Der Höllenritt der Bawag PSK

Während viele heimische Banken aufgrund der schlechten Zinsmargen Filialen schließen, sperrt die Bawag PSK unter Einsatz eines dreistelligen Millionenbetrags munter weiter auf.

Der Höllenritt der Bawag PSK

Hannes Androsch ist, wie man auf gut Wienerisch sagt, richtig "angespeist“. Was in der Bawag PSK vor sich gehe, wisse er schon lange nicht mehr aus erster Hand, kritisiert der Investor. Schlimmer noch, er wisse gar nicht, ob er überhaupt noch Aktionär der Bank ist, denn ständig werde hinter den Kulissen an der Eigentümerstruktur der Bank herumgebastelt. Dabei gab Androsch vor mehr als fünf Jahren, als der US-Hedgefonds Cerberus die einstige Gewerkschaftsbank erwarb, seinen guten Namen und seine Kontakte für das Projekt her.

Aber nicht nur wegen der Intransparenz der Bank macht sich Androsch Sorgen, es ist der Gesamtzustand der Bawag PSK, der ihm akut Kopfzerbrechen bereitet. Denn Androsch ist nicht nur (wahrscheinlich) Mitaktionär der Bank, er sitzt auch im Kontrollgremium der Fimbag, jener Banken-ÖIAG, die staatliche Gelder an heimische Kreditinstitute im Auge behalten soll. Im Fall der Bawag PSK sind das immerhin 550 Millionen Euro.

Exit in Vorbereitung?

Tatsächlich waren einige Meldungen, die zuletzt über das viertgrößte Institut des Landes die Runde machten, alarmierend. Nach fast sechs Jahren ohne Return könnte der "Höllenhund“ Cerberus das Interesse an der Bawag PSK verlieren und nicht mehr gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen wollen. Schließlich haben die Amerikaner zum großteils kreditfinanzierten Kaufpreis der Bank von 3,2 Milliarden Euro schon 205 Millionen Euro nachgeschossen. Als Indiz für einen möglichen Ausstieg werten Beobachter eine Rochade in der Eigentümerstruktur: Über einen "Debt Equity Swap“ ist nun "Golden Tree“, ein anderer US-Hedgefonds, zu knapp zehn Prozent an der Bank beteiligt. Dies sei der Anfang des Exits des Höllenhundes, munkeln Wiener Banker.

Die Bankenaufsicht beäugt die Transaktion jedenfalls mit großer Aufmerksamkeit. Gerade eine Bank, die den Zahlungsverkehr der Republik abwickelt, müsse besonders transparent sein, heißt es. Bawag-PSK-Chef Byron Haynes dementiert im FORMAT-Gespräch Verkaufspläne des Eigentümers: "Cerberus ist kontrollierender Haupteigentümer und wird das auch bleiben.“ Ob dieser Haupteigentümer jedoch noch mehr Geld in die Bank investieren will, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Haynes verhandelt mit Cerberus gerade über eine weitere Finanzspritze.

Die er allerdings nicht unbedingt benötigt, wie er nicht müde wird zu betonen. Am Ende des Jahres soll die Bawag PSK über komfortable neun Prozent Eigenkapital (Tier-1) verfügen, versichert der Bankchef.

Dazu beitragen soll auch ein deutliches Abschlanken der Bank. Den Abgang des letzten österreichischen Bawag-Vorstands, Christoph Raninger, werten viele in der Branche als Signal dafür, dass sich die Bank zur Gänze aus dem - eigenkapitalintensiven - Firmenkundengeschäft zurückziehen will. Schon im ersten Halbjahr dieses Jahres ist dieser Bereich, der für das Institut über Jahre hindurch von großer Bedeutung war und für den intensiv geworben wurde, stark zusammengeschmolzen: von 86,2 auf 54,4 Millionen Euro im Ergebnis.

Gemeinsam mit Raninger sollen 700 weitere Bawag-Mitarbeiter gehen. Obwohl Haynes diese Zahl nicht bestätigen will, gibt er zu, dass er intensiver sparen müsse als noch 2010 in Aussicht gestellt. Damals war von 500 der 4.000 Mitarbeiter die Rede. Zusätzlich zu Reduktionen beim Eigenhandel und im Firmenkundengeschäft will die Bank auch verstärkt auslagern, etwa bei den IT-Dienstleistungen und im Backoffice. Auch der Verkauf der Leasingsparte ist in vollem Gange. "Bei vielen Mitarbeitern zehrt all das an den Nervensträngen“, berichtet ein ehemaliger Bawag-Manager.

Dafür wird - für viele in der Branche unverständlich - im Retail-Geschäft auf Teufel komm raus expandiert. Während viele heimische Banken aufgrund der schlechten Zinsmargen Filialen schließen, sperrt die Bawag PSK unter Einsatz eines dreistelligen Millionenbetrags munter weiter auf. "Ende des Jahres werden wir schon 500 gemeinsame Filialen von Bawag PSK und Post haben“, ist Haynes stolz. Sein klares Ziel: Marktführer im Retail-Business in Österreich.

Doch all die neu gewonnenen Privatkunden nützen wenig, wenn die Republik als Großkunde - sie wickelt den Zahlungsverkehr über die Bawag ab - verloren geht. Genau das steht zurzeit im Raum. "Wenn das passiert, wird die Bawag ein Fall für die Verstaatlichung“, ist Androsch wenig optimistisch.

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