Der Abstieg Österreichs

Der Abstieg Österreichs

Es ist nicht der Status quo, der den Experten Sorgen macht, sondern die Tendenz: In fast allen wichtigen Rankings, die die Qualität von Standorten messen, ist Österreich nach hinten gerutscht.

Ideen, wie die schleichende Verschlechterung wirklich beendet werden kann, gibt es kaum. Besonders wenn die knapper werdenden Mittel im Budget berücksichtigt werden müssen.

Dabei würden Investitionen in die Infrastruktur schnell Früchte tragen - und auch Österreich in den Rankings nach vorn bringen. Mit besseren Verkehrs-, Energie- und Kommunikationswegen könnte Österreichs Wirtschaft um rund 27 Milliarden Euro mehr Wertschöpfung erzielen, glaubt David Ungar-Klein, Herausgeber des soeben erschienenen "Infrastrukturreports 2013“. "Die Sicherung einer leistungsstarken Infrastruktur hat zentrale Bedeutung für die Zukunft des Wirtschafts- und Arbeitsplatzstandortes Österreich“, meint auch Bernhard Felderer, Präsident des österreichischen Staatsschuldenausschusses.

Intelligenz gefragt

Es müsste dabei nicht unbedingt mehr investiert werden - sondern intelligenter. "Wenn ich die Wahl zwischen Investitionen in Bahntunnel und ins Glasfasernetz habe, würde ich als Erstes die Kommunikationsnetze stärken“, sagt Roland Falb, Managing Partner bei Roland Berger. Denn Österreich sei zwar in der Wahrnehmung noch gut, was Festnetz und Mobilfunk betreffe. "Aber von den Fakten her fallen wir immer weiter zurück. Die Nutzung von Festnetz-Breitband liegt bereits unter dem europäischen Durchschnitt.“

Ähnlich argumentiert auch Wolfgang Kniese, Finanzchef von T-Mobile in Österreich. "2007 war die österreichische Investitionsquote in den Mobilfunk in der EU am höchsten, sie ist in den vergangenen Jahren aber deutlich zurückgefallen“, erklärte Kniese vor kurzem. Der Grund dafür sei die Ertragslage der Mobilfunkunternehmen in Österreich. Die niedrigen Preise für Telefonie und Internetsurfen freuen zwar die Österreicher, wenn sie ihre Telefonrechnung sehen. Aber die Telekommunikationsanbieter haben dadurch weniger Mittel zur Verfügung, um die Netze zu verbessern. "Dazu kommt die Überregulierung“, sagt Falb. Auch die würde es den Unternehmen schwer machen, zu investieren.

Mittlerweile sehen bereits 59 Prozent der heimischen Manager Verbesserungsbedarf bei den Investitionen in die Breitband-Infrastruktur. Das geht aus einer Umfrage hervor, die für den "Future Business Austria Infrastrukturreport 2013“ durchgeführt wurde.

Verbesserungen bei der Schiene

In der Umfrage wurden alle Infrastrukturbereiche abgefragt. Auffällig ist das Lob, das die ÖBB bekommen: Im Vergleich zu früheren Erhebungen sind die Manager deutlich zufriedener mit der Bahn. "Seit 2010 haben sich Qualität, Ausstattung und Pünktlichkeit gebessert“, sagt Ungar-Klein. Vier Fünftel der Befragten sind der Ansicht, dass die Bahn den Service im Personenverkehr verbessert habe. Kritik erntet hingegen die Post, der die Manager die mangelnde Flexibilität des Unternehmens ankreiden.

Mit der Luftfahrt-Infrastruktur sind die Manager recht zufrieden. Sie wünschen sich nur, dass der Flughafen Wien als Verkehrsknotenpunkt erhalten bleibt. Den Bau einer dritten Landepiste erachten gerade einmal vier Prozent der Befragten für notwendig, ebenfalls vier Prozent fordern eine Kooperation mit dem Flughafen Bratislava.

Wichtig, das betonen viele, wäre allerdings, Schiene, Straße, Luft- und Schifffahrt besser zu verknüpfen. "Derzeit sind intelligente Verkehrsleit- und Steuerungssysteme eher Forschungsthemen, Intermodalität wird zu wenig gefördert“, sagt Falb.

Auch im Energiebereich sind dunkle Wolken vorhanden. "Es gibt zu schwache Stromverbindungen mit dem Ausland, und bei der österreichischen 380-kV-Leitung geht auch nichts weiter“, kritisiert Falb. Experten warnen bereits vor einem totalen Zusammenbruch der Stromversorgung, wenn nicht bald in die Stromnetze investiert wird. So ein totaler Blackout würde die Österreicher rund 55 Millionen Euro pro Stunde kosten.

Strategie 2030 fehlt

In Österreich fehlt - im Gegensatz zur Schweiz - eine nationale Infrastrukturstrategie. Bei den Eidgenossen gibt es genaue Pläne, was in den sechs Infrastrukturbereichen Luftfahrt, Straße, Schiene, Strom, Gas und Telekommunikation bis zum Jahr 2030 investiert werden soll. Eine solche vorausschauende und ressortübergreifende Politik urgiert Ungar-Klein auch für Österreich. "Alle Player, also Länder, Gemeinden und die EU, müssen an einem Strang und in die richtige Richtung ziehen.“ Denn eine vernünftige Infrastruktur endet weder an den Bundesländer- noch an den Staatsgrenzen. "Es bräuchte in Österreich einen eigenen echten Infrastrukturminister“, meint Falb. Denn derzeit sind zu viele verschiedene Stellen für Infrastrukturagenden zuständig: das Infrastrukturministerium, das Wirtschaftsministerium, das Wissenschaftsministerium, das Finanzministerium und auch das Bundeskanzleramt. Auch 73 Prozent der Manager kritisieren, dass es in Österreich keine koordinierte Infrastrukturpolitik, sondern nur "Stückwerk“ gibt.

Weniger wichtig sei indes, meinen Falb und Ungar-Klein, verhindern zu wollen, dass Infrastruktur in ausländischem Besitz steht. "Die Ängste vor dem Ausland sind überzogen“, sagt Falb. "Denn auch ein ausländischer Investor möchte gutes Business machen, wenn er Infrastruktur anbietet. Und das geht nur, wenn er Qualität anbietet.“ Allerdings sei nicht jede Art von Infrastruktur für Privatisierungen geeignet. Eisenbahnschienen etwa sollen der öffentlichen Hand gehören, auch um die notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen sicherzustellen. Bei den befragten Managern ist - im Vergleich zu 2008 - der Wunsch nach privatwirtschaftlichen Betrieb übrigens ebenfalls zurückgegangen. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Dass Bahnen privat betrieben werden, können sich mittlerweile 39 Prozent der Österreicher vorstellen.

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