Die Franken-Falle: FORMAT beantwortet 7 Fragen, die Fremdwährungsschuldner quälen

Der Höhenflug der Schweizer Währung treibt Franken-Schuldnern den Schweiß auf die Stirn. FORMAT beantwortet die sieben wichtigsten Fragen, wie die Belastungen in Grenzen zu halten sind..

Die laufende Entlastung des Haushaltsbudgets war zu verlockend. Viele Häuselbauer zogen über Jahre hinweg Franken-Kredite wegen der Zinsersparnis einem Euro-Darlehen vor. Von der Gefahr, dass die Schweizer Währung einmal ungeahnte Stärke zeigen könnte, war damals noch keine Rede. Seit geraumer Zeit hat sich das Blatt jedoch zum Leidwesen der Franken-Schuldner gewendet, wurde doch die eidgenössische Währung in der Euro-Krise zum sicheren Hafen. Die Folge: Mitte der Woche war ein Euro nur noch 1,04 Franken wert. Nun stecken Schuldner in der Frankenfalle – besonders jene, die einen endfälligen Kredit haben, der mittels Tilgungsträger bedient wird.

1. Ist es jetzt sinnvoll, einen Franken-Kredit in Euro zu konvertieren?

Nein. Wer in Euro konvertiert, realisiert Währungsverluste, die etwa bei einem im August 2001 abgeschlossenen 100.000-Euro-Kredit 38.500 Euro betragen. Außerdem ginge der Zinsvorteil, der jährlich bei rund 1 bis 1,5 Prozent liegt, verloren. Es gibt in der Regel auch keine Möglichkeit, jetzt kurzfristig aus dem Franken auszusteigen und später wieder dorthin zurückzukehren.

2. Hilft eine Laufzeitverlängerung bei bald auslaufenden Krediten?

Eine Ausdehnung der Laufzeit ist im Normalfall nur im Zuge einer Umstellung von Franken- auf Euro-Kredit möglich. Michael Kordovsky, Research-Leiter von Infina Credit Broker: „Vereinzelt gibt es aber auch Banken, die eine Prolongation eines Franken-Kredits anbieten. Das hilft speziell jenen Schuldnern, deren Kredit nur mehr eine geringe Restlaufzeit aufweist.“

3. Soll man zuwarten, bis die Währung der Helvetier schwächer wird?

Abwarten und Tee trinken ist nur zu empfehlen, wenn der Kredit noch länger läuft. Experte Kordovsky: „Je größer die Bonität des Kunden, desto mehr Spielraum hat er, um das Franken-Hoch auszusitzen.“ Nachdem die Schweizer Nationalbank erste Schritte setzte, die Währung abzuschwächen, ist momentan Panik fehl am Platz, wurde doch faktisch bereits auf Nullzinspolitik umgestellt. Gerhard Massenbauer, Finanzierungsexperte der Censeo Vermögensverwaltung: „Wenn der Franken zum Euro unter die Parität rutscht, werden die Schweizer weitere Maßnahmen setzen. Sogar negative Anlagezinsen sind denkbar.“ Geduld ist allerdings gefragt, weil die Wahrscheinlichkeit, dass der Franken rasch schwächer wird, gering ist. So rechnet etwa die Liechtensteinische Landesbank damit, dass sich die Schweizer Währung in den nächsten Monaten in einer Bandbreite von 1,05 bis 1,15 Euro einpendeln wird. Massenbauer: „Auf Sicht von drei bis sieben Jahren ist es aber wahrscheinlich, das der Franken wieder auf einen Kurs von 1,4 Euro fällt.“

4. Gibt es Schutz gegen einen weiter steigenden Franken?

Ja. Wer Angst vor weiteren Währungsverlusten hat, kann grundsätzlich auf Devisenoptionen zurückgreifen, die aber erst ab 100.000 Euro möglich sind. Für eine Art Versicherungsprämie bekommt man eine definierte Zeit lang Schutz vor extremen Kursverlusten.

5. Was ist anzuraten, wenn die Bank mehr Sicherheiten einfordert?

Die Banken haben bereits bei der Vergabe von Franken-Krediten die langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit der Finanzierung geprüft. Infina-Experte Kordovsky: „Ist der Kreditnehmer ein Verbraucher, hat die Bank deshalb bei der Forderung nach mehr Sicherheiten nahezu null Handhabe, sofern der Kunde seine Raten pünktlich bezahlt. Das Institut kann Vertragsvereinbarungen nicht nachträglich einseitig verändern.“ Ist der Franken-Schuldner hingegen in einen finanziellen Engpass geraten, lohnt es sich, kooperativ zu sein. Massenbauer: „Der Wert der Immobilie, die mit einem Franken-Kredit angeschafft wurde, ist seit dem Kauf häufig gestiegen. Kreditnehmer sollten ihre Bank bitten, eine Neubewertung vorzunehmen, um damit die Besicherung zu erhöhen.“

6. Wie ist eine zusätzliche Sicherheitsreserve aufzubauen?

Wer seinen Franken-Kredit nicht in Euro umstellt, sollte zumindest den Betrag, den der Zinsvorteil ausmacht, laufend auf ein separates Sparkonto überweisen. Diese zusätzliche Eigenvorsorge dient zur Abdeckung einer Lücke am Ende der Laufzeit. Infina-Experte Kordovsky: „Wichtig ist, dass das Guthaben nicht zugunsten der Bank verpfändet wird.“

7. Was ist zu tun, wenn der Tilgungsträger stark unter Wasser ist?

Wer nur eine einzige Aktie als Tilgungsträger hat, sollte retten, was noch zu retten ist, und breiter gestreut auf mehrere Veranlagungsinstrumente umstellen. Beim Austausch schlecht laufender fondsgebundener Lebensversicherungen ist zu berücksichtigen, dass der Wechsel neuerlich mit Abschlusskosten von rund einer Jahresprämie verbunden ist. Besser ist, beim Anbieter nachzufragen, ob im Rahmen einer bestehenden Fondspolizze einzelne Fonds getauscht werden können. Damit sind zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Einerseits fallen hohe Umstellungskosten weg, andererseits können schlecht laufende oder zu riskante Fonds eliminiert werden.

– Carolina Burger, Robert Winter

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