Die Helfer des Herrn Madoff: Alpha-Prime-
Fonds klagt Ernst & Young und HSBC-Bank

Die Großbank HSBC und die Prüfgesellschaft Ernst & Young werden in Luxemburg geklagt. Sie lagerten Kontrollaufgaben rechtswidrig an Bernard Madoff aus. Das belegen Mails.

Peter Fischer bläst zum Gegenangriff. Seit 12. Dezember 2008 wird das Boardmitglied des Hedgefonds Alpha Prime (AP) von aufgebrachten Investoren regelrecht geprügelt. Damals wurde bekannt, dass ein gewisser Bernard Madoff (im Bild) 65 Milliarden Dollar verpulvert hat – darunter auch viele Millionen von AP-Anlegern. Das Geld ist mittlerweile futsch, aber Fischer hat, wie er meint, zwei Mittäter des ­Madoff-Betrugs identifiziert: Nämlich die britisch-chinesische Großbank HSBC und die internationale Wirtschaftsprüfungskanzlei Ernst & Young (E&Y). Die beiden Unternehmen sollen ihre Sorgfaltspflichten bei Alpha Prime schwer vernachlässigt haben, so der Verdacht. Fischer: „Nachdem ein Mediations­verfahren in Luxemburg gescheitert ist, klagen wir HSBC und Ernst & Young.“

Brisante E-Mails
Die Chancen auf Schadenersatz stehen nicht schlecht. Denn Fischer liegen Dokumente vor, die den Fondsprüfer E&Y und die Depotbank HSBC als Werkzeuge von Bernies Schummel-Bande enttarnen. Die Vorwürfe werden durch vertrauliche E-Mails von Ernst & Young an das Alpha-Prime-Board of Directors untermauert. „Wir benötigen nicht mehr Bernard Madoffs Wirtschaftsprüfer, um gewisse Abläufe für uns zu übernehmen“, schreibt E&Y-Partner Kerry Nichol in der FORMAT exklusiv vorliegenden Mail vom 5. Dezember 2008. Das beweise, dass davor sehr wohl Madoffs eigene Prüfer am Werk waren, empört sich Fischer: „Ein glatter Verstoß gegen die Verträge.“ Das AP-Board und seine Investoren hätten darauf vertraut, dass ausschließlich E&Y die Fondsbilanzen prüft. Eine Weitergabe dieser Aufgabe an den Madoff-Auditor Friehling & Horowitz sei nie vorgesehen gewesen. Zudem wurden alle Rechnungen für die Kontrolle der Alpha-Prime-Buchhaltung von Ernst & Young S.A. Luxemburg ausgestellt.

Madoff als HSBC-Sub-Custodian
„HSBC inkludiert Bernard Madoff nun in ihr Sub-Custodian-Netzwerk“, heißt es im E-Mail weiter. So sei HSBC als Depotbank in der Lage, alle vom Fonds gehaltenen Wert­papiere per Jahresende zu bestätigen. Das Brisante daran: Der Einsatz von Madoff als Sub-Custodian wurde ebenfalls nie offiziell kommuniziert. Vor allem war es verboten, den Broker und Dealer Madoff mit den Aufgaben einer Depotbank, also mit der Wertpapierverwahrung, zu beauftragen. Die Verantwortlichen bei HSBC nahmen die gesetzlichen Vorschriften offensichtlich nicht so ernst. Denn Madoff agierte mindestens vier Jahren lang als Aushilfs-Depotbank für Alpha Prime, den österreichischen Primeo Fund der Bank Austria und den Herald Fund der Wiener Bank Medici. Das geht aus dem FORMAT vorliegenden „Sub-Custody Agreement“ zwischen Madoff und HSBC vom September 2004 hervor.

Späte Einsicht
Offensichtlich schaute die HSBC jahrelang weg. Madoffs Trade-Tickets, also Belege für den An- und Verkauf von Wertpapieren, wurden selten überprüft. Auch Plausibilitätskontrollen zu den gehandelten Volumina und Preisen wurden unterlassen. Man begnügte sich mit der zusammenfassenden Aufstellung aller im Depot befindlichen Wertpapiere, die Madoff am Monats­ende verschickte. Dass es sich dabei um glatte Fälschungen handelte, weiß die US-Bundespolizei FBI heute. Hätten HSBC und E&Y ihre vertraglichen Verpflichtungen erfüllt und Madoff kontrolliert, wären die Schummeleien von Bernard Madoff wohl früher aufgeflogen. Tatsächlich war das laut der Mail von E&Y sogar geplant gewesen: „HSBC erhält nun Kopien der Trade Tickets von Madoff und repliziert die Trades auf ihrem System.“ Die Einsicht kam aber zu spät: Wenige Wochen, nachdem dies fixiert wurde, flog Madoffs Betrug auf.

Von Ashwien Sankholkar

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