Das Reich von Auer von Welsbach zerbröckelt

Nach der Wertpapierkonzession und den RHI-Aktien ist auch der AvW-Anteil an Cancom weg. Weitere Notverkäufe dürften folgen.

Bis vor wenigen Wochen war die Welt von Wolfgang Auer von Welsbach noch in Ordnung. Eine neue Beteiligung hier, ein Aufsichtsratssitz da – kurz: Es wurde expandiert auf Teufel komm raus. Und das mitten in der ­Finanzkrise. Noch am 6. Oktober, also kurz vor Bekanntwerden der Liquiditätsprobleme des Kärntner Finanzhauses, wurde ein Brief an Investoren verschickt, in dem das beste Jahr der Unternehmensgeschichte angekündigt wird. Die Erklärung wird gleich mitge­liefert. AvW verzichte bewusst auf Hochrisikogeschäfte.
Mittlerweile scheint klar: ­Abgesehen von den angeblich rechtswidrigen Geschäften ei­nes AvW-Prokuristen, wurden von dem Unternehmen höchst­riskante Optionsgeschäfte in großem Stil abgewickelt. Das dürfte nun nicht nur rund 12.000 Besitzern von AvW-­Genuss­scheinen auf den Kopf fallen, sondern Auer von Welsbach selbst. Denn sein seit Jahren mühevoll aufgebautes Be­teiligungs- und Finanzimperium scheint zuse­hends zu zer­bröckeln. Der An­teil am Feuerfesthersteller RHI, der zuletzt bei sechs Prozent lag, ist auf nur noch zwei Prozent zusammen­geschrumpft. Dieses Paket dürfte an die RZB gewandert sein, über deren Tochter RCB AvW zahlreiche der Optionsgeschäfte abgewickelt hat. Da AvW seinen Nachschussverpflichtungen aber zuletzt nicht mehr nachge­kommen ist, dürfte Raiffeisen sich die Aktien geholt haben.
Ähnlich scheint es beim deutschen IT-Systemhaus Cancom funktioniert zu haben: Bis vor kurzem besaß AvW Invest an dem Unternehmen 20 Prozent; seit dieser Woche ist der Anteil auf null zurückgegangen. Die Hausbank von Cancom ist die Landesbank Baden Württemberg, ebenfalls eine gute Bekannte von AvW. Auch über diese Bank wurden Optionsgeschäfte in Millionenhöhe abgewickelt. Mit jedem Anteilsverkauf reduziert sich die Substanz der AvW-Gruppe und damit auch der potenzielle Wert der leidgeprüften AvW-Substanzgenussscheine.

Große Unsicherheit. In den anderen Beteiligungen der AvW-Gruppe sitzt man jetzt auf Nadeln: Bei C-Quadrat (30 Prozent) harrt man der Dinge.Hier dürfte der Verkauf des Aktienpakets an Investor Ronnie Pecik im letzten Moment gescheitert sein. Für den Kurs der Aktie war die Unsicherheit nicht gerade förderlich. Auch bei S&T (29 Prozent) hofft man auf ein baldiges Ende der Ungewissheit. Großaktionär Thomas Streimelweger: „Wir befürchten, dass irgendeine Bank das verwertet und zu den jetzt niedrigen Kursen auf den Markt wirft.“ Dabei würden neben Streimelweger selbst schon mehrere Käufer parat stehen.
Endgültig vorbei ist es seit dieser Woche auch mit den Wertpapiergeschäften von AvW: Die Konzession ist erloschen. Damit geht das Kerngeschäft, also rund 80 Prozent des Geschäfts der AvW Invest AG, flöten. Umso mehr verblüfft es dann, dass der Handel in AvW-Invest-Aktien so rege ist wie schon lange nicht mehr. Kursgewinnen von 40 Prozent folgen tags darauf Verluste in ­ähnlicher Höhe. Immerhin verbleiben Auer von Welsbach und der AvW-Gruppe noch neun Immobilien in Kärnten. Aber die sind seit kurzem auch von der AvW-Homepage verschwunden.
– Angelika Kramer

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