Deutsche Develey-Gruppe führte Mautner Markhof zurück in die Gewinnzone

Wieso das traditionsreiche österreichische Unternehmen Mautner Markhof unter deutscher Schirmherrschaft wieder Gewinne schreibt.

Das Problem war der Name. Mautner Markhof stand einst für Tradition und Qualität, für eine vornehme, eingesessene Unternehmerfamilie, die über mehr als 150 Jahre hinweg an einem Imperium aus Senf und Essig zimmerte. Doch nach heftigen Querelen innerhalb der Familie war der gute Ruf dahin – und das heruntergewirtschaftete Feinkost-Geschäft der Mautner Markhof AG wurde Ende 2001 ans Ausland verkauft.

Wirtschaftliches Comeback

32 Millionen Euro war Mautner Markhof der bayerischen Develey-Gruppe wert. Ein saftiger Preis, wo das Unternehmen doch in den roten Zahlen steckte. Die Bayern glaubten dennoch an ein Comeback, obgleich „der Name oft eine Last war. Viele Lieferanten hatten Angst, nicht bezahlt zu werden“, erinnert sich Michael Durach, Chef der Wiener Mautner Markhof Feinkost GmbH. Die Ausdauer des Deutschen machte sich schließlich bezahlt: Neue Produkte, neue Maschinen und neue Märkte haben das 1841 gegründete Unternehmen zurück in die Gewinnzone geführt. Für 2010 rechnet Durach mit 40 Millionen Euro Umsatz und „zumindest leichten Gewinnen“.

Der 42-Jährige schaffte den Turnaround mit – wie könnte es anders sein – deutscher Disziplin und seinem bayerischen Riecher für bierige Geschäfte. Denn um die Marktführerschaft auszubauen, bringt Durach laufend neue Senfsorten auf den Markt – darunter ein würziger Bier-Senf in Kooperation mit der Wiener Brauerei Ottakringer. „Anstatt Wasser haben wir, um es vereinfacht zu sagen, Bier in den Senf getan“, erklärt Alexander Thönnessen, Marketing-Chef von Mautner Markhof Feinkost.

Neues Wachstum gebe es auch durch Sirup (zum Beispiel mit Orangen-, Multivitamin- oder Cranberry-Geschmack) und zahlreiche Essig-Innovationen (etwa mit Walnuss- oder Pfefferoni-Geschmack).

135 Mitarbeiter arbeiten heute für das Unternehmen, vor der Übernahme durch die Deutschen waren es 100. Das Produktportfolio umfasst rund 300 Produkte; das Hauptgeschäft wird mit Essig, Senf und Sirup gemacht. Acht Millionen Liter Essig werden in Österreich jährlich verkauft, und Tubensenf geht 800.000-mal im Monat über den Ladentisch.

Siebzig Prozent der Produkte werden im Lebensmittelhandel verkauft, zwanzig Prozent in der Gastronomie, und zehn gehen in den Export. Die wichtigsten Märkte sind neben Österreich die Anrainerstaaten, allen voran Deutschland. Darüber hinaus hält das Unternehmen den Vertrieb für Tabasco-Pfeffersauce, McDonald’s-Tomatenketchup und die Sportgetränke von Gatorade.

Eine neue Abfüllanlage, in die drei Millionen Euro investiert wurden, hat vergangenen Donnerstag auch ÖVP-Politikerin Christine Marek in den Firmensitz nach Simmering gelockt. Ob sie dort Wählerstimmen gewann, lässt sich freilich nicht sagen. Allerdings durfte Marek zumindest einige Senftuben und Essigflaschen mit nachhause nehmen.

– Silvia Jelincic

In Zahlen: Mautner Markhof Feinkost beschäftigt 135 Mitarbeiter und rechnet für 2010 mit 40 Millionen Euro Umsatz. 80 Prozent davon entfallen auf Senf, Essig und Sirup. 2001 hatte die gleichnamige Unternehmerfamilie das Feinkost-Geschäft an die deutsche Develey-Gruppe verkauft.

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