Die Milliardenflut: Der Versicherungsverband erwartet Schadenssumme von 100 Mio. Euro

Der starke Regen könnte Österreich bis zu einer Milliarde Euro kosten. Um künftige Schäden zu minimieren, fordern Experten eine ersicherungspflicht.

Geld, das in etwa die Hälfte des Volumens der letzten Steuerreform ausmacht, rinnt in Österreich gerade den Bach hinunter. Noch ist die Gefahr weiterer starker lokaler Regenfälle nicht ganz vorbei, auch wenn die Meteorologen derzeit hoffen, Unwetterentwarnung für Österreich geben zu können. Auch die Aufräumarbeiten sind nicht abgeschlossen, daher ist es noch zu früh für eine Bilanz. Der Versicherungsverband rechnet aber bereits mit Schäden im Ausmaß von mindestens 100 Millionen Euro. Da die volkswirtschaftlichen Kosten deutlich höher als die versicherten Schäden sind, könnten die Verwüstungen knapp eine Milliarde erreichen.

Bauern und Wirte leiden
Finanziell am stärksten betroffen von den heurigen Wetterkapriolen sind der Tourismus und die Landwirtschaft. 20.000 Hektar Ackerfläche sind unbrauchbar geworden, wie stark die Qualitäts- und Mengenverluste bei Getreide, Obst und Gemüse aufgrund des Regens sind, wird sich in den kommenden Mo­naten weisen. „Jetzt die Schäden monetär festzumachen, ist schwierig“, sagt Josef Siffert von der Landwirtschaftskammer. Egon Smeral, Tourismusexperte im Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), erwartet für heuer ein Umsatzminus von fünf bis sechs Prozent für den heimischen Fremdenverkehr, doch bei dieser Prognose ging man noch von „normalem“ Wetter aus. „Wenn CNN weltweit Bilder von Steyr unter Wasser zeigt, ist das sicher nicht günstig“, so Smeral. „In den nächsten zehn Tagen muss sich der Dauerregen erledigt haben“, meint Johann Schenner, Obmann der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer. Scheint dann und im August wieder die Sonne, hätten auch die Wirte heuer noch ausreichend Grund zum Strahlen. 2002 verursachte Hochwasser in Österreich einen Schaden von drei Milliarden Euro, 2005 waren es rund 700 Millionen Euro. Nicht berücksichtigt werden bei diesen Summen Verluste von Gegenständen, die dem Einzelnen zwar viel bedeuten, aber keinen Marktwert haben (wie Fotos von der Hochzeit der Großeltern) oder ökologische Folgeschäden wie eine geringere Fischpopulation in den Flüssen. In Österreich sind rund zwölf Prozent des Gebäudebestands potenziell durch Hochwasser gefährdet, fast neun Prozent gelten als stark gefährdet. Durch den Klima­wandel könnte die Zahl der Häuser in der Gefahrenzone noch steigen.

Wasser und Wirtschaftswachstum
Kurzfristig wird zwar das Bruttoinlandsprodukt nach Naturkatastrophen erhöht, weil die notwendigen Reparaturen die Wirtschaft ankurbeln. „Über zehn Jahre gesehen, steht man aber schlechter da“, sagt Wifo-Experte Franz Sinabell. Denn von den Fluten werden Güter, die noch intakt waren, zerstört. Kapital, das eigentlich für andere Investitionen vorgesehen war, muss nun für die Aufräumarbeiten und Wiederanschaffungen aufgewendet werden. Um künftig Schäden zu minimieren, fordert Sinabell eine Systemänderung, und zwar eine verpflichtende Versicherung vor Naturgefahren. „Dadurch würde das Risiko­management deutlich verbessert werden“, sagt der Ökonom. Denn durch eine Versicherungspflicht wären stärkere Anreize da, Geld für die Abwehr von Schäden in die Hand zu nehmen. „Jetzt wissen wir zwar, wie viele Häuser in Österreich potenziell gefährdet sind, aber nicht, ob das teuer oder karg eingerichtete Gebäude sind und welche Schäden durch ein Hochwasser entstehen würden“, sagt Sinabell. Daher ist auch nicht genau bekannt, welche Dämme höheren ökonomischen Nutzen bringen und welche geringeren. Gleichzeitig stößt die Hilfe der öffentlichen Hand durch die Katastrophenfonds an ihre Grenzen. Auch weil durch die Krise ohnehin bereits Ebbe im Budget ist.

Von Miriam Koch

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