Der Sanierer Erhard Grossnigg plant Einstieg beim Wiener IT-Konzern S&T

Monatelang hatte Thomas Streimelweger um seine Anteile am Wiener IT-Konzern S&T gekämpft. Zuletzt hatte es danach ausgesehen, als würden die Banken mit dem verschuldeten S&T-Chef eine Einigung erzielen. Aber nach heftigen Auseinandersetzungen mit Streimelweger ist der Hypo Alpe-Adria und auch der Investkredit jetzt doch der Kragen geplatzt.

Selbst in finanziellen Nöten, wollen die Institute auf einen Teil von Streimelwegers Firmenanteilen zugreifen. Der S&T-Gründer hält 28 Prozent an dem börsennotierten Unternehmen, davon sind rund 12 Prozent an die Hypo und 10 Prozent an die Investkredit verpfändet. Die Kreditverbindlichkeiten Streimelwegers bei den beiden Banken belaufen sich auf insgesamt 12,7 Millionen Euro. Fast vier Millionen Euro schuldet er zudem der Hypo Niederösterreich, diese Frist läuft allerdings erst im März 2011 aus.

Sanierer Grossnigg steigt ein

Laut FORMAT-Information wollen Hypo Group und Investkredit mit Streimelwegers verpfändeten Aktien jetzt Kassa machen: Der Sanierer Erhard Grossnigg soll das Paket gemeinsam mit Partnern übernehmen – ebenso wie jene 29 Prozent, die der insolvente Kärntner Finanzdienstleister AvW an der S&T hält. In Summe käme Grossnigg damit auf 51 Prozent, und er will später noch aufstocken. Der Unternehmer, der an bekannten Firmen wie Forstinger und Niedermeyer beteiligt war, nimmt gerade eine Due Diligence bei S&T vor. Der Kauf soll mit Eigenkapital finanziert werden.

Schon im Laufe des kommenden Jahres will Grossnigg, der zu keinem Kommentar bereit war, sämtliche S&T-Anteile an die KDDI Corporation weiterverkaufen, nach NTT Japans zweitgrößter Telekommunikationskonzern.

Wie ein in den Deal involvierter Manager erzählt, sollen die Detailverhandlungen mit Investkredit und Hypo Group schon in wenigen Tagen beginnen. Wie viel Cash Grossnigg und seine Partnern auf den Tisch legen müssen, ist allerdings noch fraglich. Grossnigg soll für die Aktie nicht mehr als 12 Euro bezahlen wollen, derzeit notiert das Papier bei nur 8,50 Euro. Weil es 2007 aber schon mal 59 Euro waren, will Grossnigg den Banken einen Besserungsschein anbieten: Bei guter Geschäftsentwicklung soll es für die Banken eine Nachzahlung geben.

Bei dem Deal könnte es allerdings noch Stolpersteine geben: Im Fall einer Mehrheitsbeteiligung müsste Grossnigg den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten, was er jedoch nicht will. Der erfahrene Sanierer baut daher auf eine Klausel im Gesetz, wonach bei Restrukturierungsfällen ein Übernahmeangebot nicht zwingend gelegt werden muss.

Die Capital Bank wäre mit 9 Prozent nach Grossnigg der größte S&T-Aktionär, Streimelweger würden nur noch 6 Prozent bleiben.

Auch Streimelweger gibt sich wortkarg. Eine FORMAT-Anfrage wollte er aus Zeitmangel nur per SMS beantworten: „Habe mit ihm (Erhard Grossnigg; Anm.) gesprochen, so wie mit mehreren anderen Interessenten.“ Dass er den involvierten Banken mit Klagen gedroht hat, wie glaubwürdig kolportiert wird, will er nicht bestätigen. „Bis jetzt gibt es keinen Grund“, schreibt Streimelweger.

– Silvia Jelincic

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