Der große Job-Report: Wo es jetzt die besten Arbeitsplätze gibt

Neue Jobs. Die Lage am Arbeitsmarkt hellt sich deutlich auf. Handel, Industrie und Leiharbeiter-Branche schaffen Hunderte Stellen, wie eine FORMAT-Umfrage unter den wichtigsten Unternehmen Österreichs zeigt.

Karriere beim Burgerbrater McDonald’s? Daran dachten bis vor kurzem wohl wenige angehende Lehrlinge und Uni-Absolventen. Derzeit fährt die Fast-Food- Kette eine große Recruitingkampagne in Zeitungen, Fernsehen und Online. „Wir wollen damit auf die Top-Jobmöglichkeiten bei McDonald’s hinweisen“, erklärt Sprecherin Ursula Riegler, „immerhin eröffnen wir heuer zehn neue Restaurants in Österreich und suchen rund 500 neue Mitarbeiter.“

Aufstiegschancen bei den Austrian Airlines? Auch das ist möglich. Wieder, denn die Fluggesellschaft strich vergangenes Jahr im Rahmen der Sanierung tausend Arbeitsstellen. „Nun wachsen wir erneut und erhöhen behutsam den Mitarbeiterstand in den kundennahen Bereichen“, verrät Unternehmenssprecher Martin Hehemann. Gut 100 neue Flugbegleiter und Check-in-Mitarbeiter sucht die Airline.

Egal, wohin der Blick am Arbeitsmarkt derzeit fällt: Die Aussichten erhellen sich allerorts deutlich. Während in den vergangenen beiden Jahren viele Unternehmen zähneknirschend Kündigungen und Jobabbau bekannt geben mussten und die Arbeitslosigkeit zuletzt auf 6,9 Prozent stieg, zeichnet sich nun eine Trendwende ab.

FORMAT befragte die wichtigsten Unternehmen des Landes zu ihrer Personalplanung für 2011. Das Ergebnis ist erbaulich. Von den 30 Firmen, die eine Antwort abgaben, haben 21 vor, ihren Mitarbeiterstand zu erhöhen. Acht wollen ihn konstant halten, und nur bei einem Unternehmen muss man mit einem Abbau rechnen. Und auch die monatliche Umfrage von Meinungsforscher Peter Hajek im Rahmen des FORMAT-Wirtschaftsbarometers ergibt ein ähnliches Bild. „Seit November verzeichnet das Barometer einen zaghaften, aber kontinuierlichen Anstieg an neuen Arbeitsplätzen für die kommenden sechs Monate“, meint Hajek.

Nachhaltiger Aufschwung oder kurzes Strohfeuer?

Auffällig viele offene Stellen hat der Handel ausgeschrieben. Alleine Spar sucht derzeit über das Arbeitsmarktservice (AMS) fast 400 neue Mitarbeiter, vergangenes Jahr stellte der Handelsriese gar 2.000 Leute ein. Rewe (Billa, Merkur, Penny) will heuer in Österreich seinen Personalstand um 700 auffetten. Intersport erhöht seine Mitarbeiterzahl in Österreich um 150 bis 200, und die Baumarktkette bauMax schafft 500 neue Arbeitsplätze.

Auch die zuletzt so gebeutelte Industrie stellt tendenziell eher Leute ein, als Mitarbeiter zu entlassen. Der Großteil der heimischen Industrieflaggschiffe wie RHI, voestalpine, Wienerberger, Andritz und AT&S wird 2011 Personal aufstocken. Alleine die Hightech-Firma Kapsch Traffic-Com nimmt 200 neue Mitarbeiter in Österreich auf: Techniker, Verkehrstelematiker und kaufmännisches Personal. Und auch der Vorarlberger Leuchtenhersteller Zumtobel braucht bis zu 150 neue Mitarbeiter. „Besonders herausfordernd gestaltet sich derzeit die Suche nach technischen Spezialisten und Führungskräften, wie etwa Entwicklungsingenieuren, Elektronikern und Marketingspezialisten“, erzählt Zumtobel-Sprecherin Astrid Kühn-Ulrich. Meinungsforscher Peter Hajek dazu: „Die 3.500 von uns befragten Manager sehen optimistisch in die Zukunft. Die wirtschaftlichen Aussichten erscheinen derzeit stabil, auch weil sich die Nachfragesituation der letzten sechs Monate als beständig erwiesen hat.“

Ein Anzeichen dafür ist auch, dass sich die Zahl der Kurzarbeiter von 56.000 zum Höhepunkt der Krise im April 2009 auf nunmehr wenige Tausend reduziert hat.

Dennoch trauen sich die meisten Industriebetriebe derzeit noch nicht, Angaben über die konkrete Zahl der offenen Stellen zu machen. Zwar füllen sich derzeit die Auftragsbücher wieder, doch wie nachhaltig diese Erholung nach der Wirtschaftskrise künftig wirklich ist, wagen die wenigsten zu prognostizieren. „Solange die genaue Entwicklung des Marktes nicht absehbar ist, wird der zusätzliche Arbeitskräftebedarf über Leiharbeiter abgedeckt. Sollte sich der Wiederaufschwung manifestieren, ist es das Ziel, diese Kräfte ins Stammpersonal zu übernehmen“, erklärt voestalpine-Sprecher Nikola Donig. Beim Linzer Stahlkocher etwa stieg die Zahl der Leiharbeiter im vergangenen Jahr um satte 55 Prozent auf 3.300 Leute. Bei anderen Industriekonzernen ist die Lage ähnlich.

Auch eine aktuelle Prognose des AMS ist für heuer optimistisch, nicht aber euphorisch. Zwar steigt die Zahl der aktiv Beschäftigten um 26.400 auf 3.315.800 Menschen. Doch richtig Schwung in den Arbeitsmarkt kommt erst ab 2013, dann, wenn die Konjunktur wieder deutlich anzieht und die Kapazitäten wieder voll ausgelastet sind. Immerhin entstehen zwischen 2010 und 2014 in Österreich 172.600 neue Arbeitsplätze – die meisten davon, nämlich fast 63.000, im Gesundheits- und Sozialwesen, so die Experten des AMS. An zweiter Stelle rangiert die Leiharbeiter-Branche. Dort entstehen bis 2014 rund 51.000 neue Jobs, in der Industrie sind es hingegen nur 16.500.

Einzelne Job-Kürzungen

Allerdings stehen die Zeichen nicht überall auf Grün: Einzelne Unternehmen sind gezwungen, Mitarbeiter abzubauen. So etwa verlegt der Wettanbieter bwin seine Firmenzentrale von Wien nach Gibraltar. Diesem Schritt dürften mehrere Hundert Stellen zum Opfer fallen. bwin wollte sich zu seiner Personalplanung allerdings nicht äußern. Auch die Hypo Tirol wird heuer 60 Stellen streichen, und beim Kristallkonzern Swarovski, der auf Anfrage ebenfalls nichts zu seiner Mitarbeiterplanung sagen wollte, könnten durch laufende Sparmaßnahmen ebenfalls Jobs verloren gehen.

Freilich ziehen die generell positiven Aussichten am Arbeitsmarkt und das Auslaufen vieler AMS-Schulungskurse auch wieder mehr potenzielle Arbeitnehmer an: Studenten, die statt eines Doktorates nun doch gleich einen Job suchen, oder Frauen, die statt längerer Karenzzeit wieder schneller in den Beruf einsteigen als noch während der Wirtschaftskrise. So steigt das sogenannte Arbeitskräfteangebot heuer um 33.400 Menschen. Sprich: Die Konkurrenz um Jobs wird wieder härter.

Zusätzlicher Wettbewerb könnte heuer noch dazu aus dem benachbarten Ausland kommen: Viele Arbeitnehmer fürchten, dass mit der Öffnung des Arbeitsmarkts für Bürger aus osteuropäischen EU-Staaten ab Mai mehr Tschechen, Slowenen und Ungarn nach Österreich zum Arbeiten kommen. Die Gewerkschaften fordern daher schon länger ein Gesetz gegen Lohn- und Sozialdumping.

– J. Gucanin, B. Nothegger

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