Der Tiroler Kristallhersteller Swarovski plant die Veräußerung von Beteiligungen

Nach dem Streichen von Jobs will sich der Swarovski-Clan jetzt von Beteiligungen trennen, um frisches Geld ins Unternehmen zu pumpen. Danach soll Ruhe im Kristallreich der Tiroler einkehren.

Gewusst hat es Markus Langes-Swarovski schon lange. Bereits vor drei Jahren hatte er gegenüber Bekannten von harten Zeiten für das von ihm gelenkte Tiroler Familienimperium gesprochen. Und auch davon, weltweit mehrere Tausend Jobs abbauen zu müssen. Offiziell lautete seine Version allerdings anders: Im April 2008 sprach er von bis zu 400 Mitarbeitern, die am Firmenstandort in Wattens den blauen Brief erhalten sollten. Schließlich waren es 750 von 6.738, und 200 weitere Arbeitsplätze wurden nicht nachbesetzt. Mittlerweile ist klar, dass das nur der Anfang war.

Verkauf von Beteiligungen

Um die Finanzen der durch die Wirtschaftskrise in die Bredouille geratenen Swarovski-Gruppe zu verbessern, sollen nun mehrere Firmenbeteiligungen veräußert werden. Das Firmengeflecht des großen Familienclans mit schillernden Namen wie Manfred Swarovski, Chef von Swarco, und Marina Giori, Mutter von Karl-Heinz Grassers Ehefrau Fiona, ist schwer zu durchschauen. Allein die D. Swarovski KG zählt laut Firmenbuch knapp 50 Beteiligungsgesellschaften, darunter die Aircraft Innsbruck Luftfahrt-Gesellschaft, die wiederum die Anteile an der Bedarfsfluggesellschaft Tyrolean Jet Services hält. Dass es da und dort Probleme gibt, verraten auch Jahresabschlüsse: Die Glaser Gesellschaft m.b.H. etwa benötigte eine Patronatserklärung von D. Swarovski, um nicht als überschuldet im Sinne des Insolvenzrechts zu gelten.

Über verschiedene Gesellschaften sind die Swarovskis auch am weltältesten Zielfernrohrhersteller Kahles, am US-Kristalllusterproduzenten Schonbek sowie an Hotels wie dem Schwazer stay.inn beteiligt. Wie es aus dem Clan heißt, prüfe man in der Hoffnung, die Liquidität des Unternehmens zu verbessern, jetzt den Verkauf einzelner Beteiligungen. Davon betroffen sei allerdings nicht das Kerngeschäft, also die Kristallproduktion. Swarovski-Sprecher Matthias Neeff sagt auf Anfrage, dass es „derzeit keinerlei Diskussion und auch keinen Anlass zur Desinvestition von Beteiligungen“ gebe.

Hosp räumt auf

Zu Restrukturierungen kommt es auch in den beiden Privatstiftungen von Clanchef Gernot Langes-Swarovski. Er hat die frühere ÖVP-Politikerin Anna Hosp laut FORMAT-Recherchen mit der Bewertung seines Beteiligungsportfolios und der Prüfung möglicher Verkäufe beauftragt. Langes-Swarovski holte die 44-jährige Ex-Landesrätin von Tirol Ende 2008 auch in den Kristallkonzern, wo sie eng mit seinem Sohn Markus zusammenarbeitet.

Kritisiert wird der Clanchef familienintern für seine vielen Investitionen, zumal mit Ausnahme weniger Firmen, darunter der Papierhersteller Papstar, die meisten Verluste schreiben. So liegen seine Weinbauprojekte in Argentinien und China hinter den Erwartungen, ebenso die Centroflora-Gruppe in Brasilien (sie entwickelt Pflanzenextrakte für die Pharma- und Kosmetikindustrie) sowie diverse Umweltprojekte, darunter die Wasserschule Hohe Tauern. Die Osttiroler Woolin Group Naturprodukte GmbH, die Dämmstoffe aus Schafwolle produziert, musste vor kurzem sogar liquidiert werden.

Aufregung gab es in Tirol auch um die LLM Hotelerrichtungs- und Betriebsgesellschaft, die Gernot Langes-Swarovski zu einem Drittel gehört. Diese will in Biberwier in Tirol ein 556-Betten-Hotel errichten, die Grünen wittern Machtmissbrauch wegen eines Grundstücksdeals mit der Agrargemeinschaft. Während Insider den Erlös aus dem Verkauf von Firmenbeteiligungen der Swarovski-Gruppe insgesamt auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag schätzen, soll das Portfolio von Gernot Langes-Swarovski wenig wert sein.

Restrukturierung geht weiter

Der bevorstehende Abverkauf im Kristallreich ist nur eine von mehreren Maßnahmen, die die Swarovskis umsetzen, um das Unternehmen schnell aus der Krise zu führen. Im Fokus steht weiterhin der Personalabbau. Die Gruppe, bestehend aus den Töchtern Crystal Business, Tyrolit (Schleifmittel) und Swarovski Optik, beschäftigt global knapp 25.000 Mitarbeiter. Wie viele Jobs letztlich gestrichen werden, ist fraglich. Insider gehen von weltweit 15 Prozent aus, in Summe also 3.750 Arbeitsplätze. Um Kosten zu sparen, sollen auch Teile der Produktion nach China und Indien sowie Osteuropa verlagert werden.

Zuletzt war der Umsatz im Komponentengeschäft – das sind lose Schmucksteine und Teile für Beleuchtungskörper – um dreißig Prozent eingebrochen, unterm Strich blieben 2,25 Milliarden Euro Umsatz (2008 waren es 2,52 Milliarden).

Dennoch: Es ist die Sparsamkeit der Tiroler, die das Fortbestehen des Unternehmens langfristig sichern dürfte. Weil es kaum Schulden gibt und sie als verlässliche Partner gelten, werden mit den Swarovskis gerne Geschäfte gemacht.

– Silvia Jelincic

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