Der schwedische Schrotthändler: Jan Eric Kvarnström entsorgt verseuchte Kredite

Früher hat Jan Eric Kvarnström Bad Banks in Schweden und Deutschland geleitet. Jetzt berät er Banken bei der Entsorgung von Finanzmüll.

Kapitän möchte er keiner mehr sein, sagt Jan Eric Kvarnström, eher Lotse. Dabei hat der 61-jährige Schwede während der letzten Jahre oft genug bewiesen, dass er wankende Boote mit ruhiger Hand durch stürmische Zeiten zu steuern vermag. Unter verzweifelten Bankmanagern ist Kvarnströms Expertise aktuell gefragter denn je. So gefragt, dass er beschlossen hat, ein Entsorgungsunternehmen zu gründen. Dort will Kvarnström fortan das zu Geld machen, was niemand mehr haben will – die verseuchten Wertpapiere internationaler Finanzinstitute.

Erfahrung mit Finanzchaos
„Eigentlich hat mich erst die Krise darauf gebracht, mich selb­stän­dig zu machen“, sagt Kvarnström. Mit vier hochkarätigen Geschäftspartnern hat der Wahlhamburger kürzlich das Beratungsunternehmen ERC gegrün­det. Die Sanierer, darunter ehe­malige McKinsey- und Goldman-Sachs-Manager, bieten Not leidenden Banken an, deren Wertpapier-Wirrwarr zu ana­lysieren und im Bedarfsfall in Restrukturierungstöchter auszugliedern – ein Konzept, welches gerade weltweit diskutiert wird, um der Finanzmisere Herr zu werden. Beweisen konnte der Finanzfachmann seine Fähigkeiten in Schweden, wo er ab 1994 vier Jahre das Ruder bei Securum übernahm, der Bad-Bank-Tochter der angeschlagenen Nordbanken. Der dort Ende der 80er-Jahre liberalisierte Immobilienmarkt hatte Anleger dazu verlockt, sich weltweit mit Objekten einzudecken – darunter neben der britischen Botschaft in Myanmar und einem US-Skigebiet auch eine Gitarrensammlung der Beatles.

Lukrativer Good-Bank-Ableger
Als die Wirtschaft einbrach, waren viele der vergebenen Kredite uneinbringlich. „Der Staat finanzierte Securum damals mit 27 Mil­liarden Kronen, wovon wir immerhin 17 Milliarden wieder zurückzahlen konnten“, sagt Kvarnström nicht ohne Stolz. An sich ein Verlustgeschäft, wenn nicht gleichzeitig der Good-Bank-Ableger Nordea gegründet worden wäre, der „den Verlust mehr als überkompensiert hat“ – noch heute wirft die 20-Prozent-Beteiligung des schwedischen Staates gutes Geld ab. Erfolgreich war der Experte für Abgeschriebe­nes auch bei der Dresdner Bank, deren Restrukturierungssparte IRU er ab 2002 leitete. Innerhalb von zwei Jahren brachte Kvarnström 36 Mil­liarden Euro Risikokapital wieder in Schuss. Was wie finanzschwache Auslandstöchter nicht in das Kernkonzept der Dresdner passte, wurde rigoros entfernt. Ohne tragfähiges Geschäftsmodell bringe das beste Bad-Bank-Konzept nichts, betont Kvarnström.

Keine nationale Lösung
Für eine nationale Bad Bank, wie auch in Österreich diskutiert, plädiert der Fachmann nicht. „Das überfordert das Management. Besser sind lokale Einheiten, in denen Experten für das jeweilige Wertpapierportfolio sitzen.“ Neben den viel gescholtenen Investmentbankern, die sich am besten mit verbrieften Kreditpapieren auskennen, sollten das auch Immobilienexperten sein, die die Chancen und Risiken der zugrunde liegenden Werte am bes­ten einschätzen können. Anfragen aus Österreich hat der Bad Banker noch keine, auch möchte er sich nicht ­festlegen, ob die heimischen Institute Sondermülldeponien für ihre Kredite benötigen könnten. Nur so viel: „Auch in Österreich­ sollten die Banken Sondereinheiten für ihre Bilanzen bilden. Und zwar rasch.“

Von Arndt Müller

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