Die Fusion von Festnetz und Mobilfunk
bringt weniger Einsparungen als erhofft

Verhaltene Prognosen, Ärger um Millionenhonorare und eine Fusion, die besser laufen könnte: Die Telekom hofft nun auf Zukäufe im Osten, um wieder einmal eine Erfolgsstory zu schreiben.

Die Sache wird Folgen haben. Zumindest hofft das Telekom-Chef Hannes Ametsreiter. Nach Bekanntwerden von fragwürdigen Millionenzahlungen an Walter Meischberger und Peter Hochegger hat sich die Telekom dem Verfahren gegen ihre früheren, auch in der Buwog-Affäre unter Beschuss stehenden Lobbyisten angeschlossen und pocht auf 9,06 Millionen Euro Schadenersatz. „Die Behörden gehen allen Geldflüssen nach“, sagt Ametsreiter (siehe ya href="http://format.at/articles/1108/525/289966_s1/der-telekom-ceo-hannes-ametsreiter-format-interview">Interview).

Der seit April 2009 amtierende Telekom-Vorstandschef hat der Staatsanwaltschaft umfangreiche Unterlagen aus der internen Revision übergeben. Das könnte auch für den früheren Vorstand Rudolf Fischer und den damaligen Finanzchef Gernot Schieszler Konsequenzen haben. Denn sie waren in der Telekom die direkten Ansprechpartner von Hochegger und Meischberger. „Die Untersuchungen werden über alle Details Aufschluss geben“, hofft Ametsreiter.

Fehlende Dynamik

Ein paar Millionen aus den mehr als üppigen Honoraren auf dem Gerichtsweg zurückzubekommen wäre für Ametsreiter ein Prestige-Erfolg. Die Telekom-Bilanz würde eine solche Summe freilich nur marginal auffetten. Das seit Juli 2010 als „A1 Telekom Austria“ firmierende Unternehmen hat für das Vorjahr um 3,1 Prozent auf 4,65 Milliarden Euro gesunkene Umsätze gemeldet. Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg zwar um 27,3 Prozent auf 437,9 Millionen. Analysten zeigen sich dennoch enttäuscht und verweisen auf das vierte Quartal, das mit 61,3 Millionen Euro Verlust das Gesamtjahr deutlich überschattete. Und vor allem: Die Prognosen für das laufende Jahr fallen recht verhalten aus. Grund dafür ist der brutale Preis- und Konkurrenzkampf in Österreich, aber auch die schlechte Wirtschaftslage in den Ostmärkten.

Die teilstaatliche A1 Telekom Gruppe – die ÖIAG hält 28,4 Prozent – ist in acht Märkten aktiv. Neben Österreich ist sie auch in Bulgarien als Full-Service-Provider tätig, bietet dort also Festnetz und Mobilfunk zugleich an.

Ametsreiter geht zwar von einer raschen Erholung der osteuropäischen Märkte aus, aber im Moment fehlt die Dynamik. Er kann nur hoffen, dass nach einer längeren Expansionspause nun wieder Zukäufe gelingen. In Kroatien wird an der Übernahme des Festnetzanbieters Metronet gearbeitet, in Serbien soll ein Angebot für die Telekom Srbija gelegt werden. In letzterem Fall will die zuständige Ministerin Jasna Matic allerdings den Deal vereiteln, weil die Österreicher als Besitzer des serbischen Mobilfunkanbieters Vip mobile nicht auch noch ins Festnetzgeschäft einsteigen sollen.

Integration auf Raten

Die Telekom hätte eine neue Erfolgsstory dringend nötig. Weil auf den Märkten derzeit nicht übermäßig viel zu holen ist, sollte eigentlich intern zusätzliches Ertragspotenzial gehoben werden. Aber auch die Fusion von Festnetz und Mobilfunk läuft verhalten. Das Ziel war, zwischen 100 und 120 Millionen Euro einzusparen. Wie viel schon realisiert wurde, ist dem Vorstand nicht zu entlocken. Laut Insidern ist die angepeilte Summe aber keinesfalls zu erreichen.

Tatsächlich scheint der mächtige Betriebsratsapparat der Telekom mit seinen Forderungen durchgekommen zu sein: Er legte sich gegen Personalkürzungen quer und drohte, über die Medien Druck zu machen. Mit Erfolg: 9.717 Mitarbeiter (von konzernweit 16.500) betrug der Personalstand in Österreich Ende 2010, das waren nur 328 weniger als 2009. Für heuer haben 500 Leute einen Sozialplan angenommen. „Es wird keinen Kahlschlag geben“, freut sich Betriebsratschef Markus Hotz.

Viel radikaler durchgreifen wollte Ex-Telekom-Manager Dino Dogan. Er plante, rund 2.000 Beschäftigte in Österreich abzubauen. Gegangen ist der Kroate Ende 2010 selbst: Nachdem er nicht Finanzvorstand geworden war, wurde er mit der Fusion von Festnetz und Mobilfunk beauftragt. Dogan kam sich aber mit Ametsreiter immer wieder in die Haare, weil er härtere Maßnahmen forderte, damit, wie er sagte, die Telekom wettbewerbsfähig bleibe.

Die Integration läuft nun ohne Dogan weiter. Die einzelnen Linienmanager etwa aus Vertrieb und Marketing kümmern sich neben dem Tagesgeschäft um das komplexe Verfahren. Ametsreiter ist überzeugt, dass das ausreicht.

– Silvia Jelincic

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