegt die Grenze bei 10.000 Pesos (rund 1.200 Euro) - bekommt den Gewinn nicht bar, sondern mittels Namensscheck ausbezahlt. Aber dieser Scheck und der Name müssen dann in ein Buch übertragen werden. In zehn Jahren gab es 20 Fälle, wo diese Namen nicht eingetragen wurden - bei insgesamt über 10.000 Auszahlungen. Dahinter steckt auch kein System - das war einfach eine Fahrlässigkeit von Mitarbeitern. Daher geht der Vorwurf ins Leere.

Also nur ein Vorwand?

Stoss: Das ist richtig. Es sind jetzt gerade neue Betreiber für die nächsten sechs Monate ausgewählt worden. Das sind jene, die mit uns schon Partnerschaften hatten oder wo es seitens der Regierung Druck in verschiedene Richtungen gab.

Ihre Lizenz würde eigentlich bis 2030 laufen. Wieviel Geld entgeht den Casinos Austria jetzt?

Stoss: Das kann man leicht ausrechnen, indem man das Einkommen pro Jahr auf die restliche Laufzeit hochrechnet. Bis 2017 hatten wir Dividenden aus Argentinien von etwa sieben Millionen Euro geplant. Es hängt aber sehr von der Währungsparität ab - wie sie wissen, ist der argentinische Peso eine "unglaublich starke“ Währung. Also eigentlich können sie jede Hausnummer hinschreiben, weil ich keine Wette machen würde, wo der Kurs 2030 steht.

Wie wehren Sie sich gegen den Entzug?

Stoss: Wir klagen die Behörde, die uns die Lizenz entzogen hat. Es gibt aber auch von dritter Seite Vorwürfe gegen diese Behörde. Da gibt es Anzeigen - auch gegen den Präsidenten - wegen Geldwäsche, wegen Korruption. Und wegen einer Nebenbeschäftigung als CEO eines landwirtschaftlichen Unternehmens, die er nicht angegeben hat und noch vieles mehr. Die Situation ist leider nicht so einfach, weil die Gerichtsbarkeit sehr eng mit der Regierung verbunden ist. So läuft es eben durch die Instanzen, bis hin zu einer möglichen Schiedsgerichtsklage beim internationalen Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten in Washington.

Haben Sie Verbündete in Argentinien, etwa Ex-VW-Chef Viktor Klima?

Stoss: Den kenne ich gut, und ich gehe mit ihm ab und zu Abendessen. Er kennt natürlich den einen oder anderen guten Anwalt. Da sind wir aber gut aufgestellt, denn leichtfertig geben wir Argentinien nicht auf. Wir würden gerne dort bleiben und das Geschäft fortsetzen. Deshalb suchen wir nicht nur eine juristische, sondern auch eine politische Lösung.

Ist den Casinos Ähnliches schon passiert?

Stoss: Wir waren bereits in rund 250 Projekten engagiert. Es gab einmal ein tolles Unternehmen auf Christmas Island, Australien. Dort haben aber vorwiegend Indonesier gespielt, was deren Regierung nicht recht war. Der Druck auf die australische Regierung wurde so groß, dass das Casino geschlossen wurde. Und in Jericho gab es auch ein politisches Problem und die Intifada. Wir kämpfen aber auch dort weiter und geben die Hoffnung auf eine Wiedereröffnung nicht auf.

Wie sieht denn die Strategie der Casinos Austria International aus? Sie reduzieren doch ihr Engagement.

Stoss: Es gibt jährlich verschiedene Wechsel. Wir haben das Casino in Bukarest dem Miteigentümer übertragen und müssen die Entwicklung in Ägypten beobachten.

Man hört, einige Casinos stünden zum Verkauf - in Niedersachsen und Glasgow etwa.

Stoss: Gerüchte zu Niedersachsen höre ich zum ersten Mal. Bei Glasgow sind wir länger im Gespräch mit dem Liegenschaftseigentümer, auch in Australien gibt es eine Anfrage an uns. Wir schauen uns aber auch neue Destinationen an - etwa in Asien.

Die Geschäftszahlen der International-Tochter sind ja nicht sehr erfreulich?

Stoss: Das Halbjahr war sehr gut. Als wir vom Vorstand im Mai 2011 die Führung der CAI übernommen haben, lag das Ergebnis bei minus 54 Millionen. Jetzt, im ersten Halbjahr 2013, waren wir bei minus 0,5 Millionen. Wir haben fast alles mit Restrukturierungen und Kostensenkungen wettmachen können. Leider ist jetzt Argentinien dazugekommen, aber an sich sind wir gut auf Kurs.

Welche Summen wollen Sie 2014 in Österreich investieren?

Stoss: Rund 30 Millionen Euro. Und es würden noch einmal rund 70 Millionen Euro hinzu kommen, sollten wir die drei gerade ausgeschriebenen Lizenzen in Wien und Niederösterreich bekommen.

Wie läuft das Geschäft im Inland?

Stoss: Recht gut. Erstaunlich für mich ist, dass wir die Besucherzahlen 2013 weiter steigern konnten, um 1,5 Prozent. Die Umsätze gehen aber um vier bis 4,5 Prozent zurück. Denn die Menschen sind verunsichert. Man ist eben etwas bescheidener im Auftritt und beim Spielkapital. Einzelne ausländische Gruppen, wie Italiener oder Slowenen kommen nicht mehr so stark.

Der Zeitgeist, angefeuert durch den Wettskandal, weht gegen das Glücksspiel?

Stoss: Ja, durchaus. Das geht nach der Devise: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Die Politik muss sich überlegen: Will sie Glückspiel oder nicht. Will sie legales Glücksspiel oder illegales? In Tirol dürfte kein einziger Automat stehen - in Wirklichkeit sind es über 1.000. Aber es kümmert scheinbar niemanden. Ich kann nur aufzeigen und der Politik vortragen, sofern ich einmal einen Ansprechpartner habe. Exekutieren kann ich das nicht. Und ich komme mir darum manchmal ziemlich verloren vor.

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