Das Schlamassel der Conti-Übernahme: Maria-
Elisabeth Schaeffler kämpft mit Finanzierung

Die Übernahme des Autozulieferers Continental kommt Maria-Elisabeth Schaeffler viel teurer als geplant.

Im Juli war die Welt noch in Ordnung. Die deutsche Schaeffler-Gruppe, die sich im Eigentum der Wienerin Maria-Elisabeth Schaeffler befindet, legte für den dreimal größeren deutschen Autozulieferer Continental ein Übernahmeangebot. In der Öffentlichkeit wurde der Elf-Milliarden-Euro-Coup heiß diskutiert. Schaeffler, Witwe des Firmengründers Georg Schaeffler und Gebieterin über 66.000 Mit­arbeiter, wurde für ihren gefinkelten Schachzug gelobt.

90 statt 50 Prozent der Aktien
Jetzt, im November, kommt Schaeffler auf rund 90 Prozent der Conti-Aktien. Dabei hat sie mit Continental ausgemacht, bis 2012 nur knapp 50 Prozent der Papiere halten zu wollen. Doch durch die Finanzkrise und die verschlechterte Wirtschaftslage haben zu viele Anteilseigner das Offert angenommen.

Schadensersatzzahlungen bei Rücktritt
Das hat zur Folge, dass Schaeffler die Aktien kaufen muss, um sie dann wieder an Dritte weiterzuverkaufen. Auf rund drei Milliarden Euro werden die Kosten dafür geschätzt. Ein Investor wird derzeit händeringend gesucht. Vom Kauf zurückzutreten ist auch nicht wirklich eine ­Alternative: Hier wären drei bis vier Milliarden Euro an Schadenersatzzahlungen für die Anleger notwendig. „Das Schadenersatzszenario ist ein größerer Gesichtsverlust, als wenn die Aktien gekauft und dann wieder verkauft werden“, sagt Analyst Aleksej Wunrau von der BHF-Bank.

Deal könnte platzen
Was ebenfalls schwer wiegt: Offensichtlich gibt es gröbere Probleme, die in Europa größte Über­nahme des Jahres zu ­finanzieren. „Im Markt gibt es einige Leute, die glauben, dass der Deal nicht so stattfindet“, sagt Robert Heberger, Analyst bei Merck Finck in Deutschland. Denn die Aktien, die Schaeffler zum Kauf angeboten wurden, werden an der Frankfurter Börse nicht zum Übernahmepreis von 75 Euro gehandelt, sondern sie kosten nur rund 60 Euro. Und die restlichen zehn Prozent, die nicht Schaeffler zum Kauf angeboten wurden, notieren überhaupt nur bei 35 Euro.

Vermögen unbekannt
Da die fränkische Schaeffler-Gruppe als Familienunternehmen kaum Zahlen publiziert, ist nicht klar, wie viel Geld Schaeffler ohne Probleme ausgeben kann. Ihr Vermögen wird auf gut fünf Milliarden Euro geschätzt, sie gilt als zweitreichste Frau Deutschlands. Offiziell wird betont, dass die Übernahme klappen wird und dass die Finanzierung auch trotz Bankenkrise gesichert ist. Aber: Eile legt Schaeffler nicht mehr unbedingt an den Tag. Erst jetzt wird die Übernahme bei der Europäischen Union angemeldet, die Entscheidung der Kartellbehörden für frü­hestens Mitte Dezember, spätestens Anfang März 2009 erwartet.

Zu Sitzungen nach Wien
Zudem bemüht sich Maria-Elisabeth Schaeffler, die Eigen­kapitalausstattung des Unternehmens zu verbessern. Wohl auch aus diesem Grund hat sie diese Woche eine US-Medizintechnik-Tochter mit rund 275 Mitarbeitern verkauft. Erwartet wird auch, dass Teile von Continental nach der Übernahme versilbert werden müssen.
Im Aufsichtsrat der Verstaatlichtenholding ÖIAG sitzt Schaeffler übrigens auch. Zu den Sitzungen erschien sie auch in letzter Zeit immer, trotz der Turbulenzen daheim. Hauptthema im ÖIAG-Aufsichtsrat ist derzeit die Privatisierung der AUA: ebenfalls ein Deal, der im Sommer noch einfacher erschien als jetzt im Herbst.

Von Miriam Koch

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