Die frühere ORF-Chefin über Gerhard Zeiler und wie sie Epamedia flottkriegen will

Die frühere ORF-Chefin Monika Lindner über besseres Fernsehen, über die Stärken von RTL-Chef Gerhard Zeiler und wie sie den Plakatwerber Epamedia flottkriegen will.

FORMAT: Frau Lindner, Sie wurden laut „Kronen Zeitung“ letzte Woche beim Mittagessen mit FP-Chef Strache gesehen. Eine seltsame Achse?

Monika Lindner: Überhaupt nicht, das war rein geschäftlich. Die FPÖ ist ein fleißiger Plakatierer, und ich konnte die FPÖ – noch – nicht zu unseren Kunden zählen.

FORMAT: Auch wenn Sie mit ihm nicht über den ORF gesprochen haben: Wie sind denn Ihrer Meinung nach die Marktanteilsverluste des ORF zu stoppen?

Lindner: Als ich noch Generaldirektorin des ORF war, musste ich mich mit Schlagzeilen wie „Quote im Tiefflug“ herumschlagen. Darüber kann ich angesichts der jetzigen Verluste nur lauthals lachen. Die Spirale nach unten dreht sich jetzt deutlich schneller. Das hat auch den Grund, dass Dinge passiert sind, die die Seher richtig grantig gemacht haben.

FORMAT: Was zum Beispiel?

Lindner: „Willkommen Österreich“ von heute auf morgen durch die x-te Wiederholung von US-Serien zu ersetzen war, gelinde gesagt, unklug. Überhaupt ist das Konzept der Verjüngung in die Hose gegangen. Ich kann keine Seherschichten erschließen, die zu dieser Zeit nicht fernsehbereit sind. Auch „Mitten im 8ten“ hat die Zuschauer nicht gefreut. Überhaupt als Kontrastprogramm zur „Zeit im Bild“ war das nicht sinnvoll. Ich hätte die „Zeit im Bild“ durchgeschalten, schon allein wegen des öffentlich-rechtlichen Auftrags.

FORMAT: Schauen Sie regelmäßig ORF? Was ist Ihre Lieblingssendung?

Lindner: Ich schaue schon, aber ich habe in letzter Zeit nichts Weltbewegendes gesehen. „Wir sind Kaiser“ ist aber ein ganz witziges Format. Auch „Dancing Stars“ schaue ich immer noch. Man muss halt nur die richtigen Leute dafür nehmen, und damals, als wir begonnen haben, waren es auch die richtigen Leute.

FORMAT: Was halten Sie vom „neuen“ „Willkommen Österreich“ mit Stermann und Grissemann?

Lindner: Die zwei Frechdachse machen ihre Sache ganz gut, manchmal geht es vielleicht ein wenig zu weit. Zynisch war es aber, unseren Titel „Willkommen Österreich“ dafür zu verwenden.

FORMAT: Ihre schon vorgebrachte Idee für ein Frühstücksfernsehen wird jetzt wieder neu aufgewärmt. Ist es dafür jetzt schon zu spät?

Lindner: Mein Konzept damals wäre sehr informationslastig gewesen. Wer will schon in der Früh jemanden herumhupfen sehen? Es ist die Frage, ob ein großer Sender auf Dauer ohne Frühstücksfernsehen auskommt.

FORMAT: Wie sehen Sie das Match Zeiler – Wrabetz?

Lindner: Das ist ja noch kein Match. Die Kandidatur von Zeiler ist nicht offiziell.

FORMAT: Würden Sie sich wünschen, dass er antritt?

Lindner: Darüber will ich mich nicht äußern. Aber es ist demokratiepolitisch wünschenswert, wenn mehrere antreten.

FORMAT: Wer ist Ihr Wunschkandidat für den ORF-Chef?

Lindner: Ich wünsche mir einen gesunden ORF mit einem guten Programm. Der, der das zusammenbringt, hat meine Sympathie. Fakt ist, jene ORF-Mitarbeiter, die Zeiler noch als Generalintendanten erlebten, haben ihn in sehr guter Erinnerung. Auch ich habe erlebt, wie er mit Redakteuren geredet und sie ernst genommen hat. Er hat dem ORF einen richtigen Schub gegeben. Er ist sicher der erfolgreichste europäische Medienmanager. Seine Bewerbung wäre sehr schmeichelhaft für den ORF.

FORMAT: Sind Sie auf Generaldirektor Wrabetz noch böse, weil er Sie von der ORF-Spitze verdrängt hat?

Lindner: Ich habe keinerlei „hard feelings“ und habe zu Wrabetz ein gutes und ungestörtes Verhältnis.

FORMAT: Sollte das Stiftungsräte-System reformiert werden?

Lindner: Was jedenfalls reformiert gehörte, ist die Tatsache, dass der Betriebsrat die Geschäftsführung mitwählt. Das gibt es sonst nirgendwo. Der Betriebsrat kann so die Geschäftsführung immer unter Druck setzen. Und Sie können mir glauben: Ich weiß, wovon ich rede.

FORMAT: Kann man den ORF aus der Umklammerung der Politik herauslösen?

Lindner: Mit einer mutigen Geschäftsführung ist das sicher möglich. Die Politik wird aber immer eine große Rolle beim ORF spielen. Das schadet nichts. Interventionen sind okay, unredlich ist es nur, wenn man falschen Interventionen nachgibt.

FORMAT: Sie leiten Epamedia seit zwei Jahren. In welchem Zustand haben Sie das Unternehmen damals übernommen?

Lindner: Das Unternehmen war in keiner sehr guten Lage, die wirtschaftliche Situation war nicht berauschend. Die Auswirkungen der Krise waren für die Außenwerbebranche sehr stark zu spüren.

FORMAT: War es nur die Krise, die das Unternehmen in Schwierigkeiten brachte?

Lindner: Es gab auch Probleme in einigen der CEE-Niederlassungen. Die Expansion war hier zu schnell verlaufen, einige Unternehmen waren unprofitabel und sind, im Nachhinein gesehen, sehr teuer übernommen worden. Wenn dann noch eine generell heikle wirtschaftliche Lage hinzukommt, wird es eng.

FORMAT: Was haben Sie in den vergangenen beiden Jahren gemacht?

Lindner: Wir haben uns die einzelnen Firmen genau angesehen und ein Sanierungskonzept aufgestellt. Wir haben innerhalb eines Jahres einen zweistelligen Millionenbetrag eingespart, indem wir die Zahl der Plakatflächen reduzierten, Doppelgleisigkeiten beseitigten und Firmen zusammenschlossen.

FORMAT: Wie hat sich das auf das Personal ausgewirkt?

Lindner: Natürlich haben wir Personal abgebaut, im Verkauf haben wir aber aufgestockt.

FORMAT: In welchen Regionen mussten Sie am meisten einsparen?

Lindner: Wir haben im Overhead eingespart, da war einiges in Österreich zu tun, aber beispielsweise auch in Rumänien.

FORMAT: Ist die Sanierung nun abgeschlossen?

Lindner: In Österreich schon, hier sind keine gröberen Einschnitte mehr geplant. Slowenien und Moldawien haben wir verkauft, andere Märkte werden evaluiert. Sicher bleiben wir in den Ländern, wo wir Marktführer sind, wie in Ungarn und Rumänien. Bis 2012 soll die Restrukturierung abgeschlossen sein.

FORMAT: Wann werden Sie Gewinne erzielen?

Lindner: Das müssen wir schon jetzt. 2010 sind wir mit Ach und Weh unter großen Opfern hingeschrammt, jetzt geht es schon bergauf.

FORMAT: Ist die Krise am Werbemarkt vorbei?

Lindner: Es geht aufwärts. Die klassische Werbung hat im ersten Quartal ein Plus von 7,1 Prozent erzielt, die Außenwerbung ist sogar um 8,2 Prozent gewachsen.

Interview: A. Kramer, M. Bachler

Zur Person: Monika Lindner, 66, ist seit zwei Jahren Geschäftsführerin der zu Raiffeisen gehörenden Außenwerbungsgesellschaft Epamedia. Sie hat das Unternehmen mitten in der Krise übernommen: 2009 hat Epamedia einen Bilanzverlust von 78 Millionen Euro gemacht. 2010 erzielten 456 Mitarbeiter (2009: 548 Mitarbeiter) einen Umsatz von 105 Millionen Euro. Einige Niederlassungen wurden geschlossen, heuer soll Epamedia bereits einen Gewinn erwirtschaften.
Vor ihrer Karriere als Werberin war die passionierte Jägerin fünf Jahre lang ORF-Generalintendantin. Im ORF war sie zuvor mehr als 25 Jahre in diversen Positionen tätig. Ende 2006 wurde die geborene Tirolerin von ihrem damaligen kaufmännischen Direktor Alexander Wrabetz von der ORF-Spitze verdrängt.

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff