Der neue Porr-Generaldirektor im FORMAT-Interview

Karl-Heinz Strauss, der neue Generaldirektor des Bauriesen Porr, über die Technikverliebtheit seiner Mitarbeiter, ein konzernweites Schlankheitsprogramm und Aufträge für Lobbyisten.

FORMAT: Herr Strauss, Sie sind jetzt ein paar Wochen als Generaldirektor im Amt. Welches Bild haben Sie von der Porr?

Strauss: Das Unternehmen ist gesund und stabil. Doch das wirtschaftliche Umfeld ist in den letzten Jahren schwieriger geworden, und nun gilt es, die Potenziale der Porr weiter zu heben. Wir dürfen uns nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen, die Porr muss kompetenter, schneller und flexibler als ihre Mitbewerber werden.

FORMAT: Die Porr ist zu langsam?

Strauss: Es ist ein von Technikern geführtes Unternehmen. Man ist beseelt vom Gedanken, das beste Bauwerk zu liefern. Die Porr hat sich über Jahrzehnte bei technisch anspruchsvollen Bauten einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Doch im Backoffice-Bereich gilt es zu optimieren. Da die Porr zu einem unternehmergeführten Haus wurde, rückt die Frage nach Kosten und Nutzen stärker ins Zentrum. Die Porr ist nicht fett, aber doch leicht übergewichtig.

FORMAT: Das klingt nach einem größeren Mitarbeiterabbau?

Strauss: Ein Mitarbeiterabbau ist derzeit nicht geplant, aber falls die Märkte weiter einbrechen, kann ich eine unter Umständen notwendige Personalreduktion nicht ausschließen. Wir planen, in den Heimmärkten Österreich, Deutschland, Schweiz und Polen in allen Geschäftsfeldern Marktanteile zu gewinnen. Außerdem konzentrieren wir uns auf Märkte wie Serbien, Tschechien und Rumänien. Als drittes Standbein sehen wir neue Märkte im Mittleren Osten und in Nordafrika, wo wir insbesondere mit unserem türkischen Partner Renaissance wachsen wollen. Unterm Strich wollen wir Kapazitäten von stagnierenden in wachsende Märkte verschieben.

FORMAT: Die Mitarbeiter haben kein Problem, von Österreich kurzerhand nach Libyen zu wechseln?

Strauss: Jeder wird gefragt, und ein Wechsel beruht auf Freiwilligkeit. Bauarbeiter sind traditionell ja sehr flexibel. Derzeit holen wir Partien aus den Bundesländern nach Wien.

FORMAT: Wie wollen Sie die Porr konkret schneller und flexibler machen?

Strauss: Wir arbeiten mit dem Beratungsunternehmen BCG an einer neuen Organisationsstruktur. Ziel sind flache Hierarchien, kurze Entscheidungswege und eine klare Managementverantwortung. Es gibt viele historisch gewachsene, interne Parallelitäten. Einer der wesentlichen Punkte ist die Fixkostenreduktion. Außerdem justieren wir derzeit die Unternehmensstrategie. Es gibt einzelne Verfeinerungen aufgrund der Marktlage und der verfügbaren Finanzierungen. Darüber hinaus unterziehen wir die 200 Topmitarbeiter einer Managementpotenzialanalyse. So kann ich in relativ kurzer Zeit das Führungspersonal kennen lernen.

FORMAT: Werden dadurch auch die Baustellen schneller fertig, etwa im Straßenbau?

Strauss: Bei der Bauzeit sind die Grenzen des Machbaren eigentlich erreicht. Materialien brauchen eine gewisse Zeit zum Trocknen und Aushärten. Optimierungspotenzial sehe ich in der Schnelligkeit der Kundenakquise, bei Reparaturkosten und anderen Aufwendungen in der Gewährleistungszeit.

FORMAT: Um wie viel Prozent möchten Sie die Kosten senken?

Strauss: Wir sind mitten in der Analyse. Ich möchte nach 100 Tagen im Amt wissen, in welche Richtung es geht. Unser Schlankheitsprogramm soll nächstes Jahr umgesetzt werden, sodass es 2011 greift.

FORMAT: Gerade 2011 wird wegen der auslaufenden Konjunkturprogramme ein schwieriges Jahr. Was erwarten Sie?

Strauss: Es ist Margendruck da. Für 2011 sind unsere Auftragsbücher aber voll. Wir arbeiten bereits an der Pipeline für 2012 und 2013. Dabei konzentrieren wir uns darauf, die Wertschöpfung im Konzern zu vertiefen. Einerseits durch eigene Projektentwicklungen, wo die Porr mit ihren Tochtergesellschaften Porr Solutions, UBM sowie Strauss & Partner gut aufgestellt ist. Andererseits bauen wir das Angebot bei Facility Management und Hausverwaltung weiter aus.

FORMAT: Eigene Projekte sind schön. Gerade die Porr ist aber im hohen Maße von öffentlichen Aufträgen abhängig. Fordern Sie, wie Ihr Vorgänger Wolfgang Hesoun, mehr staatliche Investitionen?

Strauss: Erst einmal sollen die angekündigten Infrastrukturprojekte umgesetzt werden. Auf der anderen Seite verstehe ich, dass der Sparstift angesetzt werden muss. Wie gesagt, wir verschieben unsere Kapazitäten auf wachsende Märkte. In der serbischen Hauptstadt Belgrad bauen wir derzeit das Wahrzeichen der Stadt, eine Brücke über den Save-Fluss. In Deutschland laufen viele Ausschreibungen, etwa für Tunnelbauten auf den ICE-Schnellstrecken. Die Rückgänge bei den öffentlichen Aufträgen in Österreich werden sich nur teilweise ausgleichen lassen. Es gibt künftig aber mehr Public-Private-Partnership-Modelle. Für solche stehen wir Gewehr bei Fuß.

FORMAT: Braucht die Porr eigentlich demnächst wieder frisches Kapital?

Strauss: Porr ist solide finanziert. Gerade jetzt liegt die Porr-Anleihe 2010 bis 2015 zur Zeichnung auf. Außerdem werden die Erträge durch das Schlankheitsprogramm ja höher.

FORMAT: Uneinigkeit unter den Eigentümern gibt es in der Frage, ob die türkische Renaissance bald zu einer Sperrminorität und ins Eigentümersyndikat kommt …

Strauss: Es gibt keinen Streit unter den Eigentümern. Und was die Renaissance betrifft: Wenn die Zusammenarbeit wie geplant läuft, stockt die Renaissance in den nächsten 24 bis 30 Monaten auf einen Anteil von 25 Prozent auf.

FORMAT: Kommen wir zu einem anderen Thema: Bei Ihrer laufenden Kostenanalyse sind Sie doch sicher auch auf Kosten für externe Berater gestoßen. Wie viel Geld gibt die Porr für Berater aus?

Strauss: Sicher nicht so viel wie die ÖBB. Bei der Porr bewegt sich das in einem überschaubaren Rahmen.

FORMAT: Die Porr nahm die Dienste des Lobbyisten Walter Meischberger in Zusammenhang mit einem Autobahnprojekt in Ungarn in Anspruch. War das der einzige Auftrag an Herrn Meischberger?

Strauss: Soweit ich weiß, ja.

FORMAT: Werden Sie erneut Lobbyisten engagieren?

Strauss: Die Porr hat ein sehr großes Kontaktnetzwerk. Wo es dennoch in Einzelfällen notwendig ist, werden wir Lobbyisten beauftragen. Das ist international üblich und nicht verboten. Wir machen unsere Geschäfte jedenfalls so, dass wir alle gut schlafen können.

- Interview: Barbara Nothegger

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