Der Kutschen-Kampf: Streit der Fiaker um die Lizenzen

In der Fiakerbranche knallen die Peitschen. Es geht um die Verteilung der wenigen Lizenzen. Großunternehmen fahren selbständigen Kutschern mit dem Stellwagen ins Gesicht.

Mit der Romantik ist das so eine Sache. Die einen erinnert ein Fiakergespann an den glücklichsten Tag ihres Lebens und verzückend schöne Sightseeing-Momente, die anderen aber an hupendes Autogedränge am Wiener Ring oder an frühmorgendliches Hufgeklapper. Gänzlich vorbei ist es mit der Wiener Fiakerromantik aber spätestens dann, wenn man das Regelwerk kennt, das hinter einer Fiakerfahrt steckt.

Hinter den Kulissen geht es hier nämlich um sperrige Begriffe wie „Auffahrordnung“, um Konzessionen und Stellplätze, um Platzkarten und deren Zuteilungen. Und genau darum ist gerade ein heftiger Streit entbrannt, bei dem es sich am Ende vor allem um eines dreht: um Geld.

Wie vieles in Wien ist auch das Geschäft mit den Kutschenfahrten streng reglementiert. Es gibt fünf Fiakerstandplätze und exakt 58 sogenannte Platzkarten für 58 Gespanne im Einsatz. Gleichzeitig gibt es aber 200 Konzessionen, die zum Betrieb eines Fiakergespanns berechtigen. Diese verteilen sich auf 33 Unternehmer, die mit Fiakern ihr Glück versuchen.

Für die Verteilung der begehrten Platzkarten hat man sich 2004 eine mathematische Lösung ausgedacht, die nun angezweifelt wird: Eine Platzkarte ist für jedes Unternehmen fix; die übrigen werden proportional unter denjenigen Fiakern vergeben, die mehrere Konzessionen besitzen.

Verteilungsproblem

„Zwanzig Konzessionen ergeben momentan vier Platzkarten“, sagt Walter Stolba, Fiakersprecher in der Wirtschaftskammer. Je mehr Einzelunternehmer eine Fixkarte bekommen, desto weniger bleiben zum Verteilen an die Großunternehmen übrig – und desto weniger Geschäft. Genau deshalb haben diese sich nun zusammengetan und sich mit einer Petition an Bürgermeister Michael Häupl gewandt. Ihre Forderung: Die Platzkarten sollen nur noch für zehn Tage im Monat gültig sein. Den Großen brächte das eine bessere Auslastung ihrer Gespanne, die Klein- und Einzelunternehmer triebe das aber an den Rand des Ruins. „Wir müssten zusperren“, sagt Walter Migsich vom „Verein der Wiener Fiaker“. Mit zehn Tagen Ausfahrt im Monat könne er weder seine vier Pferde noch sich selbst erhalten – und das gelte für die Hälfte der Wiener Fiakerunternehmen.

Schützenhilfe erhalten die Großen von der Wiener FPÖ, deren Tierschutzsprecherin Veronika Matiasek einen Konzessionsvergabestopp fordert und die alteingesessenen großen Traditionsunternehmen schützen will. Dass sie keine Tradition hätten, wollen aber die Kleinunternehmer nicht gelten lassen. „Die meisten von uns waren zwanzig Jahre lang Kutscher, bevor sie sich selbständig machten“, sagt Migsich, der mit seinem Verein 15 Kleinunternehmen vertritt. Die meisten von ihnen sitzen auch selbst am Kutschbock.

Bevor sich der Konflikt verschärft, will man noch einmal reden, und zwar bei der MA 65, der für die Fiaker zuständigen Behörde. Im Büro des Verkehrsstadtrats sieht man das Problem ohnehin nicht als unlösbar: Die Anzahl der Konzessionen habe sich seit 2004 ohnehin nur um 20 erhöht; die Kriterien, die damals gültig waren, seien es auch heute noch.

Ob sich die Wiener Fiaker, ihre Vereine und Anwälte einigen können, wird sich bei der nächsten Sitzung am 10. November zeigen.

– Martina Bachler

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