Der große Stierkampf: Red Bull vs. Toro Osborne

Der eine ist rot, in vollem Gallopp und zumeist mit einem gleichartigen Kollegen unterwegs, der andere schwarz, einsam und in einer abwartenden Position. Optisch haben die beiden Stiere nicht viel gemeinsam, außer eben die Tatsache, dass sie Stiere sind.

Während es der eine als "Red Bull“ mittlerweile weltweit zu einiger Berühmtheit geschafft hat, hat der "Toro (spanisch für Stier) Osborne“ vor allem in Spanien den Status eines Nationalheiligen. 90 dieser Toros stehen über das ganze Land verteilt in Überlebensgröße in der Landschaft herum.

Aus Partnerschaft wurde Krieg

Man sollte meinen, dass es möglich wäre, dass sich die beiden Bullen irgendwie aus dem Weg gehen und friedlich koexistieren könnten. Aber dem ist nicht so. Seit mehr als fünf Jahren tobt hinter den Kulissen und vor zahlreichen Gerichten ein gewaltiger Markenstreit zwischen den spanischen langjährigen Inhabern der Marke "Toro Osborne“ und dem heimischen Red-Bull-Konzern von Dietrich Mateschitz. Vergleichbar ist diese Auseinandersetzung mit jener zwischen dem Bierriesen Budweiser und Budvar oder dem Osterhasenkrieg zwischen Lindt und Hauswirth.

Dabei sind die beiden ungleichen Unternehmen (siehe rechts oben) anfangs sehr gut miteinander ausgekommen. Zwischen 1997 und 2006 war das Familienunternehmen Osborne der Vertriebspartner von Red Bull in Spanien, bis die Österreicher sich dazu entschlossen, den Markt selbst zu beliefern. Die Spanier wiederum reagierten auf den Wegfall dieses Geschäftsfeldes mit der Kreation eines eigenen Energydrinks, dem "Toro XL“, der vorerst in Spanien und Portugal vertrieben wird. Und genau damit begann der Krieg.

Red Bull griff fortan - nachdem eine gütliche Einigung scheiterte - nicht nur die Marke "Toro XL“, sondern sämtliche Toro-Marken von Osborne, auch für alkoholische Getränke, weltweit an. In Österreich, den USA, einigen südamerikanischen Ländern, den Niederlanden und vor der Europäischen Markenbehörde kam es zu rechtlichen Auseinandersetzungen. "Red Bull tritt vor Gericht extrem aggressiv auf. Und die Feuerkraft des Unternehmens ist natürlich nicht zu unterschätzen“, berichtet der österreichische Osborne-Anwalt Emanuel Boesch von der Kanzlei Hule/Bachmayr-Heyda/Nordberg.

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Doch die Österreicher gaben sich nicht allein damit zufrieden, ihre spanischen Konkurrenten vor Gericht zu attackieren, sondern sie betätigten sich ihrerseits im Sammeln von Marken aller Art. Red Bull ließ sich in den vergangenen Jahren sämtliche Übersetzungsvarianten von "Red Bull“ wie "Toro Rojo“, aber auch "Toro Negro“ oder nur "Toro“ als Marken registrieren. Benützt haben die Mateschitz-Leute ihre zahlreichen Toros mit Ausnahme des Formel-1-Rennstalls "Scuderia Toro Rosso“ aber nie. "Red Bull versucht unter Berufung auf die Berühmtheit der Marke Red Bull, ein Ausschließlichkeitsrecht auf sämtliche Formen wörtlicher und bildlicher Darstellungen eines Stiers durchzusetzen“, kritisiert Boesch. Aus dem Hause Red Bull heißt es dazu: "Es ist nicht auszuschließen, dass wir in Zukunft weitere Projekte mit der Marke Toro umsetzen werden.“

In einigen Fällen haben die Austro-Bullen Konkurrenten abgedrängt. Ein Getränk mit dem Namen "Bullenmeister“ wurde in Deutschland ebenso vom Markt gefegt wie "American Bull“. Aber auch die rote Fledermaus, das rote Rhino und der rote Drache mussten im Laufe der Jahre daran glauben.

Die Spanier scheinen im Stierkampf aber besonders erprobt zu sein und bieten den Österreichern schon seit Jahren vor Gericht und Behörden die Stirn. Zuletzt mit Vorteilen für die Spanier. In den Niederlanden, wo Red Bull einen Abfüller des Toro-XL-Energydrinks auf Unterlassung und Schadenersatz geklagt hat, verloren die Österreicher kürzlich in zweiter Instanz. Ein Rechtsmittel von Red Bull ist anhängig.

Auch vor dem Österreichischen Patentamt musste Red Bull zuletzt einige Rückzieher machen. Osborne hat hierzulande die Löschung der Marken "Toro“, "Toro Rosso“, "Toro Rojo“ und "Toro Negro“, die sich Red Bull gesichert hat, beantragt. Einige Verfahren wurden durch freiwillige Löschung der Marken beendet. Andere Verfahren sind seit Jahren anhängig.

Auch vor der Europäischen Markenrechtsbehörde in Alicante mussten die Bullen gegen die Toros kürzlich eine Niederlage einstecken. Red Bull hatte dort die mangelnde Verwendung der Marke "Toro“ durch Osborne in der EU behauptet. Die Behörde hat es anders gesehen: Alkoholische Getränke und Energydrinks dürfen in der EU weiterhin den Namen führen.

Beendet ist die Auseinandersetzung damit aber noch lange nicht. "Das wird wohl noch viele Jahre so weitergehen“, vermutet auch Boesch. Denn die Behörden und Gerichte arbeiten langsam, und Red Bull tut ein Übriges dazu, um die Verfahren hinauszuzögern. Geld dafür geben die Bullen jedenfalls genug aus. Insider sprechen davon, dass Red Bull für Markenrechtsstreitigkeiten jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag zur Seite legt. Noch hält das deutlich kleinere spanische Unternehmen dagegen. Ob es sich am Ende lohnt, wird sich zeigen. Die Streitereien Budweiser gegen Budvar und Lindt gegen Hauswirth gingen jedenfalls stets zugunsten des größeren, finanzstärkeren Unternehmens aus.

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