"Die AUA will uns verdrängen“

FORMAT: Herr Lauda, es gibt AUA-Vertreter, die meinen, der Flughafen Wien sei zu klein, um Hub für zwei Airlines zu sein. Wie sehen Sie das?

Lauda: Was heißt das? Dass es keinen Wettbewerb geben soll? Dass man allen anderen verbietet zu fliegen? Das Angebot reguliert den Markt, das ist überall so. Wir haben vier Millionen Passagiere. Doch die Art der Argumentation ist typisch für das, was die AUA dauernd tut: Sie sagt, wir wollen allein in Wien sitzen, die Austro Control soll mitzahlen, der Flughafen soll mitzahlen, die Spritfirmen sollen mitzahlen, alle sollen mitzahlen, weil wir Verluste einfliegen. Gott sei Dank sind wir in der EU, wo es klare Regeln für den Wettbewerb gibt. Das AUA-Management war ja auch bei Bundeskanzler Faymann und Co abwärts jammern. Nur jammern ändert halt nichts.

Was läuft bei den Austrian Airlines falsch?

Da muss man weiter ausholen und berücksichtigen, wie die AUA überhaupt zur Lufthansa gekommen ist. Die Lufthansa hat die AUA geschenkt bekommen und 500 Millionen Euro als Mitgift dazu. Diese halbe Milliarde Förderung ist der größte Witz aller Zeiten. Denn trotz dieses Zuschusses, der wettbewerbsverzerrend war, hat sich nichts geändert.

Warum?

Weil schwere Managementfehler passiert sind. Man kann nicht jede Woche ein neues Sparpaket schnüren. Man hätte genau überlegen müssen, wo die Probleme liegen, um sie langfristig zu lösen. Aber das hat man nicht gemacht. Die Kollektivverträge wurden am Markt vorbei geschlossen. Die AUA ist wie unsere Regierung. Sie hat 1.500 Personen entlassen und dennoch wieder die gleich hohen Personalkosten wie vor zwei Jahren. Und jetzt wird den Mitarbeitern gedroht: "Wenn ihr nicht mitmacht, schicken wir die AUA in Konkurs.“ So etwas würde ich mich nie trauen auszusprechen, wenn ich eine Airline übernehme und 500 Millionen Euro dazu bekomme.

Was hätte die AUA tun können, um besser dazustehen?

Märkte verändern sich in der Luftfahrt jeden Tag, daher muss man sich strategisch langfristig überlegen: Was kommt auf mich zu, was muss ich tun, um wieder Geld zu verdienen? NIKI hat bis heute immer Geld verdient. Es gibt eben welche, die es können, und welche, die es nicht können. Das Management vor dem jetzigen AUA-Chef Jaan Albrecht hat mir erklärt, dass sie die großen 737-800 einsetzen, billige Tickets verkaufen und die Low-Cost-Airlines vernichten, weil sie sie dorthin schicken, wohin ich fliege, also etwa nach Rom. Ich hab damals schon gesagt, dass sie damit Verluste einfliegen. NIKI fliegt zweimal am Tag nach Barcelona, die AUA dreimal. Auch bei anderen Destinationen, die wir anfliegen, hat die AUA verstärkt. Die AUA will uns verdrängen. Nur das wird nichts, weil ihre Kostenstruktur zu hoch ist.

Wo könnte die AUA ansetzen, um die Kosten zu senken?

Das soll sich Herr Albrecht überlegen, ich gebe ihm da keinen Rat.

Eigentlich müsste die Lufthansa Geld in die Hand nehmen …

Wie auch immer. Dass die Lufthansa auch nicht glücklich ist, ist ja vollkommen klar. Bei Schönwetter kann jeder fliegen. Wenn die Einnahmen ausbleiben, wird es interessant. Auch die Lufthansa selbst erwirtschaftet nicht mehr die Erträge, die sie will. Sie hat eine Airline, die funktioniert, das ist die Swiss. Die AUA stellt ja die Flüge nach Mumbai ein. Angeblich wegen Emirates, aber in Wirklichkeit, weil es Probleme mit den Verkehrsrechten gibt und die Swiss fünf Minuten vor ihnen aus Mumbai wegfliegt.

Angeblich will die AUA ja neue Langstrecken dafür aufnehmen.

Das wundert mich. Wenn sie grad zurückfahren, weil sie kein Geld in der Langstrecke verdienen, wo wollen sie denn hinfliegen? In der Langstrecke zu expandieren muss gegen das Interesse der Lufthansa sein, denn München, Frankfurt und Zürich sind zu nah. Das geht immer auf Kosten der Schwester.

Wird die AUA schrumpfen?

Wenn die Verluste nicht minimiert werden, muss sie kleiner werden. Dass sie die Boeings verkaufen, ist eh schon ein Zeichen in diese Richtung.

Wer bleibt im großen Luftkampf übrig: NIKI oder die AUA?

Den Platz bestimmt der Markt, die Leute entscheiden selbst, wohin sie fliegen. Der Mensch kauft Preis/Leistung. Wenn andere eine bessere Leistung bringen, regt sich die AUA auf.

Warum gab es bei NIKI im Jänner einen Passagierrückgang?

Das kann ich im Detail nicht sagen, weil ich jetzt ja Mitglied des Boards der Air Berlin bin und das nächste Meeting erst im März ist. Aber wahrscheinlich liegt es auch daran, dass die AUA mit billigeren Tickets den Markt leersaugt. Doch wenn unterm Strich die Verluste nicht weniger werden, ist das die falsche Strategie. Alle Chefs der AUA waren planlos. So auch der Neue.

Ein Kritikpunkt an NIKI ist immer wieder, dass das Unternehmen nur mit Leiharbeitskräften arbeitet.

Ich kann das alles nicht mehr hören. NIKI hat 800 Mitarbeiter, die immer schon bei Labour Pool angestellt waren und bei NIKI fliegen. Das war eine Konstruktion, damit wir nicht die Kostenstruktur der AUA bekommen, die jetzt die AUA in den Ruin führt. Es geht nicht um das Gehalt, sondern um die Flexibilität der Einsatzkräfte. So sind wir profitabel. Und die Mitarbeiter sind zufrieden.

Ist NIKI eigentlich noch eine Billigfluglinie?

Wir können billiger produzieren, darum sind wir erfolgreich. Aber die Preise steigen, und damit werden auch die Tickets bei uns teurer.

Wohin will NIKI heuer expandieren?

Ich bin eher sehr vorsichtig eingestellt, weil auf uns dauernd Negativmeldungen einprasseln von früh bis spät, Griechenland auf und ab, weil es keine Lösungen gibt, sondern immer nur diskutiert wird. Das Sparpaket wird auch dazu führen, dass die Leute seltener auf Urlaub fliegen.

Ist der Flughafen Wien zu teuer?

Mit den Förderungen für Transferpassagiere ist er ähnlich teuer wie München. Wichtig wäre die dritte Piste, Frankfurt hat bereits vier Pisten.

Welche neuen Destinationen gibt es im Sommerflugplan?

Tel Aviv beginnt jetzt nächste Woche. Und was macht die AUA? Sie setzt eine größere Maschine Richtung Tel Aviv ein. Ich bin gespannt, wie sie mit einer 767, die wesentlich mehr Sprit braucht, gegen einen Airbus 321 gewinnen will. Das ist wieder ein Verlustgeschäft. Aber das ist eben der Strategiefehler der AUA: Sie will verdrängen.

Sie haben eingangs das Sparpaket der Regierung erwähnt. Finden Sie, es ist ein großer Wurf?

Ich finde es toll, dass sie sich gegenseitig loben, aber wenn gleichzeitig gesagt wird, dass die einen die Reichensteuer weiterverfolgen, ist das nicht sehr intelligent. Unsere Regierung ist wie die AUA. Sie glaubt, alle anderen müssen helfen, und das eigene Problem wird weggeschoben, statt es zu lösen.

Wie sieht denn Ihr neuer Job bei Air Berlin genau aus?

Ich bin im Board, das nächste Meeting ist im März in Berlin, ich war in Abu Dhabi, und jetzt wird über Strategie und Zukunft diskutiert.

Was läuft denn bei der Air Berlin falsch?

Es wurde zu schnell expandiert. Die Kosten sind auch ein Riesenproblem. Die Kapazitäten wurden jetzt zurückgenommen, das ist alles ein langwieriger Weg. 2013 soll es wieder schwarze Zahlen geben.

Wie feiern Sie denn Ihren 63. Geburtstag kommenden Mittwoch?

Gar nicht.

Keine Torte? Kein Fest?

Die Birgit, meine Frau, möchte gern ins Do & Co. Also gehen wir dorthin. Es gibt einen Heringsschmaus.

Das Interview führten Silvia Jelincic und Miriam Koch

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