Die Kassen der Banker klingeln wieder

In Banken lässt es sich wieder gut verdienen, speziell in den Vorstandsetagen. International hinken Österreichs Banken aber vor allem bei Boni stark hinterher.

Auch Top-Banker durchleben gelegentlich Krisenzeiten. Lloyd Blankfein erlebte seine größte Krise wohl im Jahr 2009. Der mächtige Chef der Investmentbank Goldman Sachs musste am Höhepunkt der Finanzkrise gewaltige Einschnitte bei seinem Gehalt hinnehmen. Mehr als 40 Millionen Dollar verdiente Blankfein weniger als im Jahr zuvor. Nicht einmal eine Million Dollar bekam er ausgezahlt. Das machte den erfolgsverwöhnten Banker bei „Fortune“ 2009 gehaltsmäßig zum „Biggest Loser“. Im selben Jahr ließ sich Blankfein auch zu dem viel beachteten Zitat, er verrichte „Gottes Werk“, hinreißen. Anfang 2010 musste er mit einigen seiner Banker-Kollegen noch die lästige Kleinigkeit einer Befragung vor dem US-Kongress über sich ergehen lassen. Und danach war Blankfeins Lebenskrise auch schon vorüber. Für 2010 streifte der Top-Banker wieder 14,1 Millionen US-Dollar, mehr als das Fünfzehnfache des Vorjahres, ein.

Blankfein ist kein Einzelfall. 2010 hat die Kassen der Bankchefs wieder ordentlich aufgefüllt. Eine Untersuchung der „Financial Times“ hat ergeben, dass die Gehälter der Bank-CEOs weltweit um 36 Prozent nach oben geschnellt sind. Am besten hat es dabei Jamie Dimon, der Chef von J P Morgan Chase erwischt, der einen beeindruckenden Gehaltssprung von 1,3 auf 20,7 Millionen Dollar hinlegte. Vorbei die Zeiten der Selbstgeißelungen und des Verzichts auf Boni. Das Geldkarussell in den Chefetagen dreht sich wieder. Auch heimische Banker haben 2010 wieder gut verdient. Dank eines Bonus konnte Erste-Bank-Chef Andreas Treichl seine Gage nahezu verdoppeln und reiht sich damit in die Riege der 15 bestverdienenden Banker der Welt ein. Der gesamte Erste-Bank-Vorstand konnte sich über eine Gehaltserhöhung von 87 Prozent freuen, die Kollegen in der Raiffeisen Bank heimsten ein Plus von 78 Prozent ein.

Es geht bergauf

Auch in den übrigen Bereichen der Bank, vom Schalterbeamten bis zum Leiter Corporate/ M&A, ist wieder Normalität eingekehrt. Das zeigt eine von Deloitte in den letzten Monaten in Österreich durchgeführte Bankengehaltsstudie, die nun FORMAT exklusiv vorliegt.

„Die Erholung nach der Krise ist bei den Gehältern deutlich zu spüren“, sagt Studienautor Julian Mauhart. Auffällig dabei ist, dass in den meisten Bereichen nicht nur die Fixgehälter wieder ansteigen, sondern auch die variablen Teile (siehe Tabelle unten). Genau diese Boni waren es aber, die nach der Finanzkrise als Ursache alles Bösen verteufelt wurden. „In manchen Bereichen werden wieder sehr, sehr schöne Boni ausgezahlt“, berichtet Co-Studienautor Georg Jurecka. So bekommen etwa Leiter von Anleihen- und Aktienemissionen 120 Prozent variables Gehalt zu ihrem fixen dazu. Speziell in größeren Banken setzt man weiterhin stark auf Boni. Führungskräfte im Top-Segment kommen durchschnittlich auf 18,3 Prozent. 2007, also vor der Krise, betrug der Vergleichswert noch 27,9 Prozent. „Bei den Boni sind wir von Werten aus dem Jahr 2007 aber noch weit entfernt“, konstatiert Mauhart. Ausnahmen bestätigen die Regel: Die Leiter Investmentbanking liegen mit fast 60 Prozent variablem Anteil auch noch über dem guten Jahr 2007 mit 51 Prozent Boni.

Die höchsten Gehälter werden nach wie vor im Investmentbanking erzielt. Ein Leiter im Bereich Wertpapier & Investmentbanking einer großen Bank (über 600 Mitarbeiter) kann laut Studie auf ein Jahresgehalt von 240.200 Euro und einen Spitzenbonus von 41 Prozent kommen.

Für sich genommen mögen sich derartige Werte recht beeindruckend anhören, im Vergleich mit der internationalen Bankenwelt wirken die Österreich-Werte aber geradezu lächerlich. Der durchschnittliche Morgan- Stanley-Banker – also keine Führungskraft – kassierte 2010 satte 257.000 Dollar. Wer das Glück hatte, zur Mannschaft von Lloyd Blankfein zu zählen, streifte durchschnittlich sogar 431.000 Dollar jährlich ein.

Speziell bei den variablen Vergütungen besteht in Österreichs Banken im internationalen Vergleich noch erheblicher Aufholbedarf: In Deutschland machen Boni im Schnitt das Doppelte bis Dreifache von jenen in österreichischen Banken aus. Und in Großbritannien sind variable Vergütungen, die deutlich über einem Jahresgehalt liegen, Usus.

Boni-Paradies USA

In den USA scheinen die Uhren gehaltsmäßig aber noch einmal etwas anders zu ticken. Zwar gaben sich die Banker gegenüber den Politikern eine Zeit lang geknickt und zeigten Verständnis für regulative Einschnitte. Während in der EU aber rasch Nägel mit Köpfen gemacht wurden und die sogenannte CRD-III-Richtlinie zur Beschränkung der Boni durchgezogen und umgesetzt wurde, wird das in den USA alles etwas lockerer gesehen. Eine kürzlich publizierte Studie des Consultinghauses Mercer lässt diesbezüglich in Europa alle Alarmglocken schrillen. In Europa haben bereits 88 Prozent der Banken Vergütungspläne eingesetzt, die die Auszahlung der Boni an längerfristige Kriterien binden und Risiken vermeiden sollen. In den USA waren es nur 50 Prozent. Drei Viertel der europäischen Institute ermöglichen das Einbehalten von Bonuszahlungen, sollte eine bestimmte Performance nicht erreicht werden. In den USA hat nur ein Fünftel aller Banken diese „Malus“-Struktur eingeführt. „Um es einfach auszudrücken: In den USA kann man momentan viel sicherer sein, eine Bonuszahlung zu erhalten, als in Europa“, bringt es Bernd Thomaszik von Mercer Central Europe auf den Punkt.

Unattraktives Wien?

Rechtsanwalt Philipp Maier von Baker McKenzie fürchtet nicht nur Wettbewerbsnachteile zwischen USA und Europa, er sieht auch innerhalb Europas große Differenzen bei der Umsetzung der Richtlinie: „In Österreich wurde besonders gründlich umgesetzt.“ Deutschland und Frankreich etwa seien bei der neuen Boni-Regelung viel lockerer gewesen. Einen Banker aus London mittels „Welcome-Bonus“ nach Österreich zu locken sei heutzutage ein Ding der Unmöglichkeit, berichtet Maier.

Auch sein Namenskollege Gerald Maier vom Personalberater Neumann International sorgt sich um den Finanzplatz Österreich. Die zunehmende Marktenge durch Wegfall mancher Banken, das allmähliche Austrocknen der Wiener Börse und das Ende der Osteuropafantasie machen es schwierig, Top-Banker nach Österreich zu holen, bemerkt er. „Banken wurden hierzulande nur verteufelt.“

Dabei sei ganz verabsäumt worden, darauf hinzuweisen, „dass Banken auch wichtige Arbeitgeber sind“, sagt Maier. Mittlerweile werden auch Banken in Osteuropa zu einer immer größeren Konkurrenz für heimische Banken. Maier: „Im Verhältnis zur restlichen Bevölkerung verdienen Banker in osteuropäischen Ländern unvergleichlich viel.“ Und sind die guten Leute einmal weg, kann man sie auch nur schwer zurückholen. „Denn dafür wird in Österreich vergleichsweise zu schlecht bezahlt, und der Markt ist zu eng“, fürchtet der Personalist.

Gutes Gesamtpaket

Aber auch hier hat die Medaille natürlich eine zweite Seite. Unbestritten ist zwar, dass Österreich nicht das Paradies schlechthin für ehrgeizige Investmentbanker ist. Dafür hat der Finanzplatz andere Qualitäten. Eine „hire and fire“- Politik, wie sie an der Wall Street oder in der Londoner City an der Tagesordnung ist, gibt es bei uns nicht. „Die heimischen Banken bieten ein sehr gutes Gesamtpaket“, sagt Mauhart. Und wer sagt denn, dass ein sicherer Arbeitsplatz, Pensionsvorsorge, Essensmarken und vergünstigte Bankkonditionen nicht auch ihren Reiz haben?

– Angelika Kramer

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