"Die Leute wollen Geld zurück“

"Die Leute wollen Geld zurück“

FORMAT: Ein Ausblick verlangt immer auch nach einem Rückblick. Wie war 2012 für Lyoness?

Hubert Freidl: 2012 war für uns ein herausforderndes und auch sehr erfolgreiches Jahr, in dem wir neue Märkte erschließen und bestehende weiter ausbauen konnten. Gerade komme ich aus Brasilien zurück. Diesen Markt haben wir seit kurzem neu in unserem Portfolio, und ich bin begeistert von der Stimmung und dem Zuspruch, die wir dort erleben. Das motiviert und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Welche Entwicklungen und Veränderungen gab es?

Freidl: Im abgelaufenen Jahr haben wir viele größere Veränderungen vorgenommen, speziell im Bereich der Kundenkommunikation. So haben wir unter anderem unsere AGBs vereinfacht, unseren Webauftritt neu gestaltet und sind zum ersten Mal mit unserem Internet-Fernsehkanal Lyoness.TV on Air gegangen.

Wohin wollen Sie mit Lyoness.TV? Sehen Sie es als eine Schnittstelle von stationärem und Onlinehandel?

Freidl: Lyoness.TV ist kein klassischer Homeshopping-Channel, sondern ein Informationsmedium für unsere Community. Mit Blick auf die Zukunft haben wir damit schon jetzt die Voraussetzungen für Multichannel-Shopping geschaffen. Das heißt, wir sind aufgrund der Verarbeitung IP-basierter Signale rückkanalfähig und können somit interaktive Ansätze verfolgen, die ein klassischer TV-Sender nicht bieten kann. Geplant sind zukünftig verschiedenste innovative Formate, in die wir auch unsere Händler noch stärker einbeziehen möchten. Momentan erscheinen alle 14 Tage Beiträge über neue Entwicklungen, unsere Partner und neue Aktionen sowie Berichte zu unserer Child & Family Foundation und Greenfinity Foundation. Ab 2013 senden wir bereits wöchentlich.

Welche Rolle spielen technologische Innovationen? Wird die Kundenkarte verschwinden?

Freidl: Für uns ist es wesentlich, am Puls der Zeit zu sein und neueste Technologien mitzuverfolgen und einzubinden, um somit eine Vorreiterrolle im Bereich technischer Innovationen einnehmen zu können. Nehmen wir zum Beispiel die NFC-Technologie: Die Zukunft liegt ganz klar im berührungslosen Bezahlen, wie wir es in vielen Märkten insbesondere in Asien bereits erleben. Doch die tatsächliche Kundenkarte wird durch diese Entwicklung nicht verdrängt werden. Karten sind mit Büchern vergleichbar, welche allen Unkenrufen zum Trotz immer noch gelesen werden. Uns ist es deshalb wichtig, so aufgestellt zu sein, dass wir mögliche Zukunftstechnologien laufend im Auge behalten, aber trotzdem nicht an den aktuellen Bedürfnissen vorbeiarbeiten.

Was bedeutet für Sie "Shopping 3.0“?

Freidl: Die Vernetzung aller Einkaufswelten: Stationärer Handel trifft Onlinehandel, und das mit einer Karte, sowie die Nutzung von technischen Innovationen in Verbindung mit Offline- und Onlinehandel, an den Bedürfnissen der Konsumenten ausgerichtet.

In welche Richtung geht Lyoness hier?

Freidl: Wir planen personalisierte Services in Verbindung mit Location Based Services (Geomarketing; Anm.), um so unsere Kunden schnell informieren zu können, was aktuell in ihrem persönlichen Umfeld passiert. Shopping 3.0 bedeutet für uns die Verknüpfung von virtuellen und realen Einkaufswelten. Denn wir wissen, E-Commerce wächst weiter, aber das reale Shoppingerlebnis wird trotzdem nicht ersetzbar werden.

Einkaufen und gemeinsam Gutes tun, auch das ist für Sie das Einkaufserlebnis der Zukunft?

Freidl: Für uns ist soziales Engagement für jene, die weniger Möglichkeiten im Leben haben, ganz klar mit dem Thema Shopping 3.0 verbunden. Mit unserer Child & Family Foundation haben wir bereits mehr als 40 Projekte umgesetzt. Derzeit bauen wir unter anderem gemeinsam mit Nelson Mandela eine Schule in Südafrika. Außerdem haben wir mit Greenfinity in diesem Jahr eine Foundation für nachhaltige, erneuerbare Energien ins Leben gerufen. Beide Programme werden ausschließlich durch die Einkäufe der Lyoness-Gemeinschaft finanziert. Das kommt sensationell bei unseren Mitgliedern an. Wir spenden nicht nur, sondern wir wollen nachhaltig verändern.

Wie sehen Ihre Pläne für 2013 aus?

Freidl: Unser Expansionsplan beinhaltet un-ter anderem den Markteintritt in die letzten drei noch nicht von Lyoness erschlossenen europäischen Länder: Montenegro, Estland und Norwegen. Außerdem möchten wir uns in Europa ganz stark auf diverse Marketingaktivitäten konzentrieren. Wir haben zum Beispiel ein neues Tool im Einsatz, das es uns ermöglicht, personalisierte Flyer an unsere Kunden zu schicken. Diese sehen dann auf einer Landkarte, welche Händler in der Umgebung welche Aktionen anbieten. Es ist ganz klar unser Ziel, uns am Shoppingmarkt zu etablieren und das Einkaufsvolumen maximal zu erhöhen. Denn wir wollen im nächsten Jahr die Milliardengrenze erreichen. Europa bleibt dabei natürlich unser Kernmarkt. Aber wir haben 2012 auch große Schritte in den USA, Kanada und nun auch in Brasilien gemacht und gehen deshalb davon aus, dort einen sehr großen Anteil am Einkaufsvolumen zu erzielen.

Gibt es große Unterschiede zwischen den Märkten?

Freidl: Ja, die gibt es. Die Amerikaner sind das Netzwerken gewohnt, und wir sind ja nichts anderes als ein Einkaufsnetzwerk. Zudem werden dort Kundenkarten schon lange genutzt. Die USA sind für uns ein extrem wichtiger und herausfordernder Markt, dem wir uns gerne stellen möchten. In Asien sind wir seit April 2012 vertreten, auch dort gibt es große Zuwächse, und es hat sich in den ersten Monaten schon sehr viel getan.

Warum eigentlich Lyoness - was haben Kunden und Händler davon?

Freidl: Einerseits suchen viele Menschen gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten nach Möglichkeiten, Geld zu sparen. Auf der anderen Seite gibt es viele Unternehmen, die immer schwieriger Kunden generieren und binden können und mit immer geringeren Margen zu kämpfen haben. Wir bringen beide zusammen. Für uns ist eine klassische Kundenkarte kein Mitbewerb. Wir sehen uns als Alternative. Man sieht auch gleich, wohin der Kunde tendiert: Geld zurück statt Punkte oder Sterne - das wollen die Leute! Wir sind die Karte, die alle anderen Karten beinhaltet. Wir decken alle Online- und Offline-Bereiche ab und verbinden KMUs und große Filialisten miteinander. So etwas gibt es derzeit auf der ganzen Welt nicht noch einmal.

Wird 2013 ein besonderes Jahr für Sie?

Freidl: 2013 wird für uns das Jahr der Konsolidierung. Wir haben uns in den vergangenen Jahren stark entwickelt, haben stark expandiert und sehr gute Vorbereitungsarbeit geleistet, um in unseren Märkten bestehen zu können. Für das kommende Jahr planen wir noch viele weitere Innovationen.

Zur Person: Hubert Freidl, 40, Gründer und CEO von Lyoness, ist gelernter Großhandelskaufmann. Mit 23 Jahren wagte er den Schritt in die Selbständigkeit. Beim Einkauf in einem Möbelhaus und der Frage nach Rabattmöglichkeiten kam ihm schließlich die Idee eines Einkaufsnetzwerks. 2003 gründete er Lyoness.

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