Die Party geht weiter: Wie die Fußball-WM den schwarzen Kontinent verändert

Südafrika feiert die Fußball-WM: Den Schwung des gelungenen Mega-Events will nicht nur das Land wirtschaftlich nutzen, auch der gesamte Kontinent soll jetzt profitieren.

Der Verkaufsschlager in Südafrika ist dieser Tagen eine ungewöhnliche Banknote. Auf den Flohmärkten vor den Fußballstadien findet der Simbabwe-Dollar reißenden Absatz – als Souvenir-Artikel. Die Banknote ist de facto wertlos, aber um 120 Südafrikanische Rand (umgerechnet 13 Euro) können sich die Fußballfans einen 100.000.000.000.000-Simbabwe-Dollar-Schein (in Worten: 100 Billionen Dollar) in die Geldbörse stecken – als Erinnerung an die millionenfache Inflation in Simbabwe, dem von Diktator Robert Mugabe regierten Nachbarland Südafrikas. Und sich zuhause als Mitbringsel an die Wand pinnen – als Erinnerung an die fröhlichen und bunten Tage in Johannesburg, Durban oder Kapstadt.

Was bleibt?

Doch was bleibt sonst von diesem Großereignis außer Erinnerungen? Bringt die WM den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung für Südafrika? Wirft die professionelle und friedliche Organisation ein grelles Scheinwerferlicht auf den gesamten Schwarzen Kontinent?

Noch steht nicht endgültig fest, wie viele Fans in den vier WM-Wochen ins Land gereist sind. Aber die optimistischen Prognosen vor der Veranstaltung sollten sich bewahrheiten, glaubt zumindest Otto Stehlik, Vorsitzender von Protea, der größten Hotelkette in Südafrika. Stehlik, der auch als Chef im FIFA Advisory Board sitzt und sich um die Unterkünfte der FIFA-Delegierten kümmert, rechnet mit Gästezahlen zwischen 450.000 und 500.000. Im FORMAT-Gespräch sagt er: „Wegen der Wirtschaftskrise sind leider weniger Europäer zur Weltmeisterschaft gekommen. Die haben sich eher einen Flatscreen fürs Wohnzimmer als Flugtickets gekauft.“ Aber eingesprungen seien andere Fangruppen, vor allem jene aus Argentinien, Brasilien, Mexiko und den USA, die in großer Zahl nach Südafrika gekommen sind.

Abseits der Gästebilanz interessieren aber sowohl Organisatoren als auch Investoren noch weitere Zahlen und Entwicklungen.

Aufschwung für Südafrika

Etwa inwieweit es gelingt, das positive Image, das sich das reichste Land Afrikas durch die klaglose Durchführung der Weltmeisterschaft verpassen konnte, in eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung umzusetzen. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben: Die Unternehmensberater von Deloitte haben in der Studie „2010 FIFA World Cup – a turning point for South Africa“ auf die verbesserte Infrastruktur und Arbeit der Behörden hingewiesen. Auch der Trend hin zu grünen Technologien habe sich, schreibt Deloitte, durch die Weltmeisterschaft verstärkt.

Für den Handelsdelegierten der Wirtschaftskammer in Johannesburg, Stefan Pistauer, sind Erwartungen wie diese eine Bestätigung: „Südafrika hat – stellvertretend für den gesamten Kontinent – bewiesen, dass es eine Veranstaltung dieser Größenordnung sehr wohl meistern kann. Dieses Selbstbewusstsein strahlt nun auf den gesamten Kontinent aus.“

Allerdings gesteht auch Pistauer ein, dass Südafrika als Staat innerhalb Afrikas in einer eigenen Liga spielt. Auf nur vier Prozent der gesamten Landfläche Afrikas erwirtschaften rund fünf Prozent der gesamtafrikanischen Bevölkerung 23 Prozent des BIP des Kontinents. Diese Zahlen katapultieren Südafrika mit weitem Abstand an die Spitze der stärksten Volkswirtschaften in Afrika. Während das WM-Veranstalterland ein BIP von 280 Milliarden US-Dollar erreicht, liegt Ägypten mit 190 Milliarden US-Dollar abgeschlagen an zweiter Stelle.

Boomkontinent Afrika

Dennoch, die Party in Südafrika soll nicht mit dem Finale am 11. Juli zu Ende sein, internationale Investoren erwarten sogar, dass Afrika mit der Weltmeisterschaft erst so richtig in den Fokus der globalen Wirtschaftsmaschinerie geraten könnte. Afrika-Experte Pistauer: „Erst vor wenigen Wochen haben die Volkswirte von McKinsey dem gesamten Kontinent einen Boom vorausgesagt.

Und es klingt plausibel: Ausgehend von einer niedrigen Wohlstandsbasis, ist Afrika mit seinen Rohstoffen, aber auch mit seiner zunehmenden Industrialisierung ein wichtiger Markt.“ Die McKinsey-Berater kommen in ihrer Analyse nämlich zu dem Schluss, dass Afrika erstens eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsregionen der Welt ist. Zweitens hätten 27 der 30 größten Volkswirtschaften in den vergangenen zehn Jahren ein spürbares Wachstum erzielt. Und drittens erstrecke sich das durchschnittliche Plus von 2,7 Prozent pro Jahr über alle Wirtschaftssektoren. Ein Beispiel: In Tansania explodierte die Zahl der Handykunden in den vergangenen acht Jahren von 300.000 auf heute 15 Millionen Menschen.

Die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kommt in ihrer Afrika-Analyse zu einem etwas differenzierteren Bild: Zwar schätzt auch sie die Wachstumsraten für Gesamtafrika für 2010 auf respektable 4,5 Prozent und erwartet für 2011 sogar einen Anstieg auf 5,2 Prozent. Allerdings geht die OECD auch davon aus, dass das Ziel einer Halbierung der Armut bis 2015 in vielen Ländern Afrikas voraussichtlich verfehlt wird. Und es gibt große regionale Unterschiede, was die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise betrifft. Speziell das südliche Afrika wurde demnach härter von der Wucht der Krise getroffen als etwa Ostafrika. Dennoch zieht Wilhelm Leibfritz, Projektleiter für den OECD-Bericht bei der Afrikanischen Entwicklungsbank, ein positives Resümee: „Insgesamt hat sich Afrika gegenüber der globalen Krise als widerstandsfähiger erwiesen als vielfach befürchtet. Einen entscheidenden Beitrag dazu haben eine solidere Geld- und Finanzpolitik in den Jahren zuvor geleistet.“

Hinzu kommen noch die gewaltigen Investitionen, die in den vergangenen Jahren in Afrika getätigt wurden: Allen voran China, aber auch die arabischen Länder und Indien haben das investierte Kapital in Afrika zuletzt vervielfacht. Die Direktinvestitionen sind zwischen 2000 und 2009 von neun auf 62 Milliarden US-Dollar angestiegen. Das massive Engagement der Chinesen sorgt aber auch für Irritationen. Afrika-Kenner Pistauer meint besorgt: „Die Chinesen sind hier omnipräsent und sichern sich so den Zugang zu den Rohstoffen. Aber die Freude an ihrem Investment ist nicht ungeteilt.“

– Markus Pühringer

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