Die Gagen der Banker: Nach Einbußen im
letzten Jahr steigen die Gehälter wieder an

Die Geldinstitute verdienen wieder gutes Geld. Und schon sind satte Gagen und die Gier zurück. Ein FORMAT-Report über die Gehälter der Banker, schrumpfende Boni und kräftig steigende Fixbezüge.

Karl Petrikovics fiel im vergangenen Jahr nicht gerade durch glänzende Managementleistungen für das ihm unterstellte Bankinstitut auf. Der einstige Vorstandsvorsitzende der Constantia Privatbank, gegen den die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Untreue und Betrugs ermittelt, kann dennoch zufrieden sein. Er und seine Vorstandskollegen Norbert Gertner und Karl Arco konnten für 2008 insgesamt satte 5,3 Millionen Euro Gehalt einkassieren. In der Summe noch nicht miteinberechnet: Abfertigungen und Aktienoptionen. Dafür, dass die Bank nur durch eine Haftung des Staates gerettet werden konnte, erscheinen 5,3 Millionen Euro – wobei auf Petrikovics allein rund 2,3 Millionen entfallen dürften – exorbitant hoch. Sieht man sich weltweit bei den Bankern um, ist Petrikovics allerdings kein Einzelfall.

Haben die Banker aus der Krise nichts gelernt, sondern greifen weiter schamlos zu, obwohl ihre Institute erst vor wenigen Monaten vom Steuerzahler gerettet werden mussten? Gemessen an dem Aufschrei, der Ende letzten Jahres um die Welt ging, nehmen sich die Änderungen bei den Gehältern der Banker jedenfalls ziemlich bescheiden aus. So haben zwar international und auch in Österreich Vorstände staatlich gestützter Banken weitgehend auf Boni verzichtet, große Systemänderungen sind aber bisher ausgeblieben. Deckelungen von Bankergehältern sind ebenso vom Tisch wie die generelle Abschaffung von erfolgsabhängigen Boni.

Wider die Schamlosen
Immer noch ist die Wut auf gierige Banker groß, und sie werden mit Attributen wie „Schamlose“, „Totentänzer“ und „Bankster“ bedacht. Was Regierungen dazu zwingt, die Vergütungssysteme der Top-Finanzer schärfer unter die Lupe zu nehmen. Neben längerfristig orientierten Bonuszahlungen wird auch Verantwortung großgeschrieben: Wer im Aufsichtsrat Bezüge beschließt, die unangemessen sind, ist künftig persönlich schadenersatzpflichtig.

In den USA müssen sich jetzt die Vorstände strauchelnder Großunternehmen wie Citigroup-Chef Vikram Pandit und General-Motors-Chef Fritz Henderson mit dem Washingtoner Anwalt Kenneth Feinberg herumschlagen, der im Auftrag Barack Obamas angemessene ­Gehaltsgrenzen (Richtwert: 500.000 Dollar) bei den Top 100 einziehen soll. Weitere 80 Finanzinstitute, die mit Staatsgeld beatmet werden, müssen dem Juristen ebenfalls Einblick
in ihre Salär-Systeme gewähren und sie nach seinen Wünschen anpassen. Auch London rüstet im Kampf gegen unverschämte Boni auf: Banken, die ihren Angestellten weiterhin hohe Boni für kurzfristige Erfolge versprechen, sollen von der Finanzaufsicht risikoreicher eingestuft werden.

Mehr Transparenz
Und in Österreich? „Natürlich müssen Banker in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einen Beitrag zur Krise leisten“, meint Sparkassen-Generalsekretär Michael Ikrath. Seine Forderung: Banken, die Staatshilfe in Anspruch genommen haben, sollen zwingend ihre Vorstandsbezüge einzeln offenlegen. "Der Steuerzahler hat ein Recht darauf, das zu erfahren“, sagt Ikrath.

Allein mit mehr Transparenz gibt sich Werner Muhm, Direktor der AK, nicht zufrieden. Der ­gesamte Aufsichtsrat, und nicht wie jetzt nur einige wenige Aufsichtsratsmitglieder, soll die Vorstandsgehälter ausverhandeln. Außerdem, so Muhm: „Ähnlich wie in Deutschland soll bei ­neuen Verträgen vereinbart werden, dass auch nachträglich Gehälter und Abfindungen herabgesetzt werden können.“ Im Herbst soll eine ­erste Lösung mit der Erste Bank stehen.

Ändern soll sich also doch einiges, glaubt man den Beteuerungen von der poli­tischen Bühne. Ein Blick auf die Wall Street oder in die Londoner City zeigt allerdings, dass die Banker nicht nur mit jahrelangem Kurzfristverhalten die Krise verschuldet, sondern auch jetzt wenig mehr als ihr Kurzzeitgedächtnis aktiviert haben. Auch über fette Bonuszahlungen wird bereits wieder spekuliert, als ob die Branche nicht eben erst vom Steuerzahler hätte gerettet werden müssen. Denn weltweit verdienen die Banken, die das Massaker überlebt haben, wieder.

Von A. Kramer, A. Müller, S. Pixner, A. Sankholkar

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