Der A-Tec-Boss gibt FORMAT das erste Interview nach der A-Tec-Pleite

Erstmals nach Bekanntgabe der A-Tec-Pleite tritt Firmenchef Mirko Kovats an die Öffentlichkeit und spricht über die Zukunft des Industriekonzerns, die Ermittlungen gegen ihn – und über sein Vermögen.

FORMAT: Herr Kovats, Sie gelten als harter Durchgreifer, der nie um eine Antwort verlegen ist. Seit Bekanntgabe der A-Tec-Pleite meiden Sie aber die Medien. Haben Sie nichts mehr zu sagen?

Kovats: Es gab bislang nichts zu sagen. Jetzt stehen die Verhandlungen mit den Investoren kurz vor dem Abschluss, und es freut mich, sagen zu können, dass das Überleben der A-Tec gesichert ist. Es wird einen Investor geben, so viel steht fest.

FORMAT: Sie sollen bei den Verhandlungen „schwierig“ gewesen sein, vor allem gegenüber dem Finanzfonds Penta. Stimmt es, dass Sie sich einen Industriekonzern als Investor wünschen?

Kovats: Ja, und daraus mache ich kein Geheimnis. Aber ich bevorzuge niemanden, sondern suche nach der besten Lösung für die A-Tec. Mein Verhältnis zu Penta ist neutral, ich habe gegen niemanden etwas. Es steht noch nicht fest, für welchen Investor wir uns entscheiden, aber in den nächsten Tagen könnte es eine Grundsatzentscheidung geben.

FORMAT: Warum kein Finanzinvestor?

Kovats: Weil wir alle wissen, was das bedeutet. Die A-Tec würde zerschlagen und verkauft werden. Das bedeutet einen massiven Jobabbau, so viel ist klar. Fast 2.000 der insgesamt 5.000 Mitarbeiter sind in Österreich tätig. Sie können sich vorstellen, dass nicht alle ihren Arbeitsplatz behalten würden. Ich bedauere sehr, dass sich die österreichischen Politiker nicht für eine österreichische Lösung eingesetzt haben. So hätten die Jobs erhalten werden können.

FORMAT: Ginge die A-Tec an einen Finanzinvestor und käme es zu einer Zerschlagung, bräuchte man auch Sie nicht mehr. Sind Sie da nicht von persönlichen Motiven getrieben?

Kovats: Nein, es geht mir um die Zukunft des Unternehmens. Die A-Tec performt wieder hervorragend. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass alle Töchter Gewinne schreiben, es besteht kein Sanierungsbedarf mehr. Ein Industrieinvestor würde diesen Erfolg fortsetzen, weiter expandieren und nicht einzelne Teile verkaufen, um schnelle Profite zu machen.

FORMAT: Genau das, was Ihnen immer vorgeworfen wurde …

Kovats: Wo ich alleine war, habe ich nie den schnellen Schnitt im Auge gehabt. Was stimmt, ist, dass ich früher auch Partner mit anderen Interessen hatte.

FORMAT: Im Rennen um die A-Tec sind neben Penta nur noch der Fonds Springwater mit einem chinesischen Motorenbauer im Schlepptau sowie ein pakistanischer Milliardär. Angeblich soll Penta doch den Zuschlag erhalten – gegen Ihren Willen?

Kovats: Ich will den Stand der Verhandlungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Fest steht, dass das beste Offert noch im August bei einer Hauptversammlung präsentiert wird. Das Geld an die Gläubiger fließt wie vereinbart bis Ende September.

FORMAT: Wie steht es um Ihre Zukunft? Wollen Sie an Bord bleiben?

Kovats: Diese Frage stellt sich derzeit nicht. Es geht um die Zukunft der A-Tec. Ich bin Vollblutunternehmer und denke noch lange nicht an den Ruhestand.

FORMAT: Die A-Tec hatte früher 12.000 Mitarbeiter, heute sind es nicht einmal halb so viele. Sie sagen, dass es noch weniger werden, weil es wegen der Tatenlosigkeit unserer Politiker zu keiner österreichischen Lösung kommt. Also, die anderen sind schuld?

Kovats: Schauen Sie, was in Österreich passiert: Know-how unserer Unternehmen wird von ausländischen Firmen herausgesaugt und weiterverkauft. Welche Industriekonzerne investieren heute noch in Österreich? Keine. Unser Land ist für sie völlig uninteressant geworden. Die Politik ist wirtschaftsfeindlich und hat auch keine Ahnung von Wirtschaft. Die Banken stehen nicht zur Verfügung, um Arbeitsplätze zu erhalten, und zocken lieber mit Derivaten. Und wenn es schiefgeht, muss der Steuerzahler geradestehen. Das geht bei einem privaten Industriekonzern nicht, deshalb würde der hier auch nicht investieren. Bei Finanzinvestoren ist es anders. Die können eine Firma kaufen und danach weiterverkaufen. Die Jobs sind dann aber weg. Darum bedauere ich es auch, dass es bei der A-Tec zu keiner österreichischen Lösung kommt.

FORMAT: Hätten Sie sich bei den Verkaufsverhandlungen mehr Hilfe aus der Politik erwartet?

Kovats: Das wäre schön gewesen, aber es war nicht so. Ich gehöre keiner politischen Partei an und habe keine Kontakte zu Politikern. In solch einer Lage ist das ein Nachteil, aber wer interessiert sich hier schon für Arbeitsplätze? Das sind nur Lippenbekenntnisse.

FORMAT: Herr Kovats, mit Verlaub, die Politik ist nicht schuld an der Pleite der A-Tec. Wo bleibt die Selbstkritik?

Kovats: Im Nachhinein sagt sich immer alles ganz leicht. Das Kernproblem war, dass ein großes Kraftwerksprojekt in Australien scheiterte. Hätte das geklappt, wäre es nicht zur Pleite gekommen.

FORMAT: Der Bericht des Insolvenzverwalters liest sich anders. Da ist auf immerhin 105 Seiten die Rede von schweren Fehlern des Managements, etwa was diverse Akquisitionen betrifft …

Kovats: Insolvenzverwalter müssen kritisch sein, und ich habe auch kein Problem damit. Jeder macht Fehler, natürlich auch ich, aber es hat jetzt keinen Sinn, zurückzublicken und danach zu suchen, was alles besser gemacht hätte werden können.

FORMAT: Die Finanzkrise hat Zocker bestraft – neben Banken auch Firmen, die mit zu viel fremdem Kapital arbeiteten. Ist die Zeit der Glücksritter vorbei?

Kovats: Die Zeit der zockenden Banken ist leider schon wieder da. Und dafür müssen wir alle bezahlen, Unternehmen ebenso wie Steuerzahler. Dass Firmen Fremdkapital aufnehmen müssen, um zu expandieren, ist wohl klar. Und jetzt müssen sie büßen, weil Banken Milliarden in den Sand gesetzt haben.

FORMAT: Ein Leben auf Pump bekommt auch Unternehmen nicht. Die Eigenkapitalquote der A-Tec war knapp bemessen. Aus heutiger Sicht ein Fehler?

Kovats: Wir sind stark gewachsen, dazu war viel Fremdkapital notwendig, dazu stehe ich. Dass es zum Ausfall eines derart großen Kraftwerksprojekts kommen würde, damit hat niemand rechnen können.

FORMAT: Wären Ihre seinerzeitigen Deals mit Ronny Pecik, bei denen Sie auf die Schnelle Millionen machten, heute überhaupt noch möglich?

Kovats: Nein, weil die Banken solche Geschäfte nicht mehr finanzieren können. Finanzierungen von Banken gibt es nur in deren Inseraten. Wenn keine Kredite vergeben werden, kommt es zur Deindustrialisierung: Firmen ziehen weg, Jobs gehen verloren, und Know-how wird ins Ausland transferiert.

FORMAT: Die Vergangenheit holt Sie ein. Ermittlungen laufen gegen Sie und andere A-Tec-Manager unter anderem wegen Untreue und Bilanzfälschung.

Kovats: Sie entbehren jeder Grundlage und wurden von jemandem initiiert, der mir schaden will. Wir sind eines der bestgeprüften Unternehmen Österreichs, und mit der BDO haben wir einen renommierten Wirtschaftsprüfer. Diese Vorwürfe sind nicht haltbar.

FORMAT: Sie meinen die Vorwürfe Ihres früheren Geschäftspartners Rudolf Krtina?

Kovats: Er wird nur nach außen präsentiert, mehr will ich dazu nicht sagen.

FORMAT: Die Ermittler nehmen die Vorwürfe ernst und interessieren sich vor allem für Aktienrückkäufe. Ihre Stiftung soll A-Tec-Aktien weit unter dem Marktwert erworben haben. Es heißt, Sie hätten daran 12,6 Millionen Euro verdient.

Kovats: Das ist falsch. Damals hätte ein Investor einsteigen sollen, damit das Eigenkapital nicht unter 20 Prozent fällt (sonst wäre eine Anleihe fällig geworden, Anm.). Doch die Verhandlungen scheiterten in letzter Sekunde. Der Kurs der Aktie ist heute um ein Vielfaches schlechter als damals, für die Stiftung war es also sogar ein riesiges Verlustgeschäft.

FORMAT: Na ja, es ist klar, dass das A-Tec-Papier wegen der Insolvenz an Wert verloren hat.

Kovats: Klar ist gar nichts. Fakt ist, dass die Stiftung viel Geld verloren hat. Es gab zwar eine Besserungsklausel im Falle eines höheren Kurses, die natürlich nicht schlagend wurde, aber keine Vereinbarung im Fall eines niedrigen Kurses.

FORMAT: Umstritten ist auch die Übernahme von Emco. Ihre Stiftung M.U.S.T. hat den Werkzeugmaschinenbauer 2005 an die A-Tec in mehreren Tranchen verkauft, angeblich zu teuer …

Kovats: Es gab zum Verkauf ein Gutachten des Wirtschaftsprüfers PwC. Wenn Sie da recherchieren, werden Sie herausfinden, dass die Bewertung völlig neutral erfolgte. Ich habe nichts zu verstecken und kooperiere mit den Behörden. Der Verkauf erfolgte vor dem Börsengang mit einstimmigem Gesellschaftsbeschluss. Meine Stiftung war damals lediglich Minderheitsgesellschafter, die Transaktion wurde ausführlich im Emissionsprospekt beschrieben, und der Preis war am unteren Ende der Bewertung angesetzt.

FORMAT: Sie mussten sich vor kurzem angeblich von Immobilien, etwa Ihrem Haus in der Karibik, trennen. Wie reich sind Sie noch?

Kovats: Ich habe noch nicht ausgesorgt, wenn Sie das meinen, und muss für meine Familie und mich weiterarbeiten. Wie Sie vielleicht wissen, gehört den Banken auch das Haus, in dem wir leben. Die vergangenen Monate waren für mich sehr mühsam, und ich hoffe, dass die Zeiten wieder besser werden.

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