Die Gagen der Banker: Nach Einbußen im letzten Jahr steigen die Gagen wieder

Die Geldinstitute verdienen wieder gutes Geld. Und schon sind satte Gagen und die Gier zurück. Ein FORMAT-Report über die Gehälter der Banker, schrumpfende Boni und kräftig steigende Fixbezüge.

Karl Petrikovics fiel im vergangenen Jahr nicht gerade durch glänzende Managementleistungen für das ihm unterstellte Bankinstitut auf. Der einstige Vorstandsvorsitzende der Constantia Privatbank, gegen den die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Untreue und Betrugs ermittelt, kann dennoch zufrieden sein. Er und seine Vorstandskollegen Norbert Gertner und Karl Arco konnten für 2008 insgesamt satte 5,3 Millionen Euro Gehalt einkassieren. In der Summe noch nicht miteinberechnet: Abfertigungen und Aktienoptionen. Dafür, dass die Bank nur durch eine Haftung des Staates gerettet werden konnte, erscheinen 5,3 Millionen Euro – wobei auf Petrikovics allein rund 2,3 Millionen entfallen dürften – exorbitant hoch. Sieht man sich weltweit bei den Bankern um, ist Petrikovics allerdings kein Einzelfall. Stephen Hester etwa, Chef der Royal Bank of Scotland, die vom Steuerzahler aufgefangen werden musste, soll 11,3 Millionen Euro Jahressalär bekommen. Mit Einverständnis der zuständigen Behörde, wohlgemerkt. Besonders dreist auch Peter Fleischer, der geschasste Vorstand der deutschen KfW-Bank, der mit seiner Überweisung an die bereits bankrotte US-Bank Lehman Brothers in die Geschichte eingegangen ist. Er hat seinen ehemaligen Arbeitgeber auf Zahlung von 2,3 Millionen Euro verklagt, von denen er vom Gericht jetzt immerhin eine Million zugesprochen bekam.

Forderungen trotz Misswirtschaft
Unbelehrbarkeit findet sich auch unter Österreichs Bankern: Der ehemalige Kommunalkredit-Chef Reinhard Platzer, dessen Bank an den Rand des Ruins geführt wurde, ist auch vor Gericht gezogen. Er fordert 3,5 Millionen Euro. Haben die Banker aus der Krise nichts gelernt, sondern greifen weiter schamlos zu, obwohl ihre Institute erst vor wenigen Monaten vom Steuerzahler gerettet werden mussten? Oder müssen sich die ehemali­gen Herren des Universums – eingeengt von neuen politischen Vorgaben – künftig an bescheidenere Saläre gewöhnen? Gemessen an dem Aufschrei, der Ende letzten Jahres um die Welt ging, nehmen sich die Änderungen bei den Gehältern der Banker jedenfalls ziemlich bescheiden aus. So haben zwar international und auch in Österreich Vorstände staatlich gestützter Banken weitgehend auf Boni verzichtet, große Systemänderungen sind aber bisher ausgeblieben. Deckelungen von Bankergehältern sind ebenso vom Tisch wie die generelle Abschaffung von erfolgsabhängigen Boni. Reduziert wurden diese aber – zumindest im Jahr 2008, wie eine aktuelle Deloitte-Bankengehaltsstudie für Österreich zeigt ( Bonuszahlungen an der Wall Street , Bonuszahlungen heimischer Banken , Vorstandsgagen ). Die variablen Bezüge der Banker machen durchschnittlich nur noch fünf bis 15 Prozent des Grundgehalts aus.

Top-Experten
Ausnahmen bestätigen die Regel: Mit 62,1 Prozent Bonus als Mittelwert zählt ein Abteilungsleiter für Wertpapier- und Investmentbanking zwar heute zu den Spitzenreitern – im Jahr 2007 konnte er aber noch satte 95 Prozent einstreifen. Unterschiedlich präsentiert sich das Bild hingegen bei den Grundgehältern. Während ein Top-Experte für Corporate Finance von 100.700 Euro auf 71.400 Euro zurückfiel, konnte der Investmentbanking-Abteilungsleiter sein Salär von 97.600 auf 117.900 sogar deutlich steigern. Die Ergebnisse der Studie werden von Insidern weitgehend be­stätigt. Bernhard Ramsauer, Vorstandsvorsitzender der Privatbank Sal. Oppenheim, spricht auch von einem Rückgang der Boni eines Senior Private Bankers von 40 bis 50 Prozent auf maximal 15 Prozent für 2008: „Unser Bonussystem richtet sich nach dem Gesamterfolg der Bank. Nachdem das positiv war, verteilen wir zwar nicht viel, aber ein bisserl was.“ Zu den Gewinnern der Krise dürften jedenfalls die Risikomanager zählen. „Der Trend geht in die Richtung, dass Banker im Risk-Management oder im Restrukturierungsbereich bald mehr verdienen werden. Der Bonus kann bei bis zu 30 Prozent liegen“, berichtet Johann Strobl, Risikovorstand der RZB.

Die neue Bescheidenheit  
Capital-Bank-Chef Constantin Veyder-Malberg hat jedenfalls erkannt, dass sich die Branche ändern muss, um Kunden zu behalten oder Neukunden zu gewinnen. Die Vergütung seiner Bank wird in Zukunft deswegen vom Erfolg abhängig gemacht. Nur wenn am Ende des Jahres auf dem Kundendepot mehr Geld da ist, sollen 15 Prozent der Gewinne an die Bank fallen. „Damit sind wir auf der Seite der Kunden“, sagt Veyder-Malberg und geht davon aus, dass er damit dennoch wirtschaftlich keine Einbußen erleiden wird. Einbußen in Millionenhöhe erleidet dagegen Peter Wuffli, der ehemalige Chef der trudelnden Schweizer Bank UBS. Und das freiwillig. Er hat Ende 2008 überraschend auf rund acht Millionen Euro seines Salärs verzichtet. Was Wuffli freiwillig vorexerziert hat, das müssen die heimischen Vorstände jener Banken, die das staatliche Hilfspaket in Anspruch genommen haben, erzwungenermaßen auch nachmachen. Es gilt nämlich der Grundsatz, dass für jedes Jahr, in dem eine Bank die Zinsen für das vom Staat zur Verfügung gestellte Kapital nicht bedienen kann, Manager und Vorstände keine Boni kassieren dürfen. Bankenpaket hin oder her, hierzulande haben sich die Vorstände aller Großbanken darüber hinaus dazu entschlossen, auf ihre Boni für 2008 zu verzichten. In der Bank Austria waren das für einen neunköpfigen Vorstand etwa 1,25 Millionen Euro. Verzicht übten 2008 auch die Meinl-Bank-Manager: Ihnen blieb von 18 Millionen Euro gerade einmal die Hälfte übrig. Erklärung eines Meinl-BankSprechers: „In der Meinl Bank wird sehr performanceorientiert bezahlt.“

Wider die Schamlosen  
Flächendeckend hat sich die „neue Bescheidenheit“ aber noch lange nicht durchgesetzt, immer noch ist die Wut auf gierige Banker groß, und sie werden mit Attributen wie „Schamlose“, „Totentänzer“ und „Bankster“ bedacht. Was Regierungen dazu zwingt, die Vergütungssysteme der Top-Finanzer schärfer unter die Lupe zu nehmen. Allerorten basteln deswegen Regierungsbeamte und Experten an neuen Modellen, die Extremrisiken vermeiden und Bankern eine langfristig bescheidenere Perspektive ihres Business – und ihres Salärs – antrainieren sollen. Rasch, aber mit deutscher ­Gründlichkeit wurde im Nachbarland etwa das „Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung“ durch den Bundestag gepeitscht, das zwar keine Gehaltsobergrenzen einzieht, aber immerhin verlangt, dass die Bezüge branchen- oder landesüblich gestaltet werden sollen. „Solche staatlichen Grenzen halte ich für sinnvoll“, sagt der Klagen­furter Unternehmensethiker Matthias ­Karmasin. „Es gibt ja nur zwei Optionen: Entweder man vertraut auf die Selbstregulierungsfähigkeit, oder man setzt gesetzliche Grenzen. Dass Ersteres nicht funktioniert, sieht man ja an den bisherigen Vorstandsgehältern.“

Verantwortung großgeschrieben
Neben längerfristig orientierten Bonuszahlungen wird auch Verantwortung großgeschrieben: Wer im Aufsichtsrat Bezüge beschließt, die unangemessen sind, ist künftig persönlich schadenersatzpflichtig. Auch Vorstände selbst werden an die Kandare genommen: Waren sie bisher oft durch branchenübliche Vermögensschadensversicherungen („D&O-Versicherun­gen“) von jeder Haftung befreit, müssen sie bald einen Selbstbehalt vom anderthalbfachen ihres jährlichen Fixsalärs übernehmen. In den USA müssen sich jetzt die Vorstände strauchelnder Großunternehmen wie Citigroup-Chef Vikram Pandit und General-Motors-Chef Fritz Henderson mit dem Washingtoner Anwalt Kenneth Feinberg herumschlagen, der im Auftrag Barack Obamas angemessene ­Gehaltsgrenzen (Richtwert: 500.000 Dollar) bei den Top 100 einziehen soll. Weitere 80 Finanzinstitute, die mit Staatsgeld beatmet werden, müssen dem Juristen ebenfalls Einblick in ihre Salär-Systeme gewähren und sie nach seinen Wünschen anpassen. Auch London rüstet im Kampf gegen unverschämte Boni auf: Banken, die ihren Angestellten weiterhin hohe Boni für kurzfristige Erfolge versprechen, sollen von der Finanzaufsicht risikoreicher eingestuft werden. In Zürich wiederum hat die Schweizer Finanzaufsicht die dortigen Banken aufgefordert, spezielle Vergütungs­berichte zu übermitteln. Sollte der ­Aufsicht das entsprechende Gehaltsmodell nicht schmecken, muss die Bank dieses über­arbeiten.

Mehr Transparenz  
Und in Österreich? „Natürlich müssen Banker in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einen Beitrag zur Krise leisten“, meint Sparkassen-Generalsekretär Michael Ikrath. Seine Forderung: Banken, die Staatshilfe in Anspruch genommen haben, sollen zwingend ihre Vorstandsbezüge einzeln offenlegen. „Wenn es Andreas Treichl überlebt hat, wird es auch anderen nicht schaden. Der Steuerzahler hat ein Recht darauf, das zu erfahren“, sagt Ikrath. Auch Christian Havranek, der Autor der Bankenstudie, ist überzeugt davon, dass sich Gehaltstransparenz in den nächsten Jahren durchsetzen wird. „Über die Vergütungspraxis muss jederzeit offen geredet werden“, findet er. Allein mit mehr Transparenz gibt sich Werner Muhm, Direktor der AK, nicht zufrieden. Der ­gesamte Aufsichtsrat, und nicht wie jetzt nur einige wenige Aufsichtsratsmitglieder, soll die Vorstandsgehälter ausverhandeln. Außerdem, so Muhm: „Ähnlich wie in Deutschland soll bei ­neuen Verträgen vereinbart werden, dass auch nachträglich Gehälter und Abfindungen herabgesetzt werden können.“ Was in den Gehaltsschemata herabgesetzt werden muss, ist gerade Gegenstand von Verhandlungen zwischen Banken, die Partizipationskapital in Anspruch genommen haben, und dem Finanzministerium bzw. der „Banken-ÖIAG“ Fimbag. „Hat etwa die Wertpapier-Abteilung der Bank X ein System, das hohes Risiko belohnt“, erklärt Finanzminister-Sprecher Daniel Kapp, „muss sie beim nächsten Treffen einen Vorschlag für ein überarbeitetes System mitbringen und diesen, so es das Ministerium zulässt, umsetzen.“ Im Herbst soll eine ­erste Lösung mit der Erste Bank stehen.

Grundgehälter erhöht
Ändern soll sich also doch einiges, glaubt man den Beteuerungen von der poli­tischen Bühne. Ein Blick auf die Wall Street oder in die Londoner City zeigt allerdings, dass die Banker nicht nur mit jahrelangem Kurzfristverhalten die Krise verschuldet, sondern auch jetzt wenig mehr als ihr Kurzzeitgedächtnis aktiviert haben. Besonders die US-Citigroup ließ durch die Ankündigung aufhorchen, die Grundgehälter ihrer Angestellten um bis zu 50 Prozent zu erhöhen. Auch über fette Bonuszahlungen wird bereits wieder spekuliert, als ob die Branche nicht eben erst vom Steuerzahler hätte gerettet werden müssen. Denn weltweit verdienen die Banken, die das Massaker überlebt haben, wieder. Ob mit dem Handel mit Rohstof­fen, Devisen oder Aktien, der Beratung bei Übernahmen oder Anleihenplatzierungen – das Geschäft der Gescholtenen brummt. Goldman Sachs rechnet gar mit dem besten Ergebnis seiner 140-jährigen Geschichte. In London liegen die Margen durch den Wegfall vieler Konkurrenten drei- bis sechsmal so hoch wie vor der Krise. Wer kann, wildert schon ­wieder im Revier der Konkurrenz und wirbt fleißig Leute ab. 300 neue Investmentbanker hat alleine Barclays Capital heuer angestellt – gelockt durch üppige Bonusversprechen. „Bab – Bonu­ses are back“ ist das neue Schlagwort der britischen Wirtschaftspresse. Für 2009 rechnen Experten weltweit mit Anstiegen um bis zu einem Viertel bei den Boni. Da wird wohl auch Josef Ackermann wieder zulangen: Der Vorstand der Deutschen Bank kassierte 2007 14 Millionen, im vergangenen Jahr reduzierte er seine Gage durch Boni-Verzicht auf ein Zehntel.

Investmentbanking kränkelt noch  
Auch in Österreich haben die Banken im ersten Quartal wieder gut verdient, auch wenn es den Investmentbankern hierzulande weniger gut gehen dürfte, wie ein hochrangiger Vertreter seiner Branche ­bestätigt: „50-prozentige Boni-Kürzungen sind heuer keine Seltenheit. Die Geschichten, dass in London schon wieder die Scheckbücher gezückt werden und Investmentbanker mit Boni gelockt werden, können wir in Wien nicht nachvollziehen.“

Von A. Kramer, A. Müller, S. Pixner, A. Sankholkar

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