Der Trick mit Tortola: Russischer Investor bombardiert die Medici AG mit Anzeigen

Ein russischer Kunde macht gegen Sonja Kohn und ihre Bank Medici mobil. Eine neue Strafanzeige zeigt, mit welchen Mitteln die Bank auf Kundenfang ging.

Reiche Russen liebten die Bank Medici. An Bank­eigentümerin Sonja Kohn schätzten die Rubel-Millionäre vor allem ihre Kontakte. So stand Medici etwa auf der Payroll des Oligarchen Wladimir Jewtuschenko, dessen Mischkonzern Sistema im Immobilien-, Telekom- und Finanzbereich von Medici beraten wurde. Für alle Seiten war das ein lukratives Geschäft. Die Zufriedenheit bei der Strategieberatung wurde beim Assetmanagement leider nicht erreicht. Viele Russen sollen ihr Geld in den von Medici vertriebenen Herald-Fonds gesteckt haben. Ein schlechtes Geschäft, weil die von US-Betrüger Bernard Madoff verwalteten Fonds nun wertlos sind.

Repex Ventures klagt
Ein russischer Kunde ist besonders verärgert und bombardiert die Medici AG – die Bank verlor kürzlich ihre Lizenz – seit Monaten mit Anzeigen. Repex Ventures heißt der klagswütige Investor, der in den USA eine Sammelklage losgetreten und in Wien sogar eine Strafanzeige in der Causa Medici eingebracht hat. Die Interessen von Repex in Österreich werden vom Wiener Rechtsanwalt Gabriel Lansky vertreten. Der hat der Staatsanwaltschaft Wien am 19. Mai 2009 einen „Nachtrag zur Strafanzeige“ geschickt (Aktenzahl: 604 St 6/09p). Das 17 Seiten starke Papier, das FORMAT vorliegt, beschreibt die Tricks und Kniffe, mit denen Medici ihre betuchte Klientel köderte.

Konservative Anlage gesucht
Im Prinzip wollte der Repex-Russe 900.000 Dollar möglichst konservativ veranlagen. Kohn, die ihm von Bekannten empfohlen worden war, schlug den Herald-Fonds vor. „Auf die wiederholte Frage, ob dieser Fonds tatsächlich risikolos sei, bekräftigte Sonja Kohn die ‚Sicherheit‘ des Investments in den Fonds Herald USA“, heißt es in der Lansky-Strafanzeige. „Darüber hinaus vermittelte Kohn den Eindruck einer ‚koscheren Veranlagung‘ bei einem Investment in den Herald-Fonds, sohin einer geprüften und sicheren Veranlagung.“ Dass es sich bei Herald um einen Hedgefonds handelte, wurde nie erwähnt. „Darüber hinaus wurde ebenso wenig informiert, dass bei diesem Fonds Bernard L. Madoff Investment Securities Limited (BLMIS) zugleich als Sub-Custodian und Sub-Investmentmanager fungierte und dadurch jegliche Kontrollmechanismen des Fonds außer Kraft gesetzt wurden“, so die Kritik laut Strafanzeige. „Aufgrund der Einzelstrategie eines Single-Hedgefonds und dem damit verbundenen Risiko ist auch der Vertrieb von Single-Hedgefonds an nicht institutionelle Anleger in Österreich unzulässig.“

Medici wehrt sich
Diese Problematik wurde durch einen Trick der Medici elegant gelöst. Kohn und ihre Freundin Susanne Fried legten dem russischen Kunden die Gründung einer Offshore-Firma ans Herz. Denn bei institutionellen Kunden kommen die strengen Beratungsgrundsätze für Privatkunden nicht zur Anwendung. So entstand die Firma Repex auf der Karibikinsel Tortola.
Medici schießt zurück. „Die Vorwürfe sind absurd“, sagt Medici-Advokat Clemens Trauttenberg: „Der Herald-Fonds investierte in die 100 größten US-Aktien mit niedriger Volatilität.“ Von hochriskanten Hedgefonds zu reden sei falsch. „Der Betrug fand in New York statt“, sagt Trauttenberg. „Die Bank hat weder davon gewusst noch sich daran beteiligt. Und profitiert hat sie schon gar nicht.“ Kohn-Anwalt Wolfgang Brandstätter ergänzt: „Meine Mandatin hat sich nichts vorzuwerfen.“ Sie sei Opfer und nicht Täter.

Von Ashwien Sankholkar

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