Der brisante Post-Plan: Nur dreißig gänzlich eigene Postämter werden übrig bleiben

760 Postämter sollen geschlossen und durch Post-Partner ersetzt werden, den Rest sollen andere Betreiber führen.

Ziemlich radikal ist das Strategiepapier von Post-General Anton Wais schon. Bis 2015 will der Briefkonzern nur 30 eigene Postämter behalten. Damit reißt der Vorstand die Grundfesten des noch immer mehrheitlich staatlichen Betriebs nieder. Noch vor ein paar Jahren gab es an die 2.000 Postämter. Entsprechend hoch gehen die Emotionen: bei den Postbeamten, in den Landgemeinden und in der Politik.

Populistischer Aufschrei
Der kollektive Aufschrei über eine Schließungsorgie ist aber in der Hauptsache Populismus. Denn betroffen werden zwar 2.900 Beamte im Post-Filialbereich sein, die ihren Job verlieren (insgesamt sollen knapp 9.000 Leute abgebaut werden, hauptsächlich Briefträger). Die Bevölkerung wird weit weniger betroffen sein. Denn die Zahl der Stellen, die Post-Dienstleistungen anbieten, soll gleich bleiben.

Bank statt Post
Der brisante Plan bis 2015, der vom zuständigen Post-Vorstand Herbert Götz ausgearbeitet wurde, sieht im Detail 30 sogenannte Flag­stores vor, große Standorte, welche die Post weiter selbst betreibt. 250 Filialen soll der Post-Partner PSK als Bankfilialen weiterführen, in denen Post-Stellen mit Mitarbeitern der Post untergebracht sind. Derzeit ist die PSK Untermieter der Post, künftig soll es umgekehrt sein – wobei die Bank möglicherweise sogar mehr Standorte haben möchte.

Suche nach Post-Partnern
Für 194 regional bedeutende Filialen suchen Wais und Götz Franchisenehmer oder Pächter, die unter dem Logo und mit Unterstützung der Post das Geschäft auf eigene Rechnung machen. Gedacht ist vor allem an kleine Unternehmer mit Handelserfahrung und Leute, die sich selbständig machen wollen. Die Zahl der sogenannten Post-Partner soll von jetzt 210 auf 970 ansteigen. Post-Partner sind bestehende Einrichtungen in kleinen Gemeinden wie Supermärkte, Apotheken, Gemeindeämter oder derzeit auch ein Imker, die zusätzlich Postdienstleistungen im Angebot haben.

Tankstellen im Postnetz
Gerechnet wird, dass vor allem die Handelsketten Adeg und Nah & Frisch, die heute schon den Großteil der Post-Partner stellen, dieses Geschäft ausbauen werden. Außerdem verhandelt Wais mit der OMV, um auch Tankstellen in dieses Netz einbeziehen zu können.
Auf die Post-Manager wartet ein Monsterprogramm. Sie müssen nicht nur genügend Post-Partner finden, sondern auch mit allen betroffenen Gemeinden über die Ersatzlösungen verhandeln. SPÖ-Boss Werner Faymann hat bis Mitte 2009 ein Postamtsschließungsverbot verhängt – reiner Polit­aktionismus: Vorher wäre sowieso nicht einmal daran zu denken gewesen.

Von Andreas Lampl

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