Die ÖVAG hat zwar wieder Flügel, aber keine Piloten

Die ÖVAG hat zwar wieder Flügel, aber keine Piloten

Der Staat und die 62 Volksbanken steckten eine Milliarde zur Sanierung in die ÖVAG – doch die Bank ist seither führungslos. Ein Blick hinter die Kulissen eines skurrilen Machtkampfes.

Konstruktiv sei die Sitzung verlaufen, hieß es aus der ÖVAG nur knapp. Doch jenes Ergebnis, das von der Aufsichtsratssitzung am 29. Mai erwartet wurde, gab es nicht: Ein neuer Vorstand für das Spitzeninstitut der 62 Volksbanken ist noch nicht in Sicht. Das könnte auch länger so bleiben. Die Bewerbungsfrist für den Posten, den das Beratungsunternehmen Korn/Ferry in Inseraten ausgeschrieben hat, endet am 30. Juni. Dann ist die Bank seit vier Monaten ohne handlungsfähige Führung. Derzeit wird sie von Interimsboss Michael Mendel geleitet.

Am 27. Februar dieses Jahres verkündeten Finanzministerin Maria Fekter und Staatssekretär Andreas Schieder quasi über Nacht den Einzug der Republik in das marode Institut. Der 1,35-Milliarden-Verlust wurde durch einen Kraftakt der 62 Volksbanken, der Steuerzahler und der heimischen Banken bereinigt. Der Staat hält dafür nun 43 Prozent an der Bank. Das Management wurde in die Wüste geschickt. Und seither kämpfen Politik und Volksbanken hinter den Kulissen verbissen um die Vorherrschaft im Spitzeninstitut. Die ÖVAG hat zwar wieder Flügel, aber keine Piloten.

Irritierter Wunschkandidat

Stephan Koren (Bild unten), Aufsichtsratsvorsitzender in der FIMBAG, der Finanzbeteiligungsgesellschaft des Bundes, und Ex-Vizegeneraldirektor der Bawag, des urbanen Gegenspielers der österreichischen Volksbanken und somit oft kolportierten Fusionspartners der ÖVAG, ist der erklärte Wunschkandidat der Finanzministerin. Enge Vertraute von Koren wissen, dass er Maria Fekter für den Posten des ÖVAG-Generals auch schon seine Zusage geben hat. Doch das nun aufgetauchte Szenario, sich einer – wenn auch wohl im Vorfeld abgedealten – Evaluierung eines Headhunters stellen zu müssen, ruft bei ihm, so Freunde, gelinde gesagt Irritation hervor.

Das Drängen nach einer Vorstandssuche durch einen Personalberater hat der neue ÖVAG-Aufsichtsratsvorsitzende Hans Jörg Schelling bekannt gegeben. Doch die Entscheidung, in Gestalt von Korn/Ferry einen Headhunter einzusetzen, dürfte nicht von ihm allein ausgegangen sein, berichten Insider. Rechtlich wäre die Ausschreibung erst ab einer 50-prozentigen Beteiligung des Staates zwingend. Schellings Stellvertreter im neu bestellten Kontrollorgan, der frühere Bank-Austria-Vorstand und jetzige Vorsitzende der AVZ Holding Franz Zwickl, soll aber darauf gedrängt haben.

Die Ursachen dafür könnten nicht nur in einer Objektivierung der Auswahl des neuen ÖVAG-Chefs zu suchen sein: Zum einen wird kolportiert, dass Zwickl selber gerne den Vorsitz im Aufsichtsrat übernommen hätte. Und zum anderen ist bekannt, dass die SPÖ ursprünglich Gertrude Tumpel-Gugerell als Aufsichtsratschefin vorgesehen hatte.

„Es ist verrückt“, schüttelt ein ÖVAG-Manager den Kopf, „die Politik investiert Millionen zur Rettung der Bank, und dann verhindert sie, dass ein neuer Vorstand das Institut rasch wieder handlungsfähig macht.“

Machtkampf im Hintergrund

Doch auch in den eigenen Reihen wird bei der ÖVAG alles getan, um nicht an Einfluss zu verlieren. Durchaus mit Erfolg: Von 14 Aufsichtsratsmandaten entfallen immer noch zehn auf die Volkbanken. Und die Volksbanken wollen auch einen aus ihren Reihen im neuen Vorstand sehen.

Das Stelleninserat von Korn/Ferry beschreibt den ebenfalls gesuchten „Vorstand Verbundstruktur“, der die Zusammenarbeit mit den einzelnen Volksbanken koordinieren soll, folgendermaßen: „…fundierte Kenntnisse genossenschaftlicher Strukturen und Erfahrung in der Weiterentwicklung von Verbundstrukturen“. Eine Voraussetzung, die hervorragend auf Rainer Borns (Bild oben), den Vorstand des Österreichischen Genossenschaftsverbandes der Volksbanken, zu passen scheint.

Borns müsste im ÖVAG-Vorstand jedenfalls mit einer alten Tradition brechen. Es waren zumeist die von den Landesvolksbanken in die ÖVAG-Spitze entsandten Manager, die für die katastrophalen Fehlentscheidungen verantwortlich waren.

FPÖ-Angriffe

Mittlerweile schießt sich die FPÖ auf die ÖVAG ein. Nachdem man dem verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider die Schuld am Debakel der Kärntner Hypo zuschreibt, schlägt sie jetzt zurück: Vor kurzem wurde bei der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht – mit Anklagepunkten gegen die gesamte ehemalige ÖVAG-Führung.

– Thomas Martinek

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