Die Bank des Papstes unter Geldwäsche-Verdacht

Die Bank des Papstes wird wegen des Verdachts der Geldwäsche durchleuchtet. Ausgerechnet vor Ostern geriet das Vatikan-Geldhaus wieder einmal ins Zwielicht. Erste Konten sind bereits gesperrt.

Die Vatikanbank - offizielle Bezeichnung: Istituto per le Opere di Religione (IOR) - gilt als ein schwarzes Loch im internationalen Finanzverkehr. Das Geldinstitut des Heiligen Stuhls vergibt weder Bauspardarlehen, noch gibt es Weltspartagsgeschenke. Geboten wird vielmehr höchste Diskretion hinter zweitausend Jahre alten Steinmauern. Finanzmarktaufsicht: Fehlanzeige. Hauptversammlung: der Papst selbst. Compliance-Richtlinien: bestenfalls die Zehn Gebote. Auch der Kundenkreis ist handverlesen: kirchliche Einrichtungen, Angestellte des Vatikans (etwa die Schweizergarde) und ein konspirativer Kreis von Freunden des Hauses. So hat der frühere Chef der Democrazia Cristiana, Giulio Andreotti, mehrere Privatkonten beim IOR unterhalten.

Privilegien wie diese haben jetzt aber ein Ablaufdatum - und werden zunehmend unattraktiv. Denn die Vatikanbank landete zuletzt auf den schwarzen und grauen Listen der europäischen und amerikanischen Finanzbehörden. Während sich der Papst schon auf die Osterfeierlichkeiten vorbereitete, geriet "seine“ Bank wieder einmal ins Zwielicht.

Imageschaden Kontensperre

Die Skandale der Vatikanbank füllen mittlerweile ganze Bücher. 1982 wurde Roberto Calvi, der "Bankier Gottes“, erhängt unter der Blackfriars Bridge in London aufgefunden. Dunkle Geschäfte, Schmiergelder und sogar Waffenfinanzierungen in Calvis Umfeld erschüttern die Selbstmord-These bis heute.

Während der 80er- und 90er-Jahre soll die Vatikanbank in engen Geschäftsbeziehungen mit der sizilianischen und der kalabrischen Mafia gestanden sein. Im September 2010 erfolgte ein Paukenschlag: Die italienische Finanzpolizei (Guardia di Finanza) beschlagnahmte 23 Millionen Euro von einem Konto des IOR und startete Ermittlungen gegen den Präsidenten der Bank und seinen Generalsekretär. Der schwerwiegende Verdacht: Geldwäsche.

Der letzte Streich erfolgte vor drei Wochen. Die amerikanische Investmentbank JP Morgan sperrte ein Konto des IOR ebenfalls wegen Geldwäscheverdachts. Die US-Banker wollten kein Risiko eingehen und keine Schwierigkeiten wegen verdächtiger Geldbewegungen mit der amerikanischen Bankenaufsicht. Die öffentliche Begründung: "Die Vatikanbank habe nicht die von JP Morgan geforderten Informationen bezüglich einiger Zahlungen geliefert, die vom Mailänder Konto aus getätigt worden waren.“ Der Zeitpunkt der Kontensperre überrascht nicht. Die US-Behörden haben jüngst den Vatikan auf eine Liste von Ländern gesetzt, die wegen möglicher Geldwäsche-Aktivitäten beobachtet werden. Erstmals scheint der Heilige Stuhl auch im jährlichen Strategiebericht des US-Außenministeriums zum Kampf gegen Drogenkriminalität auf.

Österreicher prüfen Vatikanbank

Die europäischen Finanzbehörden, darunter die Österreicher, prüfen derzeit ebenfalls die Transparenz der Vatikanbank. Die Kontrollore kommen von der Vereinigung Moneyval, das ist der Expertenausschuss des Europarates für Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, sowie von der FATF. Die Financial Action Task Force on Money Laundering hat 49 Empfehlungen ausgearbeitet, die Sauberkeit bei internationalen Finanzgeschäften garantieren sollen.

Noch erfüllt der Vatikan nicht alle diese Voraussetzungen. Aus dem österreichischen Finanzministerium, das in beide Anti-Geldwäsche-Gruppen eingebunden ist, verlautet: "Kontosperren sind lange nicht vorgekommen. Allerdings drohen Staaten keine direkten Sanktionen, sondern einzelne Banken werden von sich aus tätig.“ Der Expertenbericht soll noch im heurigen Sommer fertig werden, dann erhält auch die Vatikanbank Gelegenheit zur Stellungnahme. Erster Schritt: Papst Benedikt hat bereits eine eigene Aufsichtskommission für die Vatikanbank nominiert.

Die Hauptfrage lautet: Wie kommen rund fünf Milliarden Euro auf die Konten des IOR in aller Welt? Denn das Hauptvermögen der katholischen Kirche liegt in ihrem immensen Immobilienbesitz - Kirchen, Bistümer, Klöster und Stifte. Diese wiederum verfügen über Liegenschaften und Ländereien in gigantischem Ausmaß. Aufgrund der Historie zählen vor allem Top-Adressen in europäischen Innenstädten dazu. Allein die Immobilien der Erzdiözese Wien rund um den Stephansplatz sind Hunderte Millionen Euro wert. Freilich ist die Veräußerung der Besitztümer nach Kirchenrecht äußerst schwierig.

Das Barvermögen wiederum stammt aus laufenden Zahlungen der einzelnen Länderkirchen und Orden an den Vatikan. Und dort bewies man in den vergangenen sechzig Jahren durchaus Geschick bei der Anlage der einbezahlten Gelder. Aktienpakete an zahlreichen italienischen Industrieunternehmen und anderen Banken runden das Portfolio ab.

Dabei war man nicht immer zimperlich. Anteile am italienischen Pharmaunternehmen Serono, das auch die Antibabypille herstellt, wurden erst nach Auffliegen der Beteiligung veräußert. Der Rest der Finanzen bleibt im Dunkeln - selbst die Vatikan-Bankomaten zeigen auf ihren Displays für viele unverständliches Latein an. In dieser Sprache sollen auch die Kontoauszüge abgefasst sein.

Austro-Connection

Wesentlich höhere moralische Ansprüche stellt da die österreichische Kirchenbank Schelhammer & Schattera an ihre Geschäfte. Mit sogenannten Ethik-Fonds profitiert die Kundschaft nur von Unternehmensaktien, die weder mit Waffenhandel noch mit brutaler Umweltzerstörung performen.

Die Beteiligungsstruktur der Bank, deren Haupteigentümer die Superiorenkonferenz der österreichischen Männerorden ist, weist allerdings auch Unternehmen auf, die nicht unbedingt der reinen katholischen Soziallehre entsprechen. Beteiligungen, die auffallen, sind die "Garage am Hof“ und ein 5,3-Prozent-Anteil am Glücksspielunternehmen Casinos Austria AG.

Zudem halten die meisten kirchlichen Eigentümer Kontoverbindungen mit der Vatikanbank IOR aufrecht.

Päpstliche Aufregung

In Rom regiert derzeit die Angst vor weiteren Unannehmlichkeiten. Denn die Machenschaften der Vatikanbank lesen sich stellenweise wie ein Krimi, und die übelsten Geschäfte drohen nun aufzufliegen. Intrigen in der Kurie führten bereits zu "Vati Leaks“, wo ähnlich wie bei WikiLeaks dubiose Strukturen aufgedeckt wurden. Und mehrere hochrangige Kardinäle sollen immer noch im Besitz heikler Unterlagen sein.

Erfahrung mit Überläufern hat der Vatikan bereits. Mit teilweise tödlichen Folgen. Monsignore Renato Dardozzi, Geheimnisträger der vatikanischen Hochfinanz, hatte ein geheimes Archiv von fast 5.000 Dokumenten angelegt und in die Schweiz geschmuggelt. Die Unterlagen sind voll mit Schmiergeldaffären und der Beschreibung von Versuchen, Schwarzgeld-Untersuchungen zu unterlaufen.

Auch intime Mafiaverbindungen werden darin offenbar. Sie mündeten nach dem Tod Dardozzis in Aufdeckerbüchern, die den Vatikan tief erschütterten. Sie beweisen auch, dass der Vatikan mit unliebsamen Mitwissern hart umspringt. Ob die Kirche hinter der Ermordung des sizilianischen Bankers Michele Sindona steht, der an einem vergifteten Cappuccino starb, bleibt allerdings ungeklärt. Der Vatikan verfolgt nämlich eine seit Jahrhunderten bewährte Taktik: abstreiten, leugnen und vor allem schweigen.

Papst Benedikt will jetzt aufräumen, aber nach seinen Regeln. Keinesfalls will der Vatikan, dass wie Staatsgeheimnisse gehütete Verbindungen zur Mafia unkontrolliert an die Öffentlichkeit kommen. Und der Kirchenstaat muss rasch weitere Rücklagen bilden bzw. liquide Mittel bereitstellen, um für Entschädigungszahlungen von Missbrauchsopfern rund um den Erdball geradestehen zu können.

Mühsame Aufräumarbeiten

Hinzu kommt, dass viele Landeskirchen, wie etwa die österreichische, finanziell klamm sind - zumindest bei Kontoeinlagen. Denn die Austrittszahlen spiegeln sich in sinkenden Mitgliedsbeiträgen vulgo Kirchensteuer dramatisch wider. Kein Wunder also, dass der Vatikan von schwarzen und grauen Listen rasch wieder herunterkommen will. Denn nur so können lukrative Geschäfte am US-dominierten Finanzmarkt störungsfrei abgewickelt werden - und die Patres müssen nicht auf ein Wunder hoffen.

Unangenehm für den Papst ist dabei auch der Umstand, dass er punkto Sauberkeit an seinen eigenen Worten gemessen werden wird. In seiner letzten einschlägigen Enzyklika, "Caritas in Veritate“, hat er zu Transparenz auf den Finanzmärkten aufgerufen. Spannend wird außerdem, wie Benedikt XVI. die jahrzehntelangen Bande der Kirche zu korrupten Italo-Politikern und der Mafia kappen will. Insider mutmaßen, dass ihm der Vorwand der Kontrolle durch Moneyval & Co dabei durchaus gelegen kommt.

Pikante Altlasten

Fast wöchentlich tauchen dennoch Altlasten auf. So berichten italienische Zeitungen just zu Ostern von einem Entführungsfall um ein damals 15-jähriges Mädchen, der sich 1983 im Dunstkreis der Vatikanbank zugetragen hat. Nach Ermittlungen der Staatsanwälte war die Entführung von der römischen Mafia geplant. Deren Boss, Enrico De Pedis, soll den damaligen Chef der Vatikanbank, Paul Marcinkus, wegen dessen undurchsichtiger Geldgeschäfte erpresst haben.

Pikant: Der wenig später von Rivalen erschossene Mafia-Boss war als Wohltäter der Basilika Sant’Apollinare beigesetzt worden. Weiters unangenehm: Ebenjener Mafiaboss mit päpstlichem Siegel soll am Aufbau verbrecherischer Strukturen auch in Österreich und Deutschland beteiligt gewesen sein.

Fazit: Abseits aller Verschwörungstheorien aus dem Inneren der Kurie haben der Vatikan und seine Bank mehr denn je Handlungsbedarf. Ob dabei auch die Strukturen des heimischen Finanzgeflechts zwischen Kirche und Banken durchleuchtet werden, bleibt offen.

Die Lust zwielichtiger Businessleute auf IOR-Konten soll jedenfalls bereits deutlich nachgelassen haben. Schließlich will sich niemand dem Verdacht aussetzen, mit dubiosen Geldern zu hantieren. Die Kontensperre der JP Morgan hat nämlich Signalwirkung und dürfte ihr Ziel nicht verfehlt haben.

GRAFIK: Vatikanbank und Österreich

- Florian Horcicka

Dem Autor auf Twitter folgen:

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Wegbereiter einer neuen Industrie

Mit dem Schlagwort Industrie 4.0 werden revolutionäre Änderungen der …

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Comeback der Krise?

Auffällig viele Topunternehmen schreiben Verluste, eine Besserung der …

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Innovation - der wichtigste Rohstoff

Im Wettkampf der Regionen muss Österreich noch stärker auf …

50 Millionen Euro Umsatz macht die von Ronnie Seunig gegründete Excalibur City pro Jahr und schafft 500 Jobs. Roger Seunig tritt in die Fußstapfen seines Vaters und setzt dessen pittoreske Visionen fort.
 

Roger Seunig - der Ritter von Kleinhaugsdorf

Roger Seunig übernimmt von seinem Vater das Billig-Paradies Excalibur …