Die private Pensionsvorsorge boomt

Es wäre wohl falsch, zu glauben, dass die staatlichen Pensionen nicht sicher sind. Vermutlich werden auch unsere Kinder und Kindeskinder auf eine staatliche Zuwendung im Alter zählen können. Fix ist allerdings, dass die Pensionen aus der ersten Säule sinken werden, weil nach dem sogenannten Umlageverfahren die Beiträge der beruflich aktiven Bevölkerungsgruppe direkt an die Pensionsbezieher ausbezahlt werden und immer weniger Beitragszahler immer mehr Pensionisten finanzieren müssen.

Das staatliche Pensionssystem stößt längst an seine Grenzen: 9,6 Milliarden Euro – rund 16 Prozent der Budgeteinnahmen – wird der Bund 2011 zu den Pensionen für Angestellte, Arbeiter, Bauern und Selbständige zuschießen müssen. Bis 2014 wird der Bedarf auf 11,5 Milliarden Euro ansteigen, schätzt Finanzminister Josef Pröll. Die Beamten sind in dieser Rechnung noch gar nicht dabei. Angesichts der leeren Staatskassen ist absehbar, dass eine neuerliche Reform des Pensionssystems unausweichlich ist – wenn nicht in dieser, dann spätestens in der nächsten Legislaturperiode. Fazit: Die Pension aus der Sozialversicherung wird künftig bestenfalls die Grundbedürfnisse decken können. Wer seinen gewohnten Lebensstandard auch im Alter aufrechterhalten will, muss deshalb rechtzeitig privat vorsorgen, um die Lücke zwischen Aktiveinkommen und Pensionsleistung zu schließen. Und der Geldbedarf steigt, weil man mit dem angesparten Pensionskapital dank der steigenden Lebenserwartung immer länger auskommen muss.

Das Gros der Bevölkerung ist sich dieser Problematik inzwischen bewusst. Es überrascht daher nicht, dass das Geschäft der Lebensversicherer so gut läuft wie schon lange nicht: Während der Versicherungsverband im Mai davon ausgegangen war, dass die Lebensversicherungsprämien 2010 bestenfalls stagnieren werden, haben die Assekuranzen in den ersten neun Monaten 2010 vier Prozent mehr Prämien eingesammelt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dieser Trend dürfte anhalten. „Auch das Ausmaß an Stornierungen oder Stilllegungen von Polizzen ist wieder auf Vorkrisenniveau zurückgegangen“, konstatiert Generali-Vorstand Peter Thirring (siehe Interview ).

Sicherheit gefragt

„Im Neugeschäft stehen Garantien eindeutig im Mittelpunkt – entweder in Form der klassischen Lebensversicherung oder als Fondspolizze mit Garantie speziell für Einmalerläge“, betont Heinz Schuster, Vorstand der Sparkassen Versicherung. Künftig wird es für die Kunden allerdings schwieriger werden, an Garantien heranzukommen: Zum einen sinkt der maximale Garantiezins für Neuabschlüsse von klassischen Lebens- und Rentenversicherungen ab 1. April 2011 von 2,25 auf zwei Prozent. Zum anderen wird die Mindestbindefrist für Einmalerläge von zehn auf 15 Jahre verlängert – nach jüngstem Status des Budgetbegleitgesetzes bereits ab 1. Jänner 2011.

Peter Stockhammer, Vorstand der Zürich Versicherung, befürchtet, dass Einmalerlagsprodukte damit weniger attraktiv werden. Denn die meisten Einmalerläge – seiner Schätzung nach rund 70 Prozent – hätten aktuell eine zehnjährige Laufzeit. Elisabeth Stadler, Vorstand der Ergo-Austria-Gruppe, sieht das Thema eher entspannt. „Für 15 Jahre können wir bessere Konditionen wie zum Beispiel eine höhere Effektivverzinsung darstellen und diesen Vorteil an den Kunden weitergeben.“ Schuster bleibt ebenfalls gelassen und weist darauf hin, dass man ohnehin jederzeit auf 25 Prozent des einbezahlten Kapitals zugreifen kann, ohne dass die Steuerfalle (erhöhte Versicherungssteuer und Einkommenssteuer für den erzielten Ertrag) zuschlägt.

Versicherungsnehmer werden sich künftig noch aus weiteren Gründen mit geringeren Garantieniveaus zufrieden geben müssen. Durch das niedrige Zinsniveau sind die Gewinnbeteiligungen, die den Polizzen jährlich unwiderruflich gutgeschrieben werden, in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.

Geringere Verzinsung

Es ist zu erwarten, dass vor allem jene Versicherer, die zuletzt noch vier Prozent Gesamtverzinsung oder mehr auszahlten, ihr Niveau absenken werden. Das niedrige Zinsniveau hinterlässt auch bei indexgebundenen Einmalerlägen seine Spuren: Die Mindestauszahlung wird heute schon wesentlich tiefer angesetzt als noch vor ein bis zwei Jahren.

Die verschärften Eigenkapitalregeln gemäß Solvency II, die mit Anfang 2013 in Kraft treten sollen, werden ebenfalls zu einer Neubeurteilung von Garantien führen. „Sie werden zu einer Verteuerung der Prämien in der klassischen Lebensversicherung führen“, glaubt Stockhammer. Weil Fondspolizzen mit weniger Garantien unterlegt werden müssen und gerade für den langfristigen Vermögensaufbau größere Ertragschancen bieten, rechnet der Zürich-Vorstand mit einem Comeback dieser Spezies.

Begünstigt wird diese Entwicklung obendrein durch die Steuerfreiheit für den Vermögenszuwachs. „Damit wird die Gewinnschwelle gegenüber Direktsparen in Fonds, die nach dem alten Steuersystem bei rund 13 Jahren lag, wesentlich schneller erreicht“, erklärt Werner Holzhauser, Vorstand der Uniqa-Personenversicherung. Und dieser Steuervorteil wird umso größer, je öfter das Portfolio umgeschichtet wird und je höher die Kursgewinne ausfallen.

An einer Reihe von Trends lässt sich ablesen, dass die Notwendigkeit einer privaten Vorsorge in den Köpfen der Bevölkerung inzwischen fest verankert ist. „Das Abschlussalter sinkt“, beobachtet Wiener-Städtische-Chef Robert Lasshofer. „Schon Lehrlinge beginnen heute, mit kleinen Beträgen zu sparen.“ Uniqa-Vorstand Holzhauser fällt zudem auf, „dass deutlich mehr Rentenversicherungen abgeschlossen werden und immer mehr Versicherungsnehmer laufende Renten in Anspruch nehmen, statt sich das Kapital auszahlen zu lassen“. Auch das Bedürfnis, Risiken abzudecken, nimmt eindeutig zu – insbesondere für Berufsunfähigkeit und Pflege.

Bei der Veranlagung der Lebensversicherungsprämien gibt es einen Trend zu flexiblen Lösungen. Das heißt zum Beispiel, dass man in der Ansparphase seinen gewünschten Garantielevel individuell bestimmen und jederzeit erhöhen oder senken kann. Diese Möglichkeit bieten etwa Uniqa („FlexSolution“) oder Wiener Städtische Versicherung durch die Möglichkeit, zwischen klassischem Deckungsstock und Fonds umzuschichten. Bei der Zürich Versicherung kann man sich neuerdings in die aktuellen Rententafeln für Fondspolizzen einloggen. Stockhammer: „Wir garantieren heute eine bestimmte Rentenhöhe pro 1.000 Euro Ablösekapital für einen bestimmten Zeitpunkt.“

Kurzum: Die Lebensversicherung wandelt sich von einem biederen Ansparvehikel zu einem intelligenten, lebensbegleitenden Instrument. Die Anbieter basteln emsig an weiteren Modellen mit möglichst hoher Flexibilität, von denen einige bereits in den nächsten Monaten auf den Markt kommen sollen.

– Eva-Maria Benisch

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