Das Finanzministerium will eine Fusion von Volksbanken und Bawag PSK im neuen Jahr

Steigende Verluste zwingen die Volksbanken zu radikalen Reformen. Das Finanzministerium drängt auf rasche Wiederaufnahme der Fusionsgespräche mit der Bawag PSK im neuen Jahr.

Sind die Volksbanken noch zu retten? Diese Frage dürfte sich Finanzministerin Maria Fekter zuletzt öfters gestellt haben. Ihr Vorgänger, der mittlerweile zu Raiffeisen gewechselte Josef Pröll, hatte den Volksbanken („Mit V wie Flügel“) noch eine stolze Milliarde Euro Staatshilfe zur Verfügung gestellt – und sich jährlich 93 Millionen Euro Zinsen erwartet.

Doch geflossen ist in den letzten zwei Jahren nicht ein Cent. Ganz im Gegenteil: Das Spitzeninstitut der genossenschaftlichen Banken, die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG), verpulvert das Geld geradezu: Trotz Verkauf der Ostholding VBI an die russische Sberbank rechnet die ÖVAG mit bis zu einer Milliarde Euro Rekordverlust. Gebrochen wurde auch das Versprechen, 300 Millionen Euro Staatsgeld noch heuer zurückzuzahlen.

Wenig überraschend, dass Fekter so - wie ihre Bankkontrollore in Finanzmarktaufsicht und Nationalbank nun Druck machen. Sie wollen den Volksbanken-Sektor radikal umbauen. Anfang 2012 soll ein neuer Haftungsverbund aus ÖVAG und 62 Regionalbanken entstehen. Zudem sollen laut FORMAT-Informationen die Fusionsgespräche mit der Bawag-PSK-Gruppe wiederaufgenommen werden.

Die Verhandlungen mit dem US-Fonds Cerberus, dem die Bank für Arbeit und Wirtschaft (Bawag) gehört, waren im Vorjahr gescheitert. Damals hatte das einen wesentlichen Grund: Die regionalen Volksbanken verweigerten partout ihre Zustimmung zu vertraglichen Überkreuzgarantien. Auch hinsichtlich der teilweisen Abgabe von Souveränitätsrechten legten sie ihr Veto ein. Im Klartext: Das Nein zu Haftungsverbund und Sektor-Reorganisation verhinderte die Fusion.

Zurück zum Start

Die Struktur, die vor einem Jahr die „Volksbank für Arbeit und Wirtschaft“ zu Fall brachte, ist heute beschlossene Sache. Konkret wird ein neuer Konzern mit wechselseitigen Haftungsverpflichtungen und zentraler Steuerung entstehen. Die Kreditinstitute des Sektors sollen füreinander einstehen. Konzernfragen sollen nicht mehr dezentral entschieden werden. Für die genossenschaftlichen Volksbanker ist das alles ein Tabubruch.

Als Vorbild für die Neuordnung gilt das sogenannte Rabobank-Modell (siehe unten ). Die niederländische Bankengruppe beschäftigt 59.000 Mitarbeiter in 48 Ländern. Sie verfügt über 141 regionale Niederlassungen, die in vielen Bereichen eigenständig und mit eigenem Vorstand agieren. Diese Regionalbanken sind die Eigentümer des Spitzeninstituts, der Rabobank. In dem Modell sind alle Teilnehmer mit wechselseitigen Bürgschaften verbunden. Wenn eine Bank kracht, haften die anderen für deren Schulden. Auch das Geld der mehr als sechs Millionen Sparer wird so gesichert. Im Gegenzug unterwerfen sich alle Mitglieder des Rabobank-Systems einer zentralen Steuerung durch das Spitzeninstitut: Produktentwicklung, Marketing und Kommunikation sowie Liquiditäts- und Risikomanagement sind beim Spitzeninstitut konzentriert. Die Regionalbanken unterliegen dem strengen Zentralregime.

Das soll auch in Österreich klappen. Die österreichische Volksbanken-Gruppe – 62 Institute plus ÖVAG – betreibt 540 Geschäftsstellen, beschäftigt mehr als 5.000 Mitarbeiter und managt eine Bilanzsumme von mehr als 40 Milliarden Euro. Die Vollkonsolidierung als neue Kreditinstitutsgruppe soll nicht nur die regelmäßigen Eigenkapitalengpässe beenden, sondern auch Effizienzsteigerungen bringen. Doppelgleisigkeiten sollen wegfallen, das Kreditrisiko minimiert werden.

Die neue Struktur soll nach Wunsch des Finanzministeriums auch die Möglichkeit bieten, einen strategischen Partner unkompliziert hineinzunehmen. Für Fekter ist die Bawag der ideale Partner. Zur Erinnerung: Auch die Cerberus-Bank wurde mit 550 Millionen Euro Staatsgeld aufgepäppelt. Im Unterschied zur ÖVAG zahlt die Bawag zwar jährliche Dividenden von 51,2 Millionen Euro, aber eine Cashcow ist die Bank für die Amis trotzdem nicht.

Der alte Cerberus-Plan, die Bawag 2012 mit Profit an die Börse zu bringen, wurde längst verworfen. Die Amerikaner wissen, dass europäische Bankaktien wegen Finanz- und Staatsschuldenkrise nur schwer anzubringen sind. Andererseits ist der Truppe rund um Stephen Feinberg klar: Die Bawag ist zu klein für den kompetitiven Austromarkt. Die Margen sind zu gering, um fette Gewinne zu erzielen. Aber: Mit den Volksbanken könnte ein Geldhaus entstehen, das konkurrenzfähig, flächendeckend vertreten und profitabel ist. Der neue Geld-Gigant mit 10.000 Mitarbeitern brächte über 80 Milliarden Euro Bilanzsumme auf die Waage.

Passende Partner

Tatsächlich ergänzen sich Bawag und Volksbanken perfekt: Geografisch gibt es kaum Überschneidungen, was Jobabbau in den Filialen und auf dem Land unwahrscheinlich macht. In der Zentrale schaut es freilich anders aus: Etwa bei Vertriebssteuerung, Marketing oder Treasury sowie im Fondsgeschäft und bei den Brands – von „easybank“ über „Investkredit“ bis „PSK“ – würde wohl der Rotstift zum Einsatz kommen.

Aus Fekters Sicht macht ein Zusammenschluss von sanierter Volksbank und herausgeputzter Bawag auch volkswirtschaftlich Sinn. Die längst überfällige Konsolidierung des österreichischen Bankenmarkts, wie sie Hannes Androsch als Vizepräsident der Banken-ÖIAG Fimbag seit Jahren fordert, käme so in Gang.

Fekters Planspiel mit der Bawag soll noch in der ersten Hälfte 2012 in Angriff genommen werden. Dann wird auch die neue Volksbanken-Struktur nach dem Rabobank-Modell stehen. Das Finanzministerium hat angekündigt, die Gesetze für die neue Verbundstruktur bis April 2012 fix und fertig zu haben.

Angst vor der Verstaatlichung

Die Volksbanken-Troika, bestehend aus Aufsichtsratschef Hans Hofinger und den Vorstandsdirektoren Michael Mendel und Gerald Wenzel, ist jedenfalls gut beraten, Fekters Wünsche umzusetzen. Immerhin darf die für ihre Durchsetzungskraft gefürchtete Finanzministerin ab Jänner 2012 das Partizipationskapital in Aktien umwandeln. Dann wäre der Staat schlagartig ÖVAG-Mehrheitsaktionär. Für das Trio wäre das ein Schreckensszenario. Da retten sich die Volksbanker doch lieber selbst.

– Ashwien Sankholkar

„Volksbank reloaded“ – oder: das neue Rabobank-Modell

● Die Rabobank ist das Vorbild für die neue Volksbanken- Struktur. Die holländische Bank verfügt über 141 regionale Banken mit eigenem Vorstand und eigener Bilanz. Formell sind selbständige Genossenschaftsbanken Eigentümer des Spitzeninstituts Rabobank.

● Die Arbeitsaufteilung ist klar geregelt. Die Zentrale kümmert sich um Produktentwicklung, Marketing und Kommunikation. Neben der langfristigen Refinanzierung managt sie zentral Treasury, Liquidität und Risiko.

● Das Management besteht aus einem Vorstand, der von einem Aufsichtsrat überwacht wird. Eine zentrale Kreisversammlung, die vom Aufsichtsratschef präsidiert wird, nimmt die Eigentümerrechte wahr.

● Der Haftungsverbund ist elementar im Rabobank- Modell. Über gegenseitige Bürgschaftszusagen haften alle gegenseitig für ihre Schulden. Auch die Primär mittel wie etwa Spareinlagen werden zusammengefasst.

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