Der nach Dubai ausgewanderte Ex-Bulle Josef Kleindienst wird auf Millionen geklagt

Österreichs Dubai-Export Josef Kleindienst wird mit Millionenklagen eingedeckt. Völlig zu Unrecht, wie der Immobilien-Unternehmer meint.

Ein einsames Fischerboot an der Küste, kilometerlange Palmenstrände und ein kitschiger, rosaroter Sonnenuntergang. So muss das Paradies aussehen, denkt sich, wer auf der Website der Firma Kleindienst landet.

Doch hinter dieser paradiesischen Fassade haben sich in den letzten Jahren allerhand Probleme für Josef Kleindienst, den Betreiber der Website und Immobilienunternehmer in Dubai, angehäuft. Die einstige Goldgrube in den Emiraten hat sich für den ehemaligen Polizisten aus Österreich zu einem wahren Alptraum entwickelt. Immobilienprojekte, die seit Monaten auf Eis liegen, und Schadenersatzklagen in Millionenhöhe machen dem geschäftstüchtigen Niederösterreicher das Leben schwer.

Guter Start

Dabei hatte alles so gut angefangen. Mit 27 Millionen Schilling in der Tasche zog Kleindienst als einer der ersten Europäer im Jahr 2003 in das Emirat Dubai, um dort die wirklich große Kohle zu machen. Und lange Zeit ging das auch gut. Die Geschäfte von Kleindienst & Partner boomten. Der einstige Exekutivbeamte vermittelte Luxuswohnungen und Prunkvillen in Dubai an eine äußerst betuchte Klientel. 1.000 vermittelte Immobilien pro Jahr waren für Kleindienst nichts Außergewöhnliches. Später kam auch Development in ganzen Stadtteilen hinzu. Aufgrund der großen Nachfrage wurden Büros in Indien und Pakistan eröffnet. Bei all diesen Geschäften kamen dem Österreicher seine exzellenten Kontakte zu Dubais Herrscherfamilie Maktoum zugute.

Doch Ende 2009 schlitterte der Wüstenstaat in die Krise und hatte mit Milliardenschulden und Zahlungsproblemen zu kämpfen. Mit Dubai kamen auch die dortigen Unternehmer in Bedrängnis, eben auch Kleindienst. Der Staat stellte Arbeiten an der Infrastruktur ein, die Käufer, die Kleindienst wenige Jahre zuvor die Villen und Wohnungen aus der Hand gerissen hatten, blieben auf einmal aus.

Crystal auf Eis

Ein Millionenprojekt mit dem klingenden Namen „The Crystal“, das der Österreicher 2006 in Angriff genommen hatte, musste auf Eis gelegt werden. Geplant war eine exklusive Hotel- und Apartmentanlage, entworfen von Stardesigner Philippe Starck.

Den Investoren, die Kleindienst vorwiegend in Europa in der vermögenden Schicht gefunden hatte, wurde eine Rendite von 9 bis 15 Prozent pro Jahr in Aussicht gestellt. Insgesamt flossen mehr als 60 Millionen Euro in das Projekt, die Hälfte davon stammte von Kleindienst selbst. Für Ende 2010 war die Eröffnung geplant. Nur: „The Crystal“ gibt es bis heute nicht, außer einem medienwirksamen Spatenstich im Jahr 2008 ist nichts passiert.

Lange haben die Investoren noch gehofft, kürzlich aber haben einige geklagt. Denn in den Verträgen mit der Kleindienst-Gruppe, die FORMAT vorliegen, heißt es: „Sollte mit der Realisierung des Projekts nicht bis 1. Juni 2007 begonnen werden, wird der Kauf rückabgewickelt.“ Und: „Dem Käufer wird die Put-Option eingeräumt, sein Eigentum an den Verkäufer zurückzuübertragen, falls die Realisierung des Projekts scheitert.“ Die Investoren fordern insgesamt rund zehn Millionen Euro zurück, doch Kleindienst weigert sich zu zahlen. Er weiß zwar von den Klagen, begründet seine Zahlungsunwilligkeit aber folgendermaßen: „Dubai hat die Stadtentwicklung dort auf ‚hold‘ gestellt. Das ist ein klarer Fall von höherer Gewalt“ – und dieser setze die Verträge außer Kraft.

Er selbst will die Anteile jedenfalls nicht zurückkaufen. Was Kleindienst allerdings wohlweislich verschweigt: Kürzlich erst war auf seiner eigenen Website zu lesen, dass die Regierung Zufahrt und Infrastruktur von „The Crystal“ sehr wohl fertiggestellt hat.

Die Investoren vermuten nun, dass Kleindienst ihr Geld zweckentfremdet und es in Projekte mit höheren Renditen wie etwa „The World“ gesteckt hat. „Das stimmt natürlich nicht. Investorengelder unterliegen hier einer strengen Mittelverwendungskontrolle“, entgegnet der Immobilien-Mann erbost.

200-Millionen-Euro-Klage

Aber auch beim Monsterprojekt „The World“ war Kleindienst kein Glück beschieden. Sechs der 300 künstlich angelegten Luxus-Inseln hat der Österreicher im Glauben erworben, die Villen darauf um teures Geld weiterverkaufen zu können. Laut eigenen Angaben hat der Ex-Polizist schon 60 Millionen Euro in die Inselparadiese investiert. 2010 hätte auf der Österreich-Insel ein „Sissi“-Hotel mit 200 Zimmern eröffnen sollen. Aber auch hier hat die Krise zugeschlagen, keine einzige Insel ist bis heute fertig. Und auch hier wird geklagt. Der staatliche Immobilienentwickler Nakheel will 200 Millionen Dollar ausstehende Zahlungen von Kleindienst. Dieser hält entgegen: „Wir haben mit Nakheel einen Zahlungsaufschub und einen Discount vereinbart. Das neue Management fühlt sich an diese Vereinbarung aber nicht mehr gebunden.“ Eine Entscheidung des Gerichts wird frühestens in einem halben Jahr erwartet.

Als wäre das alles nicht schon genug, ist kürzlich auch noch Kleindiensts lange währende Geschäftsbeziehung zu dem arabischen Businessman Faisal Al Amiri in die Brüche gegangen. Amiri verfuhr mit Kleindienst nicht zimperlich: Er ließ eine Annonce mit dessen Foto und einer Warnung vor dessen Geschäften in Dubais Zeitung „Gulf News“ setzen (siehe Bild oben). Auch mit Amiri trifft sich Kleindienst seit einigen Monaten vor Gericht. „Er hat zwei Firmen von mir feindlich übernommen, um an die darin befindlichen Treuhandkonten zu kommen. Das werde ich aber nicht zulassen“, erklärt Kleindienst kämpferisch.

Ausweichmarkt Seychellen

Probleme über Probleme also für den Selfmade-Unternehmer. Ans Aufgeben denkt er dennoch nicht. „In Boomzeiten waren 20 österreichische Immobilienfirmen in Dubai. Heute bin ich der einzige Österreicher hier. Ich sehe das als Riesen-Chance.“ Und sollte es in Dubai gar nicht mehr funktionieren, ruft schon das nächste Paradies. Denn Kleindienst will sich stärker dem Immobilienmarkt auf den Seychellen widmen.

– Angelika Kramer

Zur Person: Josef Kleindienst, Immobilienunternehmer
Der ehemalige Polizist hat mit seinen 48 Jahren schon viel erlebt. Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er als Aufdecker der „Spitzelaffäre“, in der er FP-Politiker anprangerte, die Polizisten für eigene Zwecke einspannten. Nach seinem Ausscheiden aus der Polizei verdingte sich Kleindienst als Zocker. An der Börse machte er binnen kurzer Zeit 27 Millionen Schilling aus einer halben Million. Mit diesem Geld ging er 2003 nach Dubai und stieg groß ins Immobiliengeschäft ein.

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