Der große Puck

Kleine Oscar-Statuetten aus Räucherlachs wird es geben, Lammkoteletts und jedenfalls Kaviar. So viel steht bereits fest. Sonst arbeitet Wolfgang Puck noch fieberhaft am Menü für den Governor’s Ball, die wichtigste Party nach der Oscar-Verleihung.

Der Auslandsösterreicher wird diesen so medienwirksamen Event, der nächsten Sonntag über die Bühne gehen wird, bereits zum 18. Mal bekochen. Schauspieler kamen und gingen in diesen 18 Jahren, Puck ist aber geblieben. Und nicht nur das. Mit seinen 62 Jahren scheint der gebürtige Kärntner am Höhepunkt seiner 30-jährigen Kochkarriere angelangt. Vor wenigen Tagen erst wurde ihm der John Beard Award für sein Lebenswerk verliehen, gleichsam der Oscar in der US-Gastroszene. "Wolfgang hat gezeigt, dass die Kochindustrie das Leben der Menschen verbessern kann“, lautet die Begründung der Jury.

Vom Hilfskoch zum Millionär

Aber Wolfgang Puck hat es in den 30 Jahren, in denen er in den USA als Koch tätig ist, verstanden, auch sein eigenes Leben zu verbessern. Man könnte fast sagen, er hat bewiesen, dass die klassische US-Tellerwäscher-Story mehr ist als ein Klischee. Als er 1975 nach Los Angeles kam, besaß er nicht viel mehr als Ehrgeiz und Optimismus. Um sein erstes Restaurant Spago in Los Angeles aufsperren zu können, musste Puck bei Banken und Investoren Klinken putzen gehen. Heute setzt sein Kochimperium geschätzte 500 Millionen Euro um, mehr als 4.000 Mitarbeiter arbeiten rund um die Welt für den Österreicher, und "Forbes“ reihte ihn sogar unter die 100 prominentesten Leute des Landes. Mit einem Jahreseinkommen von erklecklichen 18 Millionen Dollar.

Letztes Jahr war ein besonders produktives für den Promi-Koch oder "Celebrity-Chef“, wie die Amerikaner zu sagen pflegen. Gleich drei neue Luxusrestaurants wurden eröffnet: eines in seiner Heimat Los Angeles im Bel-Air-Hotel, eines in Singapur und sein erstes in Europa, ein Steakhouse in London - das übrigens auf Anregung von Pucks Freund Elton John errichtet worden sein soll. Damit kann der Exilkärntner bereits 22 exquisite Gourmettempel sein Eigen nennen. Neben der "Fine Dining“-Schiene ist der Österreicher aber auch mit Bistros groß im Geschäft. Und mit seiner Express-Kette, die an rund 50 Standorten, vorwiegend auf amerikanischen und asiatischen Flughäfen, den schnellen Hunger stillen soll.

Zweites wichtiges Standbein des neben Arnold Schwarzenegger wohl prominentesten österreichischen USA-Exports ist die Catering-Schiene, zu der eben auch das Verköstigen der rund 1.500 Oscar-Stars gehört. Aber Puck gibt es auch kleiner. Wenn Tom Cruise anruft und für sich und seine Frau Katie ein Candlelight-Dinner in den eigenen vier Wänden ordert, schwingt der Maître höchstpersönlich den Kochlöffel. Kürzlich richtete er auch den 95. Geburtstag von Zsa Zsa Gabor mit einer riesigen Schoko-Torte aus. Wo in Hollywood gefeiert wird, darf Puck nicht fehlen.

Gut ausgeprägter Geschäftssinn

Und auch die WP-Produktfamilie ist ständig im Wachsen begriffen. Was mit einem Kochbuch begann, umfasst heute eine Riesenpalette: Vom Elektrogriller über Tiefkühlpizza bis hin zu WP-gebrandetem Kaffee kann man alles bekommen. Angekurbelt wird der Verkauf über regelmäßige Fernsehkochshows. Seit kurzem neu im Sortiment sind vier WP-Saucen, die der Namensgeber in Kooperation mit der US-Kultmarke Campbells kreiert hat, und ein Wolfgang-Puck-Wein. - Der Österreicher hat zweifellos einen gut ausgeprägten Geschäftssinn.

Mitarbeiter klagten. Das bekamen auch knapp 2.000 Mitarbeiter von Puck zu spüren, die sich vom Gastronomen übervorteilt sahen und vor zwei Jahren zu Gericht zogen. Bei der Gehaltsabrechnung sei es über Jahre hindurch zu Unregelmäßigkeiten gekommen und man habe den Mitarbeitern nicht ausreichend Pausen zugestanden, lautete ihr Vorwurf. Vor wenigen Tagen, gerade noch rechtzeitig vor der Oscar-Hektik, kam die erlösende Nachricht: Das WP-Management einigte sich mit den Mitarbeitern, diese bekommen eine halbe Million Dollar gezahlt.

Geld spielt wohl auch eine maßgebliche Rolle dabei, dass Puck noch kein Restaurant in seiner Heimat eröffnet hat. Die Österreicher seien nämlich die größten Sparefrohs, wenn es ums Essen ginge, bemängelte der Starkoch einmal. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ein Näherrücken an Österreich findet immerhin statt: Nach London wird über ein neues Puck-Restaurant in Berlin gemunkelt.

Angelika Kramer

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