Die 0-Euro-Falle: Der brutale Preiskampf am heimischen Mobilfunkmarkt

Vier Mobilfunker heizen sich gegenseitig mit den Preisen an. Das Weihnachtsgeschäft wird heuer mit dem iPhone 4 gemacht. Großer Gewinner: Apple.

Das Weihnachtsgeschäft im Mobilfunk begann am 12. November. An dem Tag verkündete Orange, das iPhone 4 gestützt künftig schon ab 1 Euro anzubieten. Nach einer Schrecksekunde von einigen Tagen zog T-Mobile schließlich nach. Bislang hatten die Mobilfunktöchter von France Télécom und Deutscher Telekom eine Exklusivvereinbarung mit Apple, die die Mutterkonzerne ausgehandelt hatten.

Nun haben alle vier Betreiber das „4er“ im Programm (auch A1 und 3), und da musste schon eine starke Preisansage her. Allein, die meisten Insider hatten darauf gewettet, dass die von 3 kommen würde, die sich ganz offen zu ihrer aggressiven Preisgestaltung bekennen.

Der Preiskampf im heimischen Mobilfunkmarkt tobt seit Jahren mehr oder weniger heftig, heuer spitzt sich das Ganze auf ein bestimmtes Handymodell zu. Kein Hellseher ist nötig, um vorherzusagen, dass das iPhone 4 das meistverkaufte Modell im strategisch noch immer sehr wichtigen Weihnachtsgeschäft sein wird. Fast 500.000 iPhones funken bereits in den heimischen Netzen. Und da ist der Preis definitiv ein Argument. Im Freiverkauf muss man mindestens 700 Euro auf den Tisch legen – für die kleinere 16-GB-Version. Orange-Boss Michael Krammer berichtet: „Unsere iPhone-Verkäufe haben sich zuletzt verdreifacht.“ Und A1-General Hannes Ametsreiter verzeichnete am ersten Verkaufstag, dem 29. November, „ein Drittel mehr Geschäft als am verkaufsstärksten Tag des Jahres“.

Die Netzbetreiber stützen das Apple-Telefon jetzt nicht mehr nur mit bis zu 200 Euro, sondern fast dem Doppelten. „Wer sich darüber freut, ist vor allem Apple“, analysiert Karim Taga, Geschäftsführer von Arthur D. Little, die Lage. „Apple erhöht seinen Marktanteil, und die Payback-Periode wird weiter verlängert.“ Konkret: Der Zeitpunkt, ab dem der Kunde für den Betreiber wirklich profitabel wird, verlagert sich weiter nach hinten.

Extrem überhitzter Markt

Umsatzkurvenillustrieren die Entwicklungen eindrucksvoll. 2010 wird der Durchschnittsumsatz pro Kunde (Average Revenue Per User, ARPU) auf 23,50 Euro sinken. Aus dem einstigen Wachstumsmarkt ist ein beinharter Verdrängungswettbewerb geworden. Diese Tendenzen gibt es auch in anderen EU-Ländern, doch Österreich ist ein „extrem überhitzter Markt, weil sich vier Betreiber um einen relativ kleinen Markt streiten“, sagt T-Mobile-Chef Robert Chvátal. Die Analysten haben errechnet, dass ein Schweizer gleich dreimal so viel zahlt wie der durchschnittliche österreichische Mobilfunkkunde. Ihren Niederschlag finden die Entwicklungen auch in den Bilanzen. Je nach Betreiber sind die Margen der österreichischen Mobilfunker um 20 bis 40 Prozent niedriger als in vergleichbaren Märkten.

Aus der selbst gestellten Preisfalle gibt es wenige Möglichkeiten, zu entkommen. Krammer: „Wer die Tarife senkt, muss auch beim Kostensenken entsprechend schnell sein.“ Wie das geht? Personal abbauen, wo es möglichst wenig wehtut. Noch günstigere Lieferanten suchen. Service auslagern an günstigere Dritte. T-Mobile macht das etwa mit der tele.ring-Hotline. Chvátal: „Die Netzbetreiber werden immer schlanker.“ A1-Boss Ametsreiter glaubt, dass am Ende „nur eine Mischung aus gutem Preis und Qualität“ den Kunden überzeugt. Bei der A1-Diskontmarke bob stimmt der Preis und auch das Netz. Es gibt keine Shops und keine gestützten Handys, und wer die Hotline anruft, zahlt. Kosten senken oder Gebühren einheben ist die Devise.

Gespart werden kann sogar beim Herzstück eines Mobilfunkers selbst: dem Netz. Die technische Betreuung außer Haus zu geben oder Teile des Netzes auszulagern ist mittlerweile üblich. Der Netzbetreiber 3 hat vor wenigen Tagen angekündigt, das Netz an die chinesische Entwicklungsbank (CDB) zu verkaufen und zurückzuleasen. „Das ist der effizienteste Weg, unser Netz zu modernisieren“, sagt 3-Chef Jan Trionow. Auch eine Möglichkeit, Liquidität zu schaffen. Telekomexperte Taga sieht mögliche Schattenseiten: „Einfacher wird es nicht, wenn jede Entscheidung mit der Bank abgestimmt werden muss.“

Im Mobilfunkmarkt entstehen derzeit ganz neue Allianzen. In England haben sich die Konkurrenten Orange und T-Mobile auf ein Joint Venture geeinigt. Konsolidierungstendenzen sind derzeit in ganz Europa zu beobachten, und es wird auch in Österreich dazu kommen. A1-Boss Ametsreiter urteilt: „In dieser kompetitiven Phase muss man Mut zur Qualität haben und auch die Kraft.“ Sprich: Man muss sich den Preiskampf leisten können. 2011 wird sich zeigen, ob alle den dafür nötigen langen Atem haben.

– Barbara Mayerl

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