"Die Inder sind sehr mutig“

Die jüngste Entscheidung des indischen Höchstgerichts gegen die neuerliche Patentierung eines teuren Krebsmedikaments des Schweizer Konzerns Novartis hat einen alten Streit neu entfacht. Generika - Fortschritt oder Rückschritt?

"Die Inder sind sehr mutig“

Auf der einen Seite die Pharmakonzerne, die warnen, die Risikobereitschaft, in neue Medizinprodukte zu investieren, werde abnehmen. Auf der anderen Seite Organisationen, die leistbare Behandlungen für Kranke in ärmeren Ländern fordern. Dazu gehört Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland: "Wir haben uns gefreut, denn dadurch ist die Generika-Produktion in Indien gesichert. Und das sichert die Gesundheit vieler Menschen in Entwicklungsländern.”

Generika sind preiswertere Klone nicht mehr geschützter Medikamente. 225 Milliarden Dollar werden derzeit weltweit damit umgesetzt, 18 Prozent der gesamten Pharma-Erlöse. Dementsprechend härter wird die Auseinandersetzung. Laut Moldenhauer bekommen zum Beispiel weltweit etwa sieben Millionen Aidskranke generische HIV-Medikammente aus Indien.

Die Pharmaindustrie zeichnet wegen des aktuellen Falles in Indien ein düsteres Bild. Christian Seiwald, Novartis-Chef in Österreich: "Patente schützen Innovation und fördern medizinischen Fortschritt. Diese Entscheidung ist ein Rückschlag für Patienten und wird den Fortschritt bei Krankheiten, wo es noch keine wirksame Behandlungsmethoden gibt, behindern.“

Kampf um die Schwellenländer

Die Frontlinie zwischen Generikaproduzenten und den forschungsintensiven Pharmamultis verläuft vorrangig in den Entwicklungsländern. Die zunehmend wohlhabenderen Mittelschichten Asiens und Lateinamerikas sind als Zukunftsmärkte identifiziert. Ärzte-ohne-Grenzen-Mann Moldenhauer: "Die Inder sind mutiger als europäische Regierungen, wo die Pharmahersteller mehr Einfluss auf die Politik haben. Wir hoffen, dass andere Länder dem indischen Beispiel folgen. Hinzuzufügen ist, dass die Konzerne so genannte Armutskrankheiten wie TBC, Schlafkrankheit oder Cholera sowieso links liegen lassen und da kaum investieren.“

Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber kontert: "Die Entwicklung eines Medikaments kostet bis zu 1,3 Milliarden Dollar. Patenschutz bildet daher die Grundlage für risikoreiche und jahrelange Forschungen.“ Huber ventiliert auch Überlegungen der Multis bezüglich der Rechtsstaatlichkeit in manchen Ländern: "Bei einzelnen Produkten werden die Pharmakonzerne überlegen, wohin sie damit gehen.“

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