Der Wirtschafts-Tsunami: Wie das US-Desaster jetzt auch Österreich erfasst

Die Krise trifft uns voll. Wirtschaft wächst kaum noch, Projekte werden verschoben, Aufträge storniert, und Kredite werden knapp. Österreichs Bosse erwarten ein verdammt schwieriges Jahr.

In Österreichs Unternehmen ist neue Bescheidenheit eingekehrt. Unfreiwillig. Denn Kredite sind knapp, und Geld von der Börse ist derzeit nicht zu kriegen. Die Krise, die vor rund einem Jahr am amerikanischen Immobilienmarkt ihren Anfang nahm und jetzt – ein paar Bankenpleiten später – in der 700-Milliarden-Rettungsaktion der US-Regierung gipfelt, hat sich zu einem Weltwirtschafts-Tsunami entwickelt. Und dessen Ausläufer treffen auch die österreichische Realwirtschaft mit aller Härte.

Wachstumsprognose halbiert
Nach Jahren soliden Wachstums und einer Hochkonjunktur mit prächtig steigenden Unternehmensgewinnen und rückläufigen Arbeitslosenzahlen heißt es ab sofort: warm anziehen. Die Wirtschaftsforscher haben ihre Wachstumsprognose für 2009 auf nur noch ein Prozent halbiert. Heimische Bankenvertreter trafen sich in dieser Woche im idyllischen Tiroler Alpbach zum Finanzsymposium. Dort, wo sonst in entspannter Atmosphäre künftige Trends diskutiert und Netzwerke vertieft werden, ging es diesmal ums Eingemachte: um die sogenannte Kreditklemme, unter der viele Firmen leiden.

Eine Spirale nach unten
Grundsätzlich ist zwar noch Geld im Markt, aber die Banken sind vorsichtiger geworden – nicht zuletzt wegen der schlechteren Konjunkturprognosen. So sieht das auch Karl Sevelda, Vorstand der Raiffeisen Zentralbank: „Da kann schon eine Spirale nach unten einsetzen“. Auch Bank-Austria-Vorstand Helmut Bernkopf zittert unruhigen Zeiten entgegen. „Unsere Leute in der Kreditprüfung haben jetzt besonders viel zu tun“, sagt der Firmenkunden-Chef der größten Bank Österreichs. Projektfinanzierungen, die noch in der Vorwoche problemlos durchgegangen wären, haben es jetzt deutlich schwerer.“ Denn die Refinanzierungskosten haben sich bei der Bank Austria „um durchschnittlich 0,5 Prozentpunkte“ (Bernkopf) erhöht. Sollten Unternehmen an Auftrags- bzw. Nachfragerückgängen leiden, verschlechtert das aus Sicht der Banken deren Bonität: „Kredite werden dann noch teurer.“

Teure Firmenkredite
Binnen eines Jahres haben sich die Zinsen für Firmenkredite beinahe verdoppelt. Sie liegen jetzt knapp unter oder über sieben Prozent. Manche Investitionen rechnen sich bei diesen Kosten nicht mehr. So musste Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner diese Woche Pläne für den Ausbau von fünf bis zehn Zementwerken mit seinem russischen Partner Oleg Deripaska vorerst verschieben. Der Baukonzern hätte gut eine Milliarde Euro investieren sollen, davon ein Drittel mit Eigenkapital. „Im aktuellen Finanzmarktumfeld müssen wir unsere Investitionsentscheidungen wohl dosieren“, erklärt Haselsteiner. Sein Sprecher Christian Ebner wird noch deutlicher: „Wir haben das Geld, aber in dieser Situation lieber am Konto, Cash ist jetzt King.“

Zucker-Werkausbauten verschoben
Auch der Wiener Zuckerkonzern Agrana, der in den vergangenen Jahren in Osteuropa kräftig investiert hat, wird nun die für diesen Herbst geplanten Werkausbauten in Russland und Südafrika in der Höhe von sieben bis acht Millionen Euro ins nächste Jahr verschieben. „Wir möchten die nächsten Monate abwarten, um Gewissheit über das Ausmaß der Krise zu bekommen“, erklärt Agrana-Finanzvorstand Walter Grausam. „Ist die Lage auch 2009 noch unsicher, könnten wir weitere Projekte im Volumen von 20 Millionen Euro aufschieben.“

Schwarz-Weißkopien für Wienerberger
Beim Ziegelhersteller Wienerberger wird derzeit im Kleinen wie auch im Großen gespart. In einer Mail wurden die Mitarbeiter vor kurzem eindringlich aufgefordert, nur noch schwarzweiß und nicht mehr in Farbe auszudrucken. Der weltweit größte Ziegelkonzern wird heuer 450 Millionen Euro investieren, um 50 Millionen Euro weniger als ursprünglich geplant. Außerdem wollte Wienerberger bis 2012 rund 25 neue Werke errichten, aber der Zeitplan dafür ist nach hinten verschoben. „Wir sehen uns jetzt jedes Projekt genau an. Wir sind sicher selektiver geworden“, sagt Wienerberger-Vorstand Wolfgang Reithofer. „Wir müssen jetzt alle kleinere Brötchen backen.“

Von Miriam Koch und Barbara Nothegger

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