Der Wolong Konzern will um ATB ein Milliardenimperium aufbauen

Nach der ATB-Übernahme aus Mirko Kovats’ Pleitemasse will der Wolong-Konzern um den heimischen Motorenbauer ein Milliardenimperium bauen.

Für den steirischen Landeshauptmann Franz Voves war es ein guter Tag, wie er in der krisengeschüttelten Steiermark derzeit nicht oft vorkommt: Vergangene Woche war hoher Besuch zu Gast, Jiancheng Chen samt Entourage hatte sich angesagt. Der Vorstandschef der chinesischen Wolong Holding und Voves trafen sich beim Skiweltcup-Finale in Schladming. Erst vergangenen Oktober hatte Wolong den österreichischen Elektromotorenbauer ATB mit Produktion im obersteirischen Spielberg nach zähen Verhandlungen um 105 Millionen Euro aus dem ehemaligen Imperium des Mirko Kovats ausgekauft.

Die Chinesen haben mit ATB große Pläne. Chen, in China einer der einflussreichsten Industriemanager, hatte bei seinem Besuch dementsprechend Good News für Voves im Gepäck: "Für den Standort Spielberg garantiere ich Ihnen in Zukunft Gewinne“, erklärte er. Und gab dem verdutzten Landeshauptmann außerdem eine Standort- sowie Arbeitsplatzgarantie.

Weltmarktführer in fünf Jahren

Die Chinesen verfolgen einen Masterplan, in dem der kleine österreichische Motorenbauer eine tragende Rolle spielen soll. Die Akquisition war für den vergleichsweise noch jungen Mischkonzern die erste Aktivität außerhalb Chinas. Und man scheint dabei auf den Geschmack gekommen zu sein: Österreich soll nun als Brückenkopf für milliardenschwere künftige Unternehmenskäufe fungieren. Endziel: ATB unter Wolong-Flagge zum Weltmarktführer machen. "Geben Sie uns fünf Jahre Zeit, dann werden wir ATB weltweit zur Nummer 1 der Branche gemacht haben“, sagt Chen.

"Wir subtrahieren nicht, wir addieren nur, das gilt für Ergebniszahlen genauso wie für Arbeitsplätze“, heißt es bei Wolong. Chen kündigt auch bereits konkrete Milliarden-Akquisitionen unter dem künftig weitläufigeren ATB-Dach an. Man verhandle, so der Wolong-Chef, in den USA zwei Käufe. Dabei dürfte es sich um einen Riesendeal handeln. Chen gibt sich in Bezug auf Details und Namen zwar zugeknöpft, aus ATB-Kreisen ist jedoch zu hören, dass der ATB-Umsatz nach Eingliederung beider Akquisitionen von rund 300 Millionen schlagartig auf sieben Milliarden steigen könnte. Chen lässt das unkommentiert, widerspricht aber nicht.

In der künftigen ATB-Gruppe, wie man sie bei Wolong plant, sollen die beiden neuen sowie weitere Amerika-Töchter vor allem den weltweiten Vertrieb besorgen, während in Europa Forschung und Entwicklung konzentriert werden.

Aus der Zentrale in China ist dabei für den Familienzuwachs zum Konzern vor allem Druck zu erwarten: "Wir Asiaten sind sehr gut bei der Kostenreduktion“, formuliert Chen zurückhaltend. Den beiden österreichischen ATB-Standorten dürften in Zukunft strenge Vorgaben in Sachen Effizienz ins Haus stehen, Arbeitsplatz- und Standortgarantie hin oder her.

Umgerührt haben die Chinesen hierzulande bereits ein wenig. Man installierte einen neuen Aufsichtsrat, dem aus der A-Tec kommenden Vorstand Christian Schmidt wurde der Brite Ian Lomax zur Seite gestellt. Den Betriebsrat, in einem steirischen Industrieunternehmen traditionell eine Fixgröße, hat Wolong überraschend schnell unter Kontrolle gebracht. Insider munkeln zwar von Differenzen zu Beginn des Wolong-Regimes, man scheint sich aber gefunden zu haben. Von harmonischen "gemeinsamen Arbeitsessen mit Betriebsrat und Vorstand“ erzählt Chen. Jedenfalls kommt vom Betriebsrat keine Kritik, wenn der oberste Chef des neuen Besitzers etwa sagt: "In Europa hat man es sich bequem gemacht, während man in China ein anderes Arbeiten gewohnt ist.“

ATB scheint nach der Wolong-Übernahme zu funktionieren. Laut Chen wird man 2012 ein Ebit von 37 Millionen schaffen (2011: 27 Millionen). "Zufriedenstellend“, kommentiert der Wolong-CEO. Könnte sein, dass die Betonung auf einem unausgesprochenen "vorerst“ liegt.

Kampf um Förderungen

Der steirische Landeshauptmann Voves ist jedenfalls guter Dinge. "Wir hoffen auf eine gute Kooperation“, freut er sich in einer Stellungnahme.

Was Voves in dieser Deutlichkeit wohl noch nicht klar ist: Die Steiermark wird kaum darum herumkommen, ihr Scherflein beizutragen. Während es südlich des Semmerings erst kürzlich ein Sparpaket mit drastischen Förderkürzungen gab, rechnet man bei Wolong durchaus mit künftiger finanzieller Unterstützung.

Beim ATB-Kauf hatte Chen etwa den Bau eines F&E-Zentrums in Österreich verkündet. Davon ist nun so nicht mehr explizit die Rede: Zum Treffen mit Voves reiste der in der Steiermark als weißer Ritter angesehene Wolong-Boss aus Deutschland an - und berichtete von "guten Gesprächen und großem Interesse“ deutscher Politiker. Um den neuen F&E-Standort dürften wohl Düsseldorf und Österreich (Wien oder Spielberg) rittern. Auch wenn Chen beteuert, dass bei der Standortwahl ausschließlich personelle Faktoren eine Rolle spielen - die Frage nach Förderungen und sonstigen Goodies für den Investor Wolong wird wohl doch auch ein wenig zum Thema werden.

- Klaus Puchleitner

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